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Rendite-Formeln

Alternative Investments: Erträge wie mit Aktien, aber kaum mehr Risiko als bei Anleihen - so bewerben Banken ihre neuen Produkte. Wie funktionieren Hedgefonds & Co., und für wen sind sie tatsächlich geeignet?
Von Jonas Hetzer
aus manager magazin 2/2001

Aktien unter Emissionskurs, Crash bei Technologie-, Medien- und Telekom-Titeln, Dax, Euro Stoxx und Dow Jones auf Talfahrt. Gehören auch Sie zu den Anlegern, die im vergangenen Jahr an der Börse nur Miese gemacht haben? Oder zu denen, die immer nach neuen attraktiven Geldanlagen Ausschau halten?

Deutsche Banken wollen die Lösung Ihrer Probleme gefunden haben. Die Kreditinstitute werben mit scheinbar Unmöglichem: 12 bis 18 Prozent Rendite pro Jahr, steuerfrei; so sicher wie Anleihen; und selbst wenn die Börse schwächelt, dürfen Sie sich über Profite freuen.

Seit einigen Monaten bieten die Finanzhäuser ihren Privatkunden so genannte Alternative Investments an. Hinter dem Anglizismus verbirgt sich nicht etwa eine Investition in Windkrafträder oder Solarenergie, sondern eine Palette hoch komplizierter Finanzprodukte.

Sie nennen sich Hedgefonds, Managed Futures und Private-Equity-Fonds. Alles Anlageformen, die bislang vorwiegend in den USA angeboten wurden und nur für Großinvestoren eine Alternative zu Aktien und Anleihen waren. Jetzt können auch deutsche Privatanleger, ab Mindesteinlagen von 10 000 Euro, von den Vorteilen der "dritten Asset-Klasse" (Branchenjargon) profitieren.

manager magazin hat sich die neuen Anlagealternativen genau angesehen. Wie funktionieren sie, und für wen sind sie tatsächlich geeignet?

Hedgefonds

Die Manager der über 5000 Hedgefonds weltweit sind immer auf der Suche nach Fehlbewertungen oder Preisunterschieden von Wertpapieren jeglicher Art. Um aus Marktsituationen Profit schlagen zu können, wenden sie verschiedene Strategien an; teils mit hohem, teils mit geringem Risiko.

So nutzen die Fonds Neubewertungen von Unternehmen aus, die eine Fusion ankündigen; sie spekulieren auf Kursbewegungen, wenn sich die Rahmenbedingungen für eine Branche ändern; und sie profitieren so- gar von gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen, wie den Zinsänderungen in den Euro-Beitrittsländern.

1999 konnten Hedgefonds-Manager ein gutes Geschäft machen, wenn sie ahnten, dass ein US-Gericht die amerikanischen Tabakkonzerne für die Gesundheitsschäden von Rauchern schuldig befinden würde.

Als der Richterspruch gegen die Zigarettenindustrie im Juli 1999 gefällt war, stürzte der Kurs des Tabakriesen Philip Morris ab. Um von dieser Entwicklung zu profitieren, hatten Hedgefonds die Aktien zuvor zu Kursen von über 40 Dollar leer verkauft, wie die Profis sagen. Das heißt, sie machten den Handel, obwohl sie die Dividendenpapiere zu diesem Zeitpunkt gar nicht besaßen.

Als der Kurs auf unter 38 Dollar gefallen war, kauften die Fonds die Anzahl Aktien, die sie aus dem Verkaufsgeschäft noch liefern mussten. Die Differenz von über zwei Dollar je Aktie zwischen dem Verkaufskurs vor dem Urteilsspruch und dem Kaufkurs danach konnten die Fonds- manager als Gewinn verbuchen.

Anleger fuhren in den vergangenen zehn Jahren sehr gut mit solchen Einsätzen. Die Jahresrenditen der Hedgefonds schwankten in diesem Zeitraum zwischen knapp 3 und über 30 Prozent. Mit deutschen Aktien zum Beispiel war trotz der Börsenhausse kaum mehr zu verdienen. Die deutlich konstantere Wertentwicklung der Hedgefonds macht diese Produkte zudem zur Anlage mit dem geringeren Risiko (siehe Grafik Seite 175 ).

Managed Futures

Lässt ein Anleger von einem Vermögensverwalter ein Depot mit unterschiedlichen Termingeschäften führen, spricht man von so genannten Managed Futures.

Jeder dieser Kontrakte, weltweit werden etwa 600 verschiedene Futures gehandelt, ist nichts anderes als eine Wette auf die Wertentwicklung von Rohstoffen, Waren, Währungen oder Aktienindizes. Man bezahlt heute einen bestimmten Preis, etwa für ein Fass Rohöl, bekommt das schwarze Gold aber erst zu einem späteren, im Future vereinbarten Termin geliefert.

