Bericht über Mängel Slowakei äußert Zweifel an Sputnik-V-Impfstoff

In der Slowakei zweifelt die nationale Arzneimittelbehörde die Wirksamkeit des russischen Impfstoffs an. Die gelieferte Charge hätte andere Eigenschaften als der von Experten für wirksam erklärte Impfstoff.
Fehlerhafte Charge? In der Slowakei sorgt die nationale Arzneimittelbehörde für erheblichen Wirbel mit einem Bericht über die Wirksamkeit einer Lieferung des russischen Impfstoffes Sputnik V

Fehlerhafte Charge? In der Slowakei sorgt die nationale Arzneimittelbehörde für erheblichen Wirbel mit einem Bericht über die Wirksamkeit einer Lieferung des russischen Impfstoffes Sputnik V

Foto: Cezary Kowalski / imago images/ZUMA Wire

Die slowakische Arzneimittelbehörde hat Zweifel an der Sicherheit einer nach Bratislava gelieferten Charge des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V geäußert. Die Charge habe "nicht die gleichen Merkmale und Eigenschaften" wie jene Chargen, deren klinische Testergebnisse in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht worden waren, erklärte die Behörde am Donnerstag in einem Bericht . "Nur ihr Name verbindet sie mit den Sputnik-V-Impfstoffen, die in rund 40 Ländern weltweit eingesetzt werden."

Allein auf der Grundlage von Labortests sei es nicht möglich, auf die Wirksamkeit und Sicherheit beim Menschen zu schließen, erklärte die Behörde weiter. Der Hersteller habe nicht auf wiederholte Anfragen reagiert, Daten zur Zusammensetzung der ersten 200.000 in die Slowakei importierten Dosen zur Verfügung zu stellen.

Der Streit um das russische Vakzin hatte in der vergangenen Woche zum Rücktritt von Ministerpräsident Igor Matovič (47) geführt. Ihm wurde neben Fehlern im Corona-Krisenmanagement auch der hastige Ankauf des russischen Corona-Impfstoffs vorgeworfen. Zugleich ordnete er jedoch an, dass der tatsächliche Einsatz erst nach Vorliegen einer positiven Prüfung durch SUKL beginnen dürfe. Deshalb wurde der Impfstoff bisher nicht genutzt. In den ehemaligen Ostblockstaaten sorgt das Vakzin für Zwiespalt, einige Menschen sehen es als wertvolles Mittel im Kampf gegen die Pandemie, andere als ein Propaganda-Werkzeug des Kreml.

Krisentreffen in Moskau

Matovič, bis 31. März Ministerpäsident der Slowakei und nun deren Finanzminister, kritisierte negative Medienberichte auf Facebook als böswillige Verschwörung. Jemand versuche offenbar "aus geopolitischen Gründen" zu verhindern, dass Sputnik V in der Slowakei mithelfen könne, Menschenleben zu retten, schrieb der konservativ-populistische Politiker. Am Donnerstag brach er überraschend nach Moskau auf, um mit dem Chef der russischen Vermarktungsagentur zu sprechen, wie er auf Facebook mitteilte.

In einer im Februar in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichten Studie war die Wirksamkeit von Sputnik V mit 91,6 Prozent angegeben worden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigte am Donnerstag an, sich direkten Gesprächen mit Russland um eine Belieferung mit dem Vakzin zu bemühen.

Russland zeigt sich verschnupft

Nach Angaben aus Russland sei die slowakische Regierung gebeten worden, den Impfstoff zur Prüfung an ein Labor zu schicken. Am Dienstag sei das Land aufgefordert worden, das Vakzin wegen "mehrfacher Vertragsverletzungen" zurückzuschicken, damit es in anderen Ländern verwendet werden könne, schrieb der staatliche Direktinvestmentfonds RDIF bei Twitter. "Impfstoffe sollten Leben retten und nicht für geopolitische und interne politische Kämpfen eingesetzt werden."

rei/dpa-afx/AFP
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