Phil Rumbol verlässt Keksfirma Bahlsen braucht schon wieder eine neue Spitzenkraft

Schon wieder Unruhe bei Bahlsen: Phil Rumbol, seit erst zwei Jahren Chef des Keksherstellers aus Hannover, tritt ab. Einen Ersatz gibt es noch nicht – ein Team um Firmen-Miterbin Verena Bahlsen soll es erstmal richten.
Übergangsweise an der Spitze: Verena Bahlsen ist Teil des Interims-Management-Teams

Übergangsweise an der Spitze: Verena Bahlsen ist Teil des Interims-Management-Teams

Foto: Monika Skolimowska/ dpa

Nach weniger als zwei Jahren braucht Bahlsen wieder eine neue Führungsspitze. Der im März 2020 berufene Chef Phil Rumbol werde die Firma verlassen, teilte der Kekshersteller am Donnerstag mit. Zu den Gründen machten die Hannoveraner zunächst keine Angaben. Man sei noch im Gespräch über die genauen Modalitäten, hieß es. Auch bis wann ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gefunden sein soll, ist offen. Übergangsweise soll erst einmal ein vierköpfiges Management-Team das Unternehmen leiten. Mit dabei ist Verena Bahlsen (28).

Die Miterbin und Tochter von Werner M. Bahlsen (72) sollte schon zuvor als "aktive Gesellschafterin" bei Strategiefragen mitwirken und sich bei Innovation, Kulturwandel sowie Markenentwicklung einbringen. Beraten werden soll die Interimsführung nun auch vom Verwaltungsrat. Dessen Vorsitzender Werner M. Bahlsen erklärte, Rumbol habe "Meilensteine für die Neuausrichtung gesetzt, die Umsetzung der Transformation begleitet und damit eine wichtige Grundlage für die Zukunft gelegt".

Bei Bahlsen gab es in den vergangenen Jahren mehrfach Umbesetzungen in der Chefetage. Ende 2020 hatte der Gebäckproduzent die Strukturen abermals umgebaut - Ziel war unter anderem ein stärkerer Fokus auf Themen wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Zu einem fünfköpfigen Geschäftsführungsteam gehörten neben Rumbol ein "Chief Culture Officer" und eine Top-Führungskraft für das Marketing. Der Manager Jörg Hönemann wollte sich hingegen anders orientieren. Werner M. Bahlsen bedauerte die Entscheidung des Finanzfachmanns – das Finanzressort sollte dann auf der obersten Leitungsebene entfallen.

Der besonders für seine Leibniz-Kekse bekannte Hersteller will neue Marken für Zielgruppen jenseits des traditionellen Geschäfts aufbauen. Außerdem soll es um "agilere Arbeitsweisen" und die "digitale Zukunft" gehen, wie Bahlsen damals ankündigte. Die Firma betreibt bereits eine eigene Forschung und Entwicklung sowie ein "Zukunftslabor" in Berlin und arbeitet mit Start-ups zusammen.

"Wir wollen wachsen, aber nicht um jeden Preis", wurde Rumbol zitiert. Auch im Verpackungsrecycling und für einen nachhaltigen Rohstoffeinkauf standen Initiativen an. Aktuell seien die "enormen Rohstoffpreis-Steigerungen" eine Herausforderung, so Verena Bahlsen.

Der Brite Rumbol war der erste Firmenlenker, der nicht zu der Unternehmerfamilie gehört. Werner M. Bahlsen hatte sich bereits 2018 als Vorstandschef zurückgezogen. Mehrfach kam es in der Familie auch zu heftigen Meinungsverschiedenheiten über die Ausrichtung.

cr/dpa-afx
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