Möglicher Verkauf des Fleischimperiums Schlachter-König Clemens Tönnies wiegelt wachsweich ab

Robert und Clemens Tönnies gelten als hochgradig zerstritten. Berichte, die Familie erwäge einen Verkauf des Schlacht- und Fleischkonzern, wiegelt Clemens Tönnies nur wachsweich ab. Er spricht lieber vom Firmenjubiläum.
Seit Jahren im Dauerclinch: Robert Tönnies (r.) mit seinem Onkel Clemens und dessen Sohn Maximilian (l.) nach einem vermeintlichen Friedensschluss 2017

Seit Jahren im Dauerclinch: Robert Tönnies (r.) mit seinem Onkel Clemens und dessen Sohn Maximilian (l.) nach einem vermeintlichen Friedensschluss 2017

Foto: Bernd Thissen / DPA

Ein hartes Dementi sieht anders aus: Am Donnerstag meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg , die Eigentümer des Fleischkonzerns Tönnies prüften einen milliardenschweren Verkauf ihres Unternehmens. Der Tönnies-Konzern könnte dabei mit rund vier Milliarden Euro bewertet werden, Gespräche mit möglichen Bietern könnten in den nächsten Wochen beginnen. Das wäre in der deutschen Lebensmittelbranche ein Paukenschlag und so ziemlich das Gegenteil von dem, was Großschlachter Clemens Tönnies (64) zuletzt öffentlich verkündet hatte: Er will kräftig expandieren und ist darüber mit seinem Neffen Robert in erbitterten Streit geraten.

Und was macht der streitbare, kampferporbte Clemens Tönnies? Er belässt es bei einer lauwarmen, internen Mitteilung an die Mitarbeiter und Kunden, in dem das Wort "Verkauf" nur ein einziges Mal vorkommt. "Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", schreibt Tönnies gemeinsam mit seinem Sohn Max in der internen Mitteilung, "in den vergangenen Stunden wurden von interessierten Gruppen das Gerücht gestreut, das Unternehmen Tönnies stehe vor einem Verkauf. Wie Ihr wisst, feiern wir in diesen Tagen unser 50-jähriges Firmenjubiläum. Der Erfolg der vergangenen Jahrzehnte lässt uns nicht müde werden, weiterzumachen." Das ist ein ehrenvolles Vorhaben, aber alles andere als ein hartes Dementi der Verkaufsgerüchte.

"Tönnies ist ein kerngesundes Unternehmen, das weltweit wächst", fährt Tönnies fort - und ergänzt diesen Hinweis mit der Standardformulierung: "Marktgerüchte kommentieren wir prinzipiell nicht."

Im hauseigenen, selbstbewussten Tönnies-Stil fügt der zuletzt wegen zahlreicher Corona-Fälle scharf kritisierte Schlachthof-König hinzu: "Schließlich sind wir es, die Markt machen". Zudem glaube die Tönnies-Führung "an den ländlichen Raum." Eine Symphonie, die beruhigend klingen und abwiegeln soll, die aber vor allem eines nicht ist: Ein scharfer Widerspruch zu den im Markt kursierenden Verkaufsgerüchten. Der wäre anders formuliert.

Man sei "bereit sind für die Zukunft im Unternehmen", rufen Clemens und Max Tönnies den Mitarbeitern und Kunden zum Abschluss noch zu. Wie diese Zukunft genau aussehen soll, darüber findet sich kaum etwas in der Mitteilung. Laut Bloomberg gelten unter anderem die Konkurrenten Tyson Foods, JBS SA und die chinesische WH Group als Interessenten. Naturgemäß fehlt auch die Unterschrift von Clemens Neffen Robert Tönnies unter der Mitteilung - Robert versucht aktuell mit allen Mitteln, die geplante Expansion des Konzerns mit einem neuen Großschlachthof in China zu vereiteln. Robert ist neben seinem Onkel Clemens Haupteigner des Tönnies-Konzerns.

Wettbewerber aus den USA oder China gelten als interessiert

"Der Markt ist in Bewegung", sagte ein Brancheninsider am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Es sei kein Geheimnis, dass der US-Konzern Tyson in Europa expandieren wolle. Tönnies, der mit weitem Abstand größte deutsche Schlachtbetrieb, hatte mit mehr als 16.000 Mitarbeitern im Jahr 2019 eigenen Angaben zufolge einen Umsatz von 7,3 Milliarden Euro eingefahren. Im Kerngeschäft befasst sich das 1971 gegründete und durch zahlreiche Zukäufe gewachsene Unternehmen mit der Schlachtung, Zerlegung sowie Verarbeitung von Schweinen und Rindern. Der Konzern mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen war nach einem Corona-Ausbruch im Stammwerk im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geraten. Mehr als 1500 Mitarbeiter hatten sich mit dem Virus infiziert. In der Politik hatte es immer wieder Kritik an den Arbeitsbedingungen bei Tönnies gegeben.

Clemens Tönnies, geschäftsführender Gesellschafter des Konzerns, war daraufhin Ende Juni 2020 von seinem Posten als Aufsichtsratschef des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 zurückgetreten. "Meine Hauptaufgabe ist es, mich aktuell voll und ganz auf mein Unternehmen zu konzentrieren, es erfolgreich durch die schwerste Krise seiner Geschichte zu führen", begründete Tönnies damals in einem Brief an den Verein den Schritt. Der hoch verschuldete Club schlug zuletzt sogar finanzielle Hilfen des Unternehmers und ehemaligen Aufsichtsratschefs aus.

Fury in the Slaughterhouse

Zwischen Hauptaktionär Robert Tönnies und seinem Onkel Clemens Tönnies hatte es in der Vergangenheit immer wieder Streit gegeben . Unter anderem appellierte ein Konzernsprecher an Robert, "sich in der Tradition der Familie Tönnies der Sache des Unternehmens zu widmen". Clemens Tönnies kontrolliert rund 45 Prozent der Anteile, bei Robert Tönnies liegen rund 50 Prozent. Im Konzern arbeitet auch Maximilian Tönnies, Sohn von Clemens Tönnies, der als Gesellschafter rund 5 Prozent der Anteile hält. Er war unter anderem mit der Expansion des Unternehmens im Markt für vegetarische Lebensmittel betraut worden. Tönnies ist dort unter anderem mit dem Marken "Vevia" und "Gutfried veggie" vertreten.

la/rei/Reuters