Personalrochade bei Roche Topverdiener Schwan wechselt in den Verwaltungsrat

Roche-Primus Severin Schwan gehört seit Jahren zu den bestbezahlten Konzernchefs in Europa. Nun wechselt er in den Verwaltungsrat auf den frei werdenden Posten von Präsident Christoph Franz. Ein neuer CEO steht auch schon fest.
Gut bezahlt: Roche-Chef Severin Schwan hat im vergangenen Jahr 11,5 Millionen Franken (11,6 Millionen Euro) verdient

Gut bezahlt: Roche-Chef Severin Schwan hat im vergangenen Jahr 11,5 Millionen Franken (11,6 Millionen Euro) verdient

Foto: GEORGIOS KEFALAS / EPA

Staffelübergabe beim Schweizer Pharmakonzern Roche: Nach 15 Jahren als Vorstandschef soll Severin Schwan (54) im März kommenden Jahres neuer Präsident des Verwaltungsrats bei Roche werden. Er löst dort den ehemaligen Lufthansa-Chef Christoph Franz (62) ab, der dem Gremium seit 2014 vorstand. "Ich habe mich entschieden, im kommenden Jahr nach zwölfjähriger Tätigkeit im Verwaltungsrat, davon neun Jahre als Präsident, nicht mehr zur Wiederwahl zum Verwaltungsratspräsidenten zur Verfügung zu stehen", erklärte Franz am Donnerstag. Nachfolger von Schwan als Roche-Chef soll Thomas Schinecker (47) werden, der gegenwärtig die Diagnostiksparte leitet.

Schwan ist seit 2006 Mitglied der Konzernleitung und seit 2008 Vorstandschef. Er gehört schon seit Jahren zu den bestbezahlten Konzernchefs in Europa. Im vergangenen Jahr verdiente er 11,5 Millionen Franken (11,6 Millionen Euro).

Zum Vergleich: Linde-CEO Steve Angel, der bestbezahlte Dax-Chef im Jahr 2020, verdiente 53,4 Millionen Euro. Er und Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg waren damals allerdings auch absolute Ausreißer. Der drittplatzierte, Post-Chef Frank Apple, kam nur auf zehn Millionen Euro. Ein Ranking der bestverdienenden Dax-Chefs aus dem Jahr 2021 gibt es nicht. Dieser Vergleich ist wegen neuer europäische Transparenzregeln deutlich schwieriger, zudem wurde der Index im September 2021 von 30 auf 40 Unternehmen aufgestockt. Klar ist nur, dass die Vorstandsvorsitzenden der im Dax gelisteten Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr im Schnitt ein Gehalt von 8,3 Millionen Euro bezogen haben.

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Schinecker leitet das Diagnostikgeschäft

Der bisherige Verwaltungsratschef Franz wurde in der Schweiz als Chef der Airline Swiss bekannt. Er leitete diese von 2004 bis 2009 und wechselte danach zum Mutterkonzern Lufthansa, erst als Leiter des Passagierbereichs, ab 2011 dann als Vorstandsvorsitzender der Geschäftsleitung. Franz sitzt als Vizepräsident im Verwaltungsrat der Zurich Versicherung und hat ein Verwaltungsratsmandat bei Stadler Rail.

Schwans designierter Nachfolger Schinecker ist bereits seit 20 Jahren für Roche tätig. Der Molekularbiologe leitet seit 2019 das Diagnostikgeschäft, das in der Pandemie von der hohen Nachfrage nach den Corona-Tests des Unternehmens beflügelt wurde. Schwan betonte, mit dem Wechsel sei keine Änderung der Strategie bei Roche verbunden: "Wir wollen beide Geschäfte weiter entwickeln, Pharma und Diagnostik. Ich sehe keine strukturellen oder sonstigen Veränderungen auf strategischer Ebene."

Umsatz und Gewinn im ersten Halbjahr gestiegen

Dank ihrer Covid-Tests war die meist im Schatten des deutlich größeren Pharmageschäfts stehende Diagnostiksparte von Roche ins Rampenlicht gerückt. Das Baseler Unternehmen, vor allem für seine Krebstherapien bekannt, ist auch der weltgrößte Anbieter von Geräten, Verfahren und Verbrauchsgütern zur Bestimmung von Krankheiten. Trotz weiterhin hoher Infektionszahlen geht Schwan unverändert davon aus, dass die Nachfrage nach Corona-Tests im weiteren Jahresverlauf nachlassen sollte. "Aber niemand weiß genau, wie sich das Virus genau entwickelt, und welchen Einfluss das auf unser Geschäft hat." Roche plane deshalb konservativ.

Im Gesamtjahr geht der Vorstand unverändert davon aus, dass die Verkäufe von Corona-Tests und -Arzneien um rund zwei Milliarden auf etwa fünf Milliarden Franken abnehmen werden. Der Verkaufsrückgang durch günstigere Nachahmerarzneien – sogenannte Biosimilars – wird auf rund 2,5 Milliarden Franken geschätzt. Ohne diese Effekte würde das Umsatzwachstum des Konzerns im hohen einstelligen Prozentbereich liegen.

Im ersten Halbjahr profitierte Roche noch deutlich vom Corona-Geschäft: Der Umsatz in der Diagnostiksparte stieg zu konstanten Wechselkursen um 11 Prozent, das Basisgeschäft wuchs um 6 Prozent. Im Pharmageschäft verbuchte Roche ein Umsatzplus von 3 Prozent.

Insgesamt stieg der Konzernumsatz im ersten Halbjahr um 5 Prozent auf 32,3 Milliarden Franken. Der operative Gewinn erhöhte sich um 9 Prozent auf 12,67 Milliarden. Der bereinigte Gewinn je Titel betrug 11,76 Franken, ein Zuwachs von 11 Prozent.

Für das Gesamtjahr bekräftigte Roche seine Prognose: Der Umsatz soll zu konstanten Wechselkursen stabil bleiben oder um einen niedrigen einstelligen Prozentbetrag steigen. Der bereinigte Gewinn je Titel soll um einen niedrigen bis mittleren Prozentbetrag wachsen. Den Aktionären stellte das Management weiter steigende Dividenden in Aussicht.

mg/Reuters
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