A350-Mängel Qatar Airways fordert mehr als 600 Millionen Dollar Schadensersatz von Airbus

Qatar Airways als einer der wichtigsten Kunden streitet mit Airbus vor Gericht um Schäden an der Außenhaut des A350. Airbus sagt, es gebe eine Lösung, und die Maschinen seien sicher. Die Airline bausche das Thema ungerechtfertigt auf.
Abflug einer A350: Derzeit hält Qatar Airways 21 Maschinen dieses Typs am Boden - und verlangt dafür jeden Tag 4 Millionen Dollar Schadensersatz

Abflug einer A350: Derzeit hält Qatar Airways 21 Maschinen dieses Typs am Boden - und verlangt dafür jeden Tag 4 Millionen Dollar Schadensersatz

Foto: Stringer / dpa

Qatar Airways verlangt im Streit um mangelhafte Airbus-Flugzeuge Schadensersatz in Millionenhöhe. Die Fluggesellschaft Katars fordert Gerichtsunterlagen vom Donnerstag zufolge Entschädigung in Höhe von 618 Millionen Dollar. Dazu kämen vier Millionen Dollar pro Tag, bis die derzeit von der Flugaufsicht aus dem Verkehr gezogenen 21 Maschinen des Typs A350 wieder in Betrieb genommen werden könnten.

Qatar Airways gehört zu den wichtigsten Airbus-Kunden. Airbus erklärte, das Unternehmen werde die Beschwerde "vollumfänglich zurückweisen". Die A350 habe keine Mängel, welche die Flugfähigkeit beeinträchtigten. Qatar Airways hatte im Dezember Klage eingereicht. Ein solcher Rechtsstreit zwischen Fluglinie und Flugzeughersteller ist Branchenexperten zufolge ungewöhnlich. Die beiden Unternehmen streiten seit Längerem, nachdem es zu Mängeln bei der Außenhaut von A350 gekommen ist.

Streitpunkt: Das Bild zeigt abblätternde Farbe, Risse und freiliegende expandierte Kupferfolie am Rumpf einer A350 von Qatar Airways, die katarische Flugaufsicht hat die Maschine aus dem Verkehr gezogen

Streitpunkt: Das Bild zeigt abblätternde Farbe, Risse und freiliegende expandierte Kupferfolie am Rumpf einer A350 von Qatar Airways, die katarische Flugaufsicht hat die Maschine aus dem Verkehr gezogen

Foto: STAFF / REUTERS

Bemängelt werden unter anderem Veränderungen am Lack einiger Maschinen. Dazu kommt Korrosion am Blitzschutzsystem der Flugzeuge. Qatar Airways zufolge müsse wegen der Mängel 21 Maschinen des Typs A350 am Boden bleiben. Zugleich hat die arabische Fluggesellschaft die Übernahme von weiteren 23 bestellten Jets aufgeschoben.

Airbus dagegen geht davon aus, dass die Flugzeuge sicher sind, und wirft der Fluggesellschaft vor, das Thema ungerechtfertigterweise als sicherheitsrelevant zu behandeln. Auch die europäische Luftfahrtbehörde EASA sah die Lufttüchtigkeit des A350 nicht als beeinträchtigt an.

Zum Hintergrund: Das Airbus-Modell ist zu rund 70 Prozent aus leichtem Karbon-Verbundstoff gefertigt. Das spart Gewicht und damit Treibstoff, führte aber dazu, dass Airbus mit Farbausdehnungen bei dem Modell zu kämpfen hatte. Airbus erklärt sich die Schäden damit, dass die Maschinen von Qatar Airways am Boden erst Hitze und Sandstürmen und am Himmel dann eisiger Kälte, also enormen Temperaturschwankungen, ausgesetzt seien. Dies seien zum einen Extremfälle, die zum anderen nur bei der ersten A350-Generation aufgetreten seien. Die Ursachen des Lackschadens seien identifiziert und Lösungen vorhanden, um den Weiterbetrieb der globalen A350-Flotte zu ermöglichen.

Zum Zeitpunkt der Klageeinreichung hatte Qatar Airways laut Reuters erklärt: "Wir sind leider bei all unseren Versuchen gescheitert, mit Airbus eine konstruktive Lösung in Bezug auf die beschleunigte Oberflächendegradation zu finden, die sich nachteilig auf das Airbus A350-Flugzeug auswirkt", schrieb das Unternehmen seinerzeit mit Sitz in Doha. "Qatar Airways bleibt daher keine andere Wahl, als eine schnelle gerichtliche Beilegung dieses Streits anzustreben."

rei/Reuters
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