Nach gescheiterter Fusion RTL prüft Verkauf seines TV-Senders M6

Nach der gescheiterten Fernsehfusion in Frankreich lotet RTL erneut einen Verkauf seines TV Senders M6 aus. Laut RTL-Chef Thomas Rabe teste man den Markt, da es ein "großes Interesse" von Bietern an dem Sender gebe. Die M6-Aktie legt zu.
Bertelsmann- und RTL-Chef Thomas Rabe: "Von Interessenbekundungen überschwemmt"

Bertelsmann- und RTL-Chef Thomas Rabe: "Von Interessenbekundungen überschwemmt"

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Seit der Ankündigung voriger Woche, den geplanten Zusammenschluss mit TF1 abzublasen, sei man mit Interessenbekundungen für den Kauf der M6-Beteiligung "überschwemmt" worden, sagte RTL-Chef Thomas Rabe (57) der "Financial Times"  vom Donnerstag. "Deshalb testen wir den Markt", ergänzte der Manager, der auch Chef der RTL-Mutter Bertelsmann ist. "Auf der Grundlage dieses Tests werden wir entscheiden, ob wir verkaufen oder nicht." Der Zeitplan sei nicht von Belang. Die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr von einer mit der Sache vertrauten Person, dass erste vorläufige Angebote für M6 bis Freitag erwartet werden. RTL und Bertelsmann kommentierten dies nicht.

Die RTL Group hatte gemeinsam mit dem französischen Mischkonzern Bouygues am Freitag das Vorhaben gestoppt, die M6 Group und TF1 zu einem nationalen Fernseh-Champion zu fusionieren. Bouygues und RTL zogen die Notbremse, weil angebotene Zugeständnisse der französischen Wettbewerbsbehörde nicht ausgereicht hätten. Demnach hätten die Kartellwächter wohl nur bei einem Verkauf des Hauptsenders TF1 oder M6 grünes Licht gegeben. Damit wiederum sei das Schmieden eines Schwergewichts im französischen Fernseh- und Video-Streaming-Markt – als Antwort auf die globale Konkurrenz von Netflix – strategisch nicht mehr sinnvoll.

Deal müsste bis zum Frühjahr über die Bühne sein – Interessenten aus Italien

Sollte RTL letztlich seine rund 48 Prozent an M6 verkaufen wollen, müsste der Deal bis Frühjahr 2023 über die Bühne sein. Denn dann wird die Sendelizenz von M6 erneuert. Danach darf der Hauptanteilseigner seine Aktien fünf Jahre lang nicht verkaufen. Die Papiere der M6 Groupe lagen am Donnerstagnachmittag rund 5 Prozent im Plus.

Als Interessenten bei einem M6-Verkauf gelten Vivendi und Italiens MediaForEurope (MFE). Der französische Medienriese und der von der Familie des früheren italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi kontrollierte TV-Konzern waren schon zuvor an M6 interessiert. Im Markt wurde auch das Internet-Unternehmen Altice des Telekom-Unternehmers und Milliardärs Patrick Drahi als potenzieller Käufer ins Spiel gebracht. Alle drei Firmen lehnten eine Stellungnahme ab. Zu den erwarteten Bietern gehört auch ein Konsortium hochrangiger französischer Unternehmer, darunter der Milliardär Rodolphe Saade. Die französische Schifffahrtsgruppe CMA CGM, die von Saade und seiner Familie kontrolliert wird, lehnte einen Kommentar zu Marktgerüchten ab.

Ende August hatte Rabe gesagt, die M6 Gruppe sei nach wie vor hochprofitabel, habe im vorigen Jahr Rekordergebnisse erzielt und ein exzellentes Management. "Wir haben jetzt kein akutes Problem." Rabe bekräftigte dies in der "Financial Times" und fügte hinzu: "Die RTL Group steht nicht unter Druck, M6 zu verkaufen." Man glaube, dass es früher oder später zu einer Konsolidierung auf dem französischen Markt kommen werde - mit verschiedenen Optionen. "Wir sind geduldig und können warten."

la/Reuters
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