Biontech-Chef Uğur Şahin "Wir sind fast im Plan"

Biontech-Chef Uğur Şahin weist nach dem Impfgipfel Kritik an den Herstellern zurück. Das Unternehmen sei jetzt in der Lage, sogar mehr Impfstoff herzustellen als es Ende 2020 geplant hatte.
"Die Kompliziertheit verstehen": Impfstoffproduktion ist nichts, das sich binnen Kürze aufbauen oder hochfahren ließe, sagt Biontech-Chef Uğur Şahin

"Die Kompliziertheit verstehen": Impfstoffproduktion ist nichts, das sich binnen Kürze aufbauen oder hochfahren ließe, sagt Biontech-Chef Uğur Şahin

Foto: RALPH ORLOWSKI / REUTERS

Der Vorstandsvorsitzende von Biontech, Uğur Şahin (55), hat Kritik an seinem Unternehmen wegen Verzögerungen bei der Impfstoffproduktion zurückgewiesen. "Was die Produktion angeht, sind wir fast im Plan", sagte Şahin im Interview mit den ARD-"Tagesthemen" am Montagabend. Der Eindruck, es holpere bei der Impfstoffproduktion sei "de facto nicht richtig", sagte Şahin. Die Prozesse, die notwendig seien, um die Produktion hochzufahren, nähmen Zeit in Anspruch.

Biontech habe vor zwei Wochen angekündigt, "temporär weniger zu liefern", um die Produktionshallen zu erweitern und die Produktionsprozesse anzupassen. "Jetzt sind wir in der Lage, deutlich mehr zu produzieren, als wir Ende des letzten Jahres eingeplant hatten."

Der Impfgipfel am Montag sei wichtig gewesen, erklärte Şahin, damit alle "die Kompliziertheit verstehen". Es gebe keine vollen Lagerstätten. "Alles, was wir produzieren, wird sofort ausgeliefert." Am Montag hatten sich Vertreter von Bund, Ländern und der Pharmaindustrie zu einer Onlinekonferenz getroffen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU) hielt nach dem Gipfel an ihrer Zusage fest, bis zum Ende des Sommers jedem Bürger ein Impfangebot machen zu können.

Auf die Frage, ob auch andere Firmen den Biontech-Impfstoff in Lizenz produzieren könnten, sagte Şahin, selbst große, erfahrene Unternehmen würden alleine für den Aufbau der Abfüllung "mehrere Monate" brauchen.

Der Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer war am 21. Dezember als erster in der EU zugelassen worden. Mitte Januar mussten die Unternehmen ihre anfänglichen Liefermengen vorübergehend kürzen. Grund waren Umbauarbeiten im Pfizer-Werk im belgischen Puurs. Anschließend meldete Astrazeneca einen größeren Ausfall der im ersten Quartal erwarteten Impfstoffmenge. Auch Moderna, der Hersteller des dritten zugelassenen Corona-Impfstoffs, kürzte seine Lieferziele. Laut EU-Kommission halten Biontech und Pfizer aber an der für das erste Quartal zugesicherten Gesamtmenge fest und wollen die Lieferrückstände bis Ende März aufholen.

rei/AFP