Eine tatsächliche Lieferung findet allerdings nicht statt. Die Geschäfte werden vielmehr glattgestellt, das heißt nur finanziell ausgeglichen.

Setzen die Spekulanten auf fallende Preise, verkaufen sie Futures, erwarten sie steigende Preise, kaufen sie Kontrakte. Um ihre Gewinnchancen zu optimieren, versuchen die Händler mit hoch komplexen mathematischen Modellen und Computerunterstützung Trends in den Preisbewegungen der Waren- und Finanzmärkte frühzeitig zu entdecken.

"Wer im vergangenen Jahr richtig prognostizierte, dass der Goldpreis fällt, konnte mit 10 000 Dollar Einsatz von Juni bis Dezember etwa 3000 Dollar Gewinn erzielen", sagt Martin Rothe, Managed-Futures-Verwalter bei der Deutschen Derivate Vermögensverwaltung im schweizerischen Wilen.

Mit den professionell verwalteten Termingeschäften konnten Anleger in den vergangenen zehn Jahren überwiegend Vermögenszuwächse verbuchen. Die Depots brachten Jahresrenditen zwischen 3,8 und 19,9 Prozent. Einzige Ausnahme war das Jahr 1994, in dem Managed Futures im Durchschnitt ein geringes Minus von weniger als einem Prozent erzielten.

Private-Equity-Fonds

Die Beteiligung an Unternehmen und der spätere Verkauf dieser Anteile mit Gewinn ist das Geschäft der Private-Equity-Fonds. Sie investieren zum einen in junge Unternehmen, die mit dem Fondskapital ihre Expansion finanzieren. Diese Form wird als Venture-Capital-Fonds bezeichnet.

Eine andere Variante sind so genannte Buy-out-Fonds. Sie kaufen Unternehmen, um sie zu restrukturieren und profitabler zu machen.

Die internationale Buy-out-Gesellschaft Apax-Partners zum Beispiel hat im Dezember den Zuschlag für den Kauf der Bundesdruckerei erhalten. Für das Staatsunternehmen, das unter anderem Personalausweise und Banknoten herstellt, soll die Investorengruppe etwa zwei Milliarden Mark zahlen.

Ziel von Apax ist es, den Gewinn der Bundesdruckerei in den nächsten drei Jahren zu verdoppeln und das Unternehmen später an die Börse zu bringen.

Deals wie dieser bescherten den Anlegern von Private-Equity-Fonds in den vergangenen zehn Jahren hohe Renditen. Besonders gut schnitten nordamerikanische Fonds ab. Sie erzielten in diesem Zeitraum Wertzuwächse zwischen 11,4 und 63,8 Prozent pro Jahr (siehe Grafik links).

"Das hohe Ertragspotenzial macht Private-Equity-Fonds für langfristige An-lagen in wachstumsstarke Unternehmen attraktiver als Aktien vom Neuen Markt oder der amerika-nischen Nasdaq", so Dirk Söhnholz, Geschäftsführer der Feri Private Equity, der Alternative-Investment-Tochter der Bad Homburger Vermögensverwaltung Feri.

Die Rendite hängt jedoch wie bei Wachstumsaktien stark vom Auf und Ab an den Börsen ab. Für einen breiten Risiko-Mix im Anlagevermögen eignet sich Private Equity deshalb weniger gut als Hedgefonds und Managed Futures, die auch Erträge bringen können, wenn die Aktienkurse fallen.

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Fazit

Die hohen Renditen von Alternative Investments dürfen nicht die Sicht auf die Risiken dieser Anlagen verstellen. Schlimmstenfalls droht auch hier der Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

1998 wäre der US-Hedgefonds LTCM beinahe Pleite gegangen. Das Fondsmanagement hatte einem ausgeklügelten Finanzmarktmodell der Nobelpreisträger Robert Merton und Myron Scholes vertraut und sich trotz der anerkannt kompetenten Berater gründlich verspekuliert.

Die Star-Ökonomen setzten auf Preisunterschiede zwischen Staats- und Unternehmensanleihen. Die politische und wirtschaftliche Krise in Asien und Russland hatten die Professoren allerdings nicht vorhergesehen. Der Markt entwickelte sich nicht so, wie sie dachten, und ihre Strategie ging nicht auf. Investoren machten Milliardenverluste. Die Dresdner Bank hatte 240 Millionen Mark in den Fonds angelegt und alles verloren.

Damit Privatanlegern mit Alternative Investments kein solcher Schaden entsteht, setzen die deutschen Anbieter auf eine breitere Risikostreuung. Alle Zertifikate oder Dachfonds verteilen das Anlegerkapital auf mindestens zehn Fonds. Dadurch sollen einzelne Fehlspekulationen aufgefangen werden. Die Streuung drückt zwar die Rendite, aber erst so kann ein ähnlich niedriges Risiko wie bei Anleihen erzeugt werden.

