Biontech-Partner US-Pharmariese Pfizer will eigene mRNA-Impfstoffe entwickeln

Gemeinsam mit Biontech erhielt Pfizer die erste Zulassung für einen Covid-19-Impfstoff weltweit und gehört damit zu den erfolgreichsten Unternehmen in der Corona-Krise. Jetzt plant der US-Konzern weitere Vakzine - auch ohne den deutschen Partner.
Pfizer-Logo: Der US-Konzern will im Impfstoffgeschäft nachlegen

Pfizer-Logo: Der US-Konzern will im Impfstoffgeschäft nachlegen

Foto: HENNY RAY ABRAMS/ AFP

Nach dem Erfolg des gemeinsam mit Biontech entwickelten Covid-Vakzins will der US-Pharmariese Pfizer sein Impfstoffgeschäft weiter ausbauen - möglicherweise auch ohne den deutschen Partner. "Wir arbeiten gerne mit Biontech zusammen, aber wir müssen nicht mit Biontech zusammenarbeiten", sagte Pfizer-Chef Albert Bourla (59) dem "Wall Street Journal". Die neuartige mRNA-Technologie habe "dramatisches Potenzial", und Pfizer sei zuversichtlich, nun auch alleine mRNA-Vakzine entwickeln zu können, sagte Bourla laut der am Dienstag auf der Internetseite der Zeitung verbreiteten redaktionellen Fassung. "Wir haben unsere eigene Expertise entwickelt." Bei Covid-19-Impfstoffen würden die beiden Unternehmen weiter kooperieren.

Bourla kündigte dem Blatt zufolge die Entwicklung neuer mRNA-Impfstoffe gegen andere Viren und Krankheitserreger an, nannte aber keine Details. "Biontech und Pfizer sind Partner", erklärte eine Biontech-Sprecherin zu dem Bericht. Gemeinsam hätten sie mehrere Covid-19-Impfstoffkandidaten auf Grundlage der mRNA-Impfstoffplattform von Biontech entwickeln können und weltweit die erste Zulassung für einen mRNA-Impfstoff erhalten. Das sei ein Durchbruch für die Technologie, an der Biontech schon so lange forsche. "Wir betrachten es als große Anerkennung, dass inzwischen Unternehmen wie unser Partner Pfizer ihre eigene mRNA-Impfstoff-Strategie aufbauen."

Auf diese Technologie setzt auch der US-Konkurrent Moderna, dessen Covid-19-Impfstoff ebenfalls schon in den USA und der EU zugelassen ist, sowie das Tübinger Biotechunternehmen Curevac. "Wir sind wegen unserer Größe und unserer Expertise derzeit das Unternehmen, das am besten aufgestellt ist, um den nächsten Schritt zu gehen", sagte Pfizer-Chef Bourla.

Das Vakzin aus den Laboren von Biontech, das das Mainzer Unternehmen in Zusammenarbeit mit Pfizer entwickelt hat, hatte als erster Covid-19-Impfstoff in den USA und der EU eine Zulassung erhalten. Experten zufolge könnte die Boten-RNA (mRNA) nicht nur den Kampf gegen Covid-19, sondern auch gegen andere zukünftige Pandemien und sogar Krebs umkrempeln. Sie vermittelt den menschlichen Zellen die Information zur Produktion von Proteinen und damit zur Bekämpfung der Krankheitserreger.

Biontech und Pfizer hatten ihre Partnerschaft zur Entwicklung eines Corona-Impfstoffs im vergangenen März angekündigt. Die beiden Unternehmen hatten zuvor bereits bei der Entwicklung von Grippe-Impfstoffen zusammengearbeitet.

cr/Reuters