Italien bevorzugt US-Investor Lufthansa kassiert Niederlage im Bieterkampf um ITA

Die Lufthansa wollte gemeinsam mit der Reederei MSC bei der italienischen Airline ITA einsteigen. Doch die Regierung in Rom bevorzugt den US-Investor Certares, hinter dem die US-Airline Delta und die niederländische KLM stehen.
ITA Airways: Das US-Bieterkonsortium um Certares und Delta wird von Rom als Bieter bevorzugt

ITA Airways: Das US-Bieterkonsortium um Certares und Delta wird von Rom als Bieter bevorzugt

Foto: REMO CASILLI / REUTERS

Überraschung im Übernahmepoker für die Fluggesellschaft Ita Airways und Niederlage für die Lufthansa: Nach monatelangem Warten hat das italienische Finanzministerium einen US-Fonds und nicht den deutschen Konzern und dessen Partner, die Reederei MSC , für exklusive Verkaufsverhandlungen ausgewählt. Der Finanzinvestor Certares, der mit den Lufthansa-Rivalen Delta und Air France-KLM zusammenarbeitet, hatte ebenfalls ein Angebot eingereicht. Bis zuletzt galt die MSC-Lufthansa-Offerte als Favorit.

Für die Lufthansa-Aktie  ging es nach den Neuigkeiten am Mittwoch abwärts. Nachdem sie mit Kursgewinnen in den Tag gestartet war, lag ihr Kurs am Vormittag zuletzt mit 0,74 Prozent im Minus. Das Papier von Air France-KLM  lag nach anfänglich stärkeren Gewinnen zuletzt etwa auf dem Schlusskurs vom Vortag.

Das Finanzministerium als Ita-Eigner verkündete am Mittwoch, dass die Offerte von Certares mehr den Anforderungen entspreche, die die Regierung im Februar für eine Übernahme des Nachfolgers der Traditionsgesellschaft Alitalia formuliert hatte. Nach den Verhandlungen mit Certares werden verbindliche Verkaufsverträge aber nur unterschrieben, wenn der Staat mit den Details zufrieden ist, wie es in der Mitteilung hieß. Das bedeutet, dass ein Deal noch nicht endgültig ist und damit möglicherweise auch die Lufthansa und MSC noch Chancen haben.

Certares will weniger Anteile und gibt Rom dafür mehr Mitspracherecht

Die Container- und Kreuzfahrtreederei sowie die deutsche Fluggesellschaft wollten 80 Prozent der Anteile von ITA für rund 850 Millionen Euro übernehmen. Certares gab ein Angebot für rund 55 Prozent der Anteile ab. Dafür werden dem Staat offensichtlich mehr Mitspracherechte eingeräumt: Zwei von fünf Vorstandsposten etwa sollten an das Finanzministerium gehen, das zudem ein Vetorecht bei wichtigen Entscheidungen habe, wie italienischen Medien berichteten.

Unklar ist, inwieweit die Aussicht auf eine rechte Regierung in Rom Einfluss auf die Entscheidung hatte. Giorgia Meloni von der rechtsextremen und nationalistischen Partei Fratelli d'Italia, die Umfragen zufolge beste Chancen hat, nach der Wahl am 25. September Ministerpräsidentin zu werden, hatte angedeutet, dass sie einen fast vollständigen Verkauf der Ita an ausländische Unternehmen kritisch sieht. Die geplante Übernahme durch Lufthansa und MSC hätte das staatliche Mitspracherecht deutlich gemindert und faktisch eine Privatisierung bedeutet.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr (55) hat immer wieder die Bedeutung des italienischen Marktes betont, in dem sein Konzern längst eine wichtige Rolle spielt. Neben der Air Dolomiti werden viele italienische Passagiere für Fernflüge über die Lufthansa-Drehkreuze München, Zürich und Frankfurt geleitet. Italien ist der zweitwichtigste Auslandsmarkt für den Lufthansa-Konzern nach den USA.

Ein Lufthansa-Sprecher sagte nun, man nehme die Entscheidung der Regierung zur Kenntnis. "Wir glauben aber weiterhin, dass unser Angebot die bessere Perspektive für die Ita geboten hätte." Die italienische Regierung habe sich nun für einen Weg entschieden, der mehr staatlichen Einfluss auf Ita bedeuten könne.

la/dpa
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