Zur Ausgabe
Artikel 19 / 78
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Rotstiftmann

M+S Elektronik: Schafft die IT-Firma mit einem radikalen Sparprogramm den Weg aus der Krise?
Von Jonas Hetzer
aus manager magazin 9/2001

Wer behaupten würde, dass Claus-Rainer Schulze-Oberländer (54) zu den Rambo-Typen unter Deutschlands Managern gehöre, stieße kaum auf Widerspruch.

Am wenigsten beim Betroffenen selbst, der seinen Namen gern auf ein Minimum reduziert, auf die Initialen CSO. Das Raubein brüstet sich damit, dass er schon Tausende ohne Sozialplan auf die Straße befördert habe.

Als Vorstandsvorsitzender des Maschinenbauers Barmag, einer Tochter der einstigen Industrieholding Agiv, erarbeitete sich CSO Ende der 90er Jahre den Ruf eines unerbittlichen Sanierers. Mit dieser überzeugenden Referenz trat Schulze-Oberländer im Mai 2001 seinen neuen Job an, als Finanzvorstand des am Neuen Markt notierten Unternehmens M+S Elektronik. Binnen drei Jahren will er die angeschlagene IT-Firma (1800 Mitarbeiter, Umsatz 2000/2001: 668 Millionen Euro) mit einem radikalen Sparprogramm wieder in die Gewinnzone bringen.

Da hat der Mann sich einiges vorgenommen. Die Probleme bei M+S sitzen tief. Die Kundenbasis des Unternehmens ist schmal, die Fluktuation unter den Vertriebsleuten hoch. Hinzu kommt: Die Wandlung des Unternehmens vom margenarmen Computer-Handel zur lukrativen IT-Dienstleistung geriet ins Stocken.

In der Firma glaubt daher kaum jemand an den Erfolg. Jedenfalls außer dem Kostenkürzer selbst und dem M+S-Gründer und Vorstandschef Hans-Ulrich Mahr (59).

Bis vor wenigen Monaten noch gab die Firma, die Personalcomputer und andere Hardwarekomponenten vor allem an Banken und Finanzdienstleister verkauft, eine lupenreine Erfolgsgeschichte ab. Hohe Margen und stramme Zuwachsraten bescherten dem Unternehmen aus dem hessischen Niedernberg über Jahre hinweg Rekordergebnisse.

Doch inzwischen hat sich der Wettbewerb auf dem PC-Markt verschärft, die Zuwachsraten sinken, und die Profite schrumpfen mit atemberaubender Geschwindigkeit.

Auf diesen abrupten Klimawechsel war M+S schlecht vorbereitet. Mahr ignorierte über Monate hinweg die sich häufenden Krisensignale.

Erst als in diesem Jahr von Februar bis April, im traditionell ertragsstarken vierten Quartal des M+S-Geschäftsjahres, mit dem operativen Geschäft ein Verlust von etwa fünf Millionen Euro eingefahren wurde und sich das Gesamtminus durch außerordentliche Abschreibungen unter anderem auf Firmenkäufe gar auf 24,6 Millionen Euro auftürmte, bekam Mahr es mit der Angst zu tun (siehe Grafik links).

Controlling-Chef Klaus-Dieter Bachmann (46) und Finanzvorstand Jochen Schürmann (41) mussten gehen. Anfang Mai holte der Firmengründer dann Schulze-Oberländer ins Haus, und der hat seitdem das Sagen in der Firma.

Wie gewohnt, zog CSO die Kontrolle über alle Geschäftsbereiche an sich, strich die Budgets der einzelnen Sparten zusammen. Vor allem der Vertrieb kann kaum noch eigenständig über seine Mittel verfügen. Die Verkäufer müssen nun beinahe jede Entscheidung mit dem Vorstand abstimmen.

Die Maßnahmen wirkten prompt, allerdings anders als gedacht. Es kam zu einer Kündigungswelle in der M+S-Vertriebsmannschaft. Der Aderlass gefährdet das wichtigste Kapital des Unternehmens: die eingespielte Verbindung zwischen Verkäufern und Kunden.

Der Exodus lässt Schulze-Oberländer offenbar kalt. Immerhin erreichte er mit seiner Rotstift-Politik die Demission seines schärfsten internen Rivalen, des Vorstandes für das operative Geschäft, Bernd Puschendorf (51). Der ehemalige Fujitsu-Siemens-Mann, der den Umbau vom PC-Händler zum IT-Dienstleister vorantreiben sollte, verließ Ende Juli nach nur zwölf Monaten entnervt das Haus.

Puschendorfs Pläne, mit dem Ausbau des Vertriebs und dem gezielten Zukauf kleinerer Konkurrenten die wegbrechenden Umsätze aus dem Hardwareverkauf durch lukrative Beratungsaufträge zu ersetzen, werden nicht weiter verfolgt - fürs erste jedenfalls.

Dass sich mit dem rückläufigen PC-Geschäft das Unternehmen nicht sanieren lässt, ist auch CSO klar. Nach den Plänen des neuen starken Mannes soll bis 2004 rund die Hälfte des geplanten Umsatzes von 880 Millionen Euro aus dem Dienstleistungsgeschäft kommen. Wie er das ohne massive Investitionen in die Neuausrichtung des Vertriebs schaffen will, bleibt sein Geheimnis.

Die internen Kritiker argwöhnen, dass Schulze-Oberländers Sanierungsprogramm allein dazu dienen soll, M+S für den Kauf durch einen kapitalkräftigen Konkurrenten herauszuputzen.

Ein Szenario, das ihm durchaus vertraut ist. Nach seinem Abgang beim Maschinenbauer Barmag wurde die Muttergesellschaft Agiv filetiert und stückweise verkauft.

Jonas Hetzer

Zur Ausgabe
Artikel 19 / 78
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel