Trading-App Robinhood stolpert an die Börse, Aktie bricht ein

Dämpfer für Robinhood: Nachdem die Aktien schon am unteren Ende der Preisspanne ausgegeben werden mussten, brachen sie zum Börsendebüt an der Nasdaq auch noch um mehr als 10 Prozent ein.
Trading-App Robinhood: Aktienhandel ohne Provision

Trading-App Robinhood: Aktienhandel ohne Provision

Foto: Patrick Sison / AP

Der Börsengang von Robinhood an diesem Donnerstag ist bei den Anlegern bislang gar nicht gut angekommen. Die Papiere des Wertpapier-Brokers fielen nach einem Ausgabepreis von 38 US-Dollar deutlich ab. Zuletzt notierten sie 12 Prozent tiefer bei 33,40 Dollar. Robinhood wird seit Donnerstag unter dem Tickersymbol "Hood" an der US-Technologiebörsee Nasdaq gehandelt.

Das Unternehmen hat 55 Millionen Aktien ausgegeben, was einer Bewertung vor Handelsstart von rund 32 Milliarden Dollar entsprach. Allerdings reservierte der Discount-Broker in einer ungewöhnlichen Aktion bis zu 35 Prozent seiner neu ausgegebenen Aktien für eigene Nutzer. Dadurch gilt das Debüt als unberechenbarer als normale Börsengänge, bei denen Investmentbanken versuchen, für einen geregelten Ablauf und stabile Kurse zu sorgen. Zunächst hatte Robinhood eine Bewertung von 35 Milliarden Dollar angestrebt, doch dafür hätte das obere Ende der Preisspanne von 42 Dollar erreicht werden müssen.

Dennoch ist Robinhood eines der wertvollsten US-Unternehmen, die in diesem Jahr den Sprung aufs Parkett gewagt haben. Die Plattform ermöglicht es den Nutzern, unbegrenzt und provisionsfrei mit Aktien, börsengehandelten Fonds, Optionen und Kryptowährungen zu handeln. Durch die einfache Handhabung profitierte das Unternehmen massiv von der Pandemie, als vor allem jungen Privatleute in Zeiten des Lockdowns den Aktienhandel für sich entdeckten.

Der Börsenprospekt des Onlinebrokers liefert nun auch weitere geschäftliche Einblicke. Der Neobroker geht davon aus, dass zwischen 2016 und 2021 in den USA fast die Hälfte aller neuen Wertpapierkonten bei Robinhood eröffnet wurden. Zum Ende des ersten Quartals 2021 umfassten Robinhood-Depots ein Aktienvolumen von rund 65 Milliarden US-Dollar. Hinzu kamen 2 Milliarden US-Dollar in Optionen, 11,6 Milliarden US-Dollar in Kryptowährungen und 7,6 Milliarden US-Dollar in bar.

Für das Geschäftsjahr 2020 verbuchte Robinhood einen kleinen Gewinn von 7 Millionen US-Dollar nach einem Verlust von 107 Millionen US-Dollar im Vorjahr. Einen erheblichen Teil zum Gewinn steuerte angesichts der jungen, technikaffinen Nutzerschaft der Handel mit Dogecoin bei, der in den vergangenen zwölf Monaten zeitweise gut 26.000 Prozent zulegte. Im ersten Quartal 2021 musste Robinhood bei Umsätzen von 522 Millionen US-Dollar einen enormen Verlust von 1,4 Milliarden US-Dollar verkraften. Langfristig wollen die selbst ernannten Vorkämpfer der Kleininvestoren profitabel sein. Und natürlich, wie Tenev es bei der Roadshow formulierte, nichts weniger als "die Wall Street für immer verändern".

cs/la