Das attraktive Chance-Risiko-Verhältnis hat jedoch seinen Preis. Die Deutsche Bank verlangt für ihr Hedge-Select-Zertifikat eine jährliche Managementgebühr von 3,24 Prozent der Anlagesumme. Kritiker halten dies für überzogen. "Mit zunehmendem Wettbewerb werden die Preise aber fallen", glaubt Michael Busack, Herausgeber des Hamburger Branchendienstes "Absolut Report".

In einem sind sich die meisten befragten Finanzexperten einig: Hedgefonds, Managed Futures und Private-Equity-Fonds gehören in jedes Portfolio. Vor allem auch unter dem Aspekt, dass die Gewinne steuerfrei sind. Weil der Fiskus die neuen Zertifikate und Dachfonds wie Aktien behandelt, verbleibt die Rendite außerhalb der einjährigen Spekulationsfrist komplett beim Anleger.

Auch deshalb empfehlen die Geldprofis, mindestens 5 bis 10 Prozent des Vermögens in diesen Papieren anzulegen. Hendrik Leber, Geschäftsführer der Acatis-Anlageberatung in Frankfurt, geht sogar noch einen Schritt weiter: "Im Grunde kann auf Anleihen ganz verzichtet werden, weil sie kaum sicherer als Alternative Investments sind, aber nur klägliche Renditen bringen." Jonas Hetzer

Blick in die Blackbox

Welche Vor- und Nachteile die drei Arten von Alternative Investments bieten

Anlagepolitik

Flexibilität

Transparenz

Chancen

Risiken

Hegdefonds

+ Ziel ist es, von Aufwärts- wie von Abwärtsbewegungen und Fehlbewertungen an Waren- und Finanzmärkten zu profitieren.

++ Das Fondsmanagement kann mit jeder Art von Finanzgeschäft auf Änderungen an den Märkten reagieren.

- - In der Regel wissen nur die Manager selbst, wie der Fonds das Geld der Anleger investiert.

+ Stärkere Wertzuwächse als mit Aktien möglich.

+/- Je nach Fondsstrategie fast risikolos bis hoch spekulativ mit großem Verlustpotenzial.

Managed Futures

+ Ausnutzen von Preistrends an Kapital-, Rohstoff- und Devisenmärkten mit bestimmten Termingeschäften, den börsengehandelten Futures.

+ Verwalter können die Future-Portfolios der Anleger börsentäglich umschichten.

+ Regelmäßige Berichterstattung über die Zusammensetzung des Portfolios.

+ Höheres Renditepotenzial als Aktien.

- - Ohne klare Trends an den Märkten sind die Investments sehr unsicher.

Private-Equity-Fonds

+ Beteiligung an Unternehmen und späterer Verkauf der Anteile mit Gewinn, oft über die Börse.

- Gering, weil Fonds sich über mehrere Jahre an ein Investment binden.

- Erst nach Einzahlung des Kapitals wird festgelegt, in welche Unternehmen der Fonds investiert.

++ Höhere Erträge als mit Wachstumsaktien möglich.

- Abhängig von der jeweiligen Börsenlage, ähnlich wie Wachstumsaktien.

Start-ups und Termingeschäfte

Mit welchen Angeboten Privatanleger aktuell in Hedgefonds, Managed Futures und Private-Equity-Fonds investieren können

Bank/Initiator; Kontakt

Deutsche Bank; Telefon: 0 69/9 10 30 75

Dresdner Bank; Telefon: 0 69/25 76 56 31

Vereins- und Westbank; Telefon: 01 80/3 13 14 12

SVF; Telefon: 0 62 21/53 97 50

Dr. Peters; Telefon: 02 31/5 57 17 30

Produkt; WKN*

Xavex Hedge Select Zertifikat; 842664

AI Global Hedge Zertifikat; 586888

Prince Optionsanleihe; 239035

Private Equity Trust I

DS Private Equity Trust I**

Investitionsschwerpunkt

Hedgefonds mit unterschiedlichen Strategien

vier Hedgefonds-Dachfonds mit unterschiedlichem Risiko

Futures-Portfolios mit Anlagen jeder Art

Globale Venture-Capital- und Buy-out-Fonds

Globale Venture-Capital- und Buy-out-Fonds

Mindestanlage

10 000 Euro inklusive 2 Prozent Agio

10 000 Euro plus 5 Prozent Agio

10 000 Euro plus 1 Prozent Agio

20 000 Euro plus plus 5 Prozent Agio

20 000 Euro plus 5 Prozent Agio

jährliche Kosten

3,24 Prozent

bis 2 Prozent

1,5 Prozent

1,61 Prozent

1,61 Prozent

*Wertpapier-Kennnummer. **Zeichnung ab April möglich. Quelle: Prospekte; Feri Private Equity

*Wertpapier-Kennnummer. **Zeichnung ab April möglich. Quelle:Prospekte; Feri Private Equity

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