Frauenanteil steigt auf 23 Prozent Erstmals mehr Frauen als Männer in Dax-Vorstände berufen

Es geht langsam aufwärts mit der Diversität in den Führungsetagen der 40 Dax-Konzerne. Doch vier Unternehmen beschäftigen noch immer keine einzige Frau im Vorstand.
Führt den Dialysekonzern Fresenius Medical Care: Helen Giza löste im Dezember Carla Kriwet an der Spitze von FMC ab, die das Unternehmen nach nur 66 Tagen und einem internen Machtkampf verließ

Führt den Dialysekonzern Fresenius Medical Care: Helen Giza löste im Dezember Carla Kriwet an der Spitze von FMC ab, die das Unternehmen nach nur 66 Tagen und einem internen Machtkampf verließ

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Angelika Zinzow / dpa

Der Frauenanteil in den Vorständen der 40 größten börsennotierten deutschen Unternehmen ist im vergangenen Jahr von 19 auf 22,7 Prozent gestiegen. Das geht aus einer Auswertung der Personalberatung Russell Reynolds mit Stichtag 1. Januar hervor, die am Wochenende veröffentlicht wurde.

Im vergangenen Jahr seien zudem erstmals mehr Frauen (12) als Männer (11) in die Vorstände der ersten Börsenliga berufen worden, heißt es weiter. Zwei Dax-Konzerne – Siemens Healthineers und Fresenius Medical Care – hätten einen Frauenanteil von 50 Prozent. Die Hälfte der Vorständinnen sei aus den eigenen Reihen rekrutiert worden und es würden auch mehr Frauen in Positionen mit Ergebnisverantwortung berufen statt wie zuvor vorwiegend ins Personalressort. Das zeige, "dass der Kulturwandel zumindest in den größten deutschen Unternehmen angekommen ist und erste Früchte trägt", sagte Berater Jens-Thomas Pietralla.

Linde, Porsche SE, Sartorius und Symrise beschäftigen laut der Studie aber noch immer keine einzige Frau im Vorstand, dabei besteht zumindest bei Sartorius gesetzlicher Handlungsbedarf. Denn seit August 2021 gilt in Deutschland das Zweite Führungspositionen-Gesetz (FüPoG II), das börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen mit mehr als 2000 Beschäftigten und mehr als drei Vorständen bei Nachbesetzungen dazu verpflichtet, mindestens eine Frau im Vorstand zu beschäftigen. Im Jahr 2021 stieg dadurch der Anteil von weiblichen Führungskräften in der ersten Börsenliga von 15 auf 19 Prozent. Im Aufsichtsrat großer Konzerne ist schon länger ein Mindestanteil von 30 Prozent verpflichtend.

Der Duft- und Aromahersteller Symrise hat inzwischen reagiert und wird nach Informationen von manager magazin nun die erste Frau in den Vorstand berufen : Die ehemalige Lanxess-Personalvorständin Stephanie Coßmann soll die Bereiche Personal und Recht übernehmen.

Zudem hat der Analyse zufolge die Internationalisierung in den Dax-Vorständen zugenommen: Der Anteil der deutschen Staatsbürger ist im letzten Jahr von 67 Prozent auf 63 Prozent gesunken. Dabei ist der Ausländeranteil bei den Frauen höher als bei den Männern (44 Prozent vs. 35 Prozent). Bei den Neubesetzungen verhält es sich andersherum: Unter den weiblichen Neubesetzungen der Dax-Vorstände waren 2022 die Hälfte deutsche Staatsbürgerinnen, unter den Männern fand sich nur ein Deutscher (9 Prozent).

Nachholbedarf in der zweiten Börsenliga

Nimmt man allerdings die MDax-Unternehmen in die Betrachtung mit hinein, ändert sich das Bild deutlich: In den 50 mittelgroßen Aktiengesellschaften stieg der Frauenanteil in den Vorständen laut Russell Reynolds nur von 11,7 auf 13,7 Prozent. Die Hälfte der MDax-Firmen werde zudem nur von Männern geführt.

Auch die Studie der Boston Consultig Group, die das Unternehmen seit 2015 exklusiv für das manager magazin erstellt, kommt zu dem Ergebnis, das Deutschlands Spitzenwirtschaft weiterhin von Männern dominiert wird . Demnach liegt der Frauenanteil der 100 größten, börsennotierten Unternehmen bei gerade einmal 15 Prozent und die Gehaltsunterschiede bleiben.

mg/dpa-afx
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