Rückschlag für Bertelsmann RTL und Bouygues stoppen TV-Senderfusion in Frankreich

Mit der Fusion der TV-Sender TF1 und M6 in Frankreich wollten RTL und der Bouygues-Konzern ein neues Schwergewicht auch im Kampf gegen Netflix und Co. schaffen – doch daraus wird nun nichts. Die Behörden hätten zu hohe Anforderungen gestellt, heißt es – ein Rückschlag auch für Bertelsmann-Chef Thomas Rabe.
Fusion abgesagt: Bertelsmann-Chef Thomas Rabe muss umdisponieren

Fusion abgesagt: Bertelsmann-Chef Thomas Rabe muss umdisponieren

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Die beiden französischen Fernsehsender TF1 und M6 blasen ihren geplanten Zusammenschluss ab. Als Grund nannte die M6-Mutter RTL mit Sitz in Luxemburg behördliche Auflagen. RTL und Bouygues, die Antreiber des geplanten Deals, seien zu dem Schluss gekommen, dass dadurch die Fusion keinen strategischen Mehrwert mehr biete, so beide Unternehmen am Freitag in einer Mitteilung.

TF1 gehört zum französischen Mischkonzern Bouygues (Umsatz 2021: 37,6 Milliarden Euro). M6 ist Teil der RTL Group (Umsatz: 6,6 Milliarden Euro), die wiederum eine Tochter des Bertelsmann-Konzerns ist (Umsatz zuletzt rund 19 Milliarden Euro). Das Platzen des Deals ist damit auch ein Rückschlag für Bertelsmann-Chef Thomas Rabe (57), der gegenwärtig versucht, das Mediengeschäft seines Konzerns neu zu ordnen.

Hierzulande fusioniert Rabe das TV-Geschäft von RTL mit dem Zeitschriftengeschäft des Hamburger Verlages Gruner + Jahr, der ebenfalls Teil des Bertelsmann-Reichs ist. Wegbrechende Werbeeinnahmen haben dieses Unterfangen jedoch zuletzt ins Stocken gebracht: Rabe setzte im August Stephan Schäfer, Co-Chef von RTL Deutschland, vor die Tür und übernahm die Leitung des Senders zusätzlich zu seinem Job an der Bertelsmann-Spitze selbst .

Auf die Frage, was man bei einem Scheitern der Fusion von TF1 mit M6 tun werde, hatte Rabe in der Vergangenheit gesagt, es gebe keinen "Plan B". Im Reuters-Interview sagte der Manager erst vor Kurzem, die M6-Gruppe sei nach wie vor hochprofitabel, habe im vorigen Jahr Rekordergebnisse erzielt und ein exzellentes Management. "Wir haben jetzt kein akutes Problem." Man habe immer gesagt, man wolle mit TF1 zusammengehen, um sich langfristig besser aufzustellen.

Bertelsmann hat keinen Plan B

Mit dem Scheitern der Fusion in Frankreich dürften sich auch weitere Gedankenspiele um ein Näherrücken von RTL mit der bayerischen Senderkette ProSiebenSat.1 vorerst erübrigen. "Die Logik für den Zusammenschluss von TF1 und M6 ist genau die gleiche Logik wie für RTL und ProSiebenSat.1", sagte Rabe Ende August. Schon damals räumte er ein, dass ein Verbund der beiden deutschen Sender wohl erst einmal vom Tisch sei, sollten die französischen Wettbewerbshüter kein grünes Licht für M6/TF1 geben. "Wenn Frankreich nicht genehmigt werden sollte, dann wären das natürlich keine guten Vorzeichen für Deutschland." Das sei klar.

Zur aktuellen Entwicklung hieß es von den Beteiligten, die angebotenen Zugeständnisse hätten der französischen Wettbewerbsbehörde nicht ausgereicht. Nach Gesprächen mit den Kartellwächtern hätte es nur mit strukturellen Änderungen, wie etwa dem Verkauf des Senders TF1 oder M6 grünes Licht gegeben, so Bouygues, TF1, M6 und die RTL Group in ihrer Mitteilung am Freitag.

"Bertelsmann teilt die Haltung der französischen Wettbewerbsbehörde nicht und sieht darin eine verpasste Chance für den französischen Medienmarkt im Wettbewerb mit den globalen Plattformen", so der Konzern. Bertelsmann hatte mit den Fusionsplänen auch die Absicht verfolgt, der Konkurrenz von Netflix & Co. Paroli zu bieten. An der Stratgie will der Konzern nun dennoch festhalten.

In der französischen Medienlandschaft dagegen dürfte das Ende der Fusionspläne für ein Aufatmen sorgen. Andere Sender und Produktionsfirmen hätten eine Übermacht durch den fusionierten Riesen aus TF1 und M6 befürchtet, schreibt das Medienportal "Deadline" . Die Branche fürchtete demnach eine Kannibalisierung auf dem französischen Werbemarkt, sollte sich der TF1-M6-Zusammenschluss einen zu großen Teil vom Kuchen abschneiden.

Die französische Wettbewerbsbehörde hatte den Konzernen bereits Ende Juli einen Strich durch die Rechnung gemacht und hohe Auflagen verlangt. TF 1 und M6 würden nach Ansicht der Kartellwächter drei Viertel des französischen Fernsehwerbemarktes beherrschen. Weitere Anhörungen bei den Kartellwächtern waren für Anfang September angesetzt gewesen.

RTL und Bouygues wollten aus TF1 und M6 nicht nur einen neuen milliardenschweren Big Player bauen. RTL wollte die Fusion auch zu einem Teilausstieg bei M6 nutzen. Bertelsmann hatte die M6-Beteiligung Anfang 2021 zum Verkauf gestellt – mit dem Ziel, schlagkräftigere Strukturen auf dem französischen Markt zu schaffen. Die Fusionspläne von TF1 und M6 waren im Mai des vergangenen Jahres bekannt gegeben worden.

Hinweis der Redaktion: Bertelsmann ist Gesellschafterin der manager magazin Verlagsgesellschaft.

cr/dpa, Reuters
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