Reederei-Riese Maersk beendet 2021 mit dänischem Rekordgewinn

Wie Hapag-Lloyd hat auch Marktführer Maersk von rasant steigenden Frachtraten im Jahr 2021 profitiert. Der Gewinn hat sich verfünffacht, die Dividende soll noch stärker steigen. Zugleich kündigt die Reederei einen Milliardenzukauf an.
Hohe Nachfrage, explodierende Frachtraten: Kaum eine Branche hat von der Corona-Pandemie so profitiert wie die Betreiber von Container-Schiffen

Hohe Nachfrage, explodierende Frachtraten: Kaum eine Branche hat von der Corona-Pandemie so profitiert wie die Betreiber von Container-Schiffen

Foto: Amr Abdallah Dalsh / REUTERS

Die angespannten Lieferketten mit viel zu geringen Transportkapazitäten haben der dänischen Reederei Maersk 2021 einen Vorsteuergewinn (Ebit) von rund 19,7 Milliarden US-Dollar eingebracht. Das ist fast fünfmal so viel wie im bereits profitablen ersten Corona-Jahr 2020. Der deutsche Wettbewerber Hapag-Lloyd hatte am Vortag berichtet, seinen Gewinn im vergangenen Jahr versiebenfacht zu haben.

Maersk, zusammen mit MSC der Branchenprimus unter den großen Containerreedereien, sorgte mit dem ausgewiesenen Gewinn zugleich für einen dänischen Rekord: Nach Angaben der heimischen Nachrichtenagentur Ritzau hat noch nie zuvor ein dänisches Unternehmen in einem Jahr so viel Geld verdient wie Maersk 2021. Der Umsatz der Reederei sprang dank enorm gestiegener Preise für Containertransporte auf 61,8 Milliarden Dollar, wie die A.P. Møller - Mærsk A/S am Mittwoch in Kopenhagen mitteilte. Gegenüber 2020 ist das ein Plus von rund 55 Prozent, wie der Container-Riese am Mittwoch weiter mitteilte  (siehe Download).

"Außergewöhnliche Marktbedingungen führten zu rekordhohem Wachstum und Rentabilität bei Maersk, sie führten jedoch auch zu Unterbrechungen der Lieferketten und starken Herausforderungen für unsere Kunden", sagte Konzernchef Soren Skou (57). Die Aktionäre sollen an den Zuwächsen mit einer auf 2500 Kronen (384 Dollar oder 335 Euor) je Aktie angehobenen Dividende beteiligt werden nach 350 Kronen für 2020.

Dividende versiebenfacht, Maersk kauft US-Logistiker

Unterdessen setzt Maersk den schon länger laufenden Ausbau des Reederei-Geschäfts zu einem komplexen Logistikunternehmen fort: Für knapp 1,7 Milliarden US-Dollar übernehmen die Dänen Pilot Freight Services. Das US-Unternehmen bietet Logistik vor allem für große, unhandliche Waren von der sogenannten ersten bis zur letzten Meile an, also von der Bestellung der Ware bis zur Lieferung. Erst im November hatte Maersk die Übernahme des deutschen Fluglogistikers Senator International bekannt gegeben.

Frachtraten treiben Gewinne enorm an

Wesentlicher Treibstoff für die Gewinnexplosion 2021 sind die enorm gestiegenen Preise - im Branchenjargon Frachtraten - für Transporte auf See, die die Gewinne aller Container-Reedereien in diesem Jahr durch die Decke gehen lassen. Zum Maersk-Konzern gehört auch die deutsche Traditionsreederei Hamburg Süd. Zwischen 2010 und 2019 herrschte jahrelange Flaute am Markt, da die Reedereien mit immer neuen und größeren Schiffen den Markt überschwemmt hatten. Aufgrund der niedrigen Nachfrage und des Überangebots gingen daraufhin die Frachtraten in den Keller. Seit 2020 erlebt die Branche jedoch wieder einen Boom.

Die Corona-Pandemie hat die Fahrpläne der Linienreedereien so durcheinandergewirbelt, dass Schiffe und Container oft nicht da sind, wo sie sein sollen - zum Leidwesen von Verbrauchern und Unternehmen, die seit Monaten zum Teil sehr lange auf bestellte Ware warten müssen. Zudem hat die vor allem in China und den USA früher und kräftiger als hierzulande angesprungene Konjunktur die Nachfrage nach Seetransporten derart erhöht, dass die Kapazitäten mehr als ausgeschöpft sind.

Die Reedereien haben ob der großen Nachfrage nicht nur kräftig in Container und Schiffe investiert, sondern auch so viele Frachter auf die Reise geschickt, dass sie mitunter wochenlang vor den Küsten vor Anker liegen, weil in den Häfen die auch wegen Corona dezimierten Beschäftigten-Bestände mit dem Be- und Entladen der Schiffe kaum noch hinterherkommen.

Gedämpfte Gewinnerwartung für 2022

In der Branche wird derzeit mit einer Normalisierung in der zweiten Jahreshälfte 2022 gerechnet, so auch bei Maersk. Die Reederei geht im wichtigsten Segment Seeverkehr (Ocean) für 2022 nur noch von einem Wachstum von 2 bis 4 Prozent aus, während der Segmentumsatz im vergangenen Jahr um 65 Prozent zugelegt hatte. Damit werde der Gewinn (vor Steuern und Zinsen, Ebit) nicht mehr ganz so hoch ausfallen wie im Vorjahr.

Als Grund für die gedämpfte Gewinnerwartung nannte Konzernchef Skou der Vorstand auch das anhaltende Chaos bei den globalen Lieferketten. Dies werde sich erst in der zweiten Jahreshälfte auflösen. "Wir gehen davon aus, dass die aktuelle Marktsituation auch im zweiten Quartal anhält", sagte Skou.

rei/dpa-afx/Reuters
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