Zur Ausgabe
Artikel 8 / 54
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Eon Puder und Stützstrumpf

Der Düsseldorfer Energiekonzern macht seine Stadtwerke-Holding Thüga verkaufsfertig.
aus manager magazin 11/2008

Die elektronische Welt der Gaszähler und Stromableser, die ahnt noch nichts. Von Hochspannung keine Spur. "No news on this list", meldete die Homepage der Energiegruppe Thüga auf der Seite der aktuellen Pressemitteilungen noch Mitte Oktober.

Nur Geduld, die Nachrichtenarmut hat bald ein Ende. In eigener Sache gibt es nämlich demnächst existenzielle Neuigkeiten: Die Thüga soll zügig verkauft werden. Derzeit bereitet der Eon-Konzern seine Münchener StadtwerkeHolding darauf vor, hübscht sie auf, hängt Beteiligungen um - ein bisschen Puder hier, ein Stützstrumpf dort.

Die Thüga, das größte kommunale Beteiligungsnetzwerk der Republik, koordiniert Umsätze von mehr als 15 Milliarden Euro. Die meisten Versorger unter ihrem Dach sind mehrheitlich im Besitz der Städte und Gemeinden. Bei einer Handvoll ist Thüga der Hauptgesellschafter. Zudem besitzt die Firma Minderheitsanteile an rund 100 Stadtwerken. Darunter am Berliner Gasversorger Gasag, an Mainova (Frankfurt), N-Ergie (Nürnberg) und Heag, die von Darmstadt aus den südhessischen Energieraum beleuchtet und beheizt.

Schon länger führt Eon-Chef Wulf Bernotat (60) die Thüga auf seiner Desinvestitionsliste, auf der auch das konzerneigene Hochspannungsnetz sowie 4800 Megawatt Kraftwerkskapazitäten stehen (siehe Tabelle).

Bernotat sieht sich in einer Art Sackgasse. Das Kartellamt verbietet Thüga ein Aufstocken der Beteiligungen. Ohnehin lässt sich immer weniger mit den Stadtwerken verdienen; Wettbewerb und Regulierung drücken auf die Vertriebs- und Netzmargen.

Die Transaktion ist hochkomplex. Es gibt Vorkaufsrechte und allerlei sonstige gesellschaftsrechtliche Erschwernisse. So ist Eon offenbar davon abgekommen, einzelne, regional gebündelte Pakete aus Thüga-Besitz Investoren anzubieten. Nun will der Multi das Unternehmen als Ganzes abgeben. Drei bis vier Milliarden Euro, schätzen Branchenexperten, könnte der Deal einbringen.

Interessenten gibt es zur Genüge. Ein Thüga-Erwerb würde ausländischen Energieversorgern wie Frankreichs GDF Suez oder spanischen Unternehmen auf einen Schlag einen flächendeckenden Marktauftritt in Deutschland ermöglichen. Und einem weiteren Ausbau wären, anders als bei den deutschen Energieriesen, kaum wettbewerbsrechtliche Grenzen gesetzt. Auch eine deutsche Kommunalallianz um die Versorger Rheinenergie (Köln) und MVV (Mannheim) hatte sich schon vor geraumer Zeit als potenzieller Aufkäufer in Stellung gebracht.

Marktbeobachter sehen den Thüga-Verkauf als Signal für eine generelle Neuordnung der Stadtwerke-Landschaft. Abgabewillige Kommunen würden dann rasch ihre Versorger feilbieten, bevor die Preise angesichts einer Angebotsschwemme ins Rutschen geraten.

Mit bedeutenden "News" ist demnächst also nicht nur auf der Homepage der Thüga zu rechnen. Dietmar Student

*Schätzung.

Mehr lesen über
Zur Ausgabe
Artikel 8 / 54
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel