Corona-Gewinner Thermo Fisher erhöht Angebot für Biotech-Perle Qiagen

Das deutsche Biotech-Unternehmen Qiagen zählt zu den Gewinnern der Corona-Krise. Folge: Der vor Beginn der Pandemie ausgehandelte Übernahmedeal durch Thermo Fischer bildet den Unternehmenswert inzwischen nicht mehr ab.
Qiagen-Zentrale in Nordrhein-Westfalen, Hilden: Durch die Corona-Krise ist der Wert des Unternehmens gestiegen

Qiagen-Zentrale in Nordrhein-Westfalen, Hilden: Durch die Corona-Krise ist der Wert des Unternehmens gestiegen

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Der US-Laborausrüster Thermo Fisher Scientific stockt sein Übernahmeangebot für Qiagen um 900 Millionen auf rund 11,3 Milliarden Euro auf. Die Amerikaner bieten für das deutsch-niederländische Biotech-Unternehmen nun 43 statt 39 Euro je Aktie, wie beide Firmen am Donnerstag mitteilten. Damit will Thermo Fisher ein Scheitern der Übernahme vermeiden, das wegen des Widerstands mehrerer Qiagen-Aktionäre drohte. Die Qiagen-Aktien  stiegen zuletzt um 2,2 Prozent auf 41,85 Euro. 

Qiagen-Aufsichtsratschef Håkan Björklund (64) hatte den Verkauf Anfang März verkündet . Es sah nach einem vernünftigen Handel aus: Zehn Milliarden Dollar für ein Unternehmen mit 1,5 Milliarden Dollar Umsatz und 5100 Mitarbeitern. Es sollte der Deal seines Lebens werden. Doch seitdem hat sich die Welt für Qiagen gewaltig verändert. Qiagen produziert Testkits für das Coronavirus. Statt eines Diagnostikanbieters mit Wachstumsproblemen steht damit nun einer der großen Gewinner der Pandemie zum Verkauf.

Zweimal schon korrigierte die Firmenspitze ihre Prognosen per Ad-hoc-Mitteilung nach oben. In normalen Jahren verkauft Qiagen 4,8 Millionen Testkits. Ende 2020 wird die Stückzahl vermutlich bei 20 Millionen liegen, zu Rohertragsmargen von geschätzten 80 Prozent. Für das zweite Quartal rechnet Qiagen mit einem um 18 bis 19 Prozent höheren Umsatz als im Vorjahresquartal. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis je Aktie (EPS) soll währungsbereinigt sogar um etwa 68 Prozent auf 0,55 bis 0,56 US-Dollar steigen. 

Thermo Fisher drohte daher ein Scheitern des bisher rund zehn Milliarden Euro schweren Angebots. Um seine Übernahmechancen zu erhöhen, begnügt sich der US-Konzern nun zudem mit einer Annahmequote von zwei Drittel der Qiagen-Aktien. Bisher lag die Schwelle bei 75 Prozent. Doch hatten bis Anfang dieser Woche nur 2,1 Prozent der Qiagen-Aktionäre die Offerte aus den USA angenommen. Das ist nicht ungewöhnlich, warten doch die meisten Großinvestoren bis zum Schluss ab. Doch hatten mehrere Anteilseigner wie der Hedgefonds Davidson Kempner das Angebot als zu niedrig bezeichnet. Auch ohne eine Übernahme könne die Aktie auf 50 Euro steigen. Davidson Kempner hält drei Prozent an Qiagen.

"Die Kräfte in unserer Branche haben sich in den vergangenen Monaten deutlich geändert", sagte Thermo-Fisher-Chef Marc Casper (52) mit Blick auf die Corona-Pandemie, die die Labor- und Diagnostikbranche in den Fokus hatte rücken lassen. Die neue Offerte für Qiagen spiegele "den fairen Wert im gegenwärtigen Umfeld wider". 

Vorstand und Aufsichtsrat von Qiagen nannten das höhere Angebot "im besten Interesse" des Unternehmens und von dessen Aktionären. "Dieser strategische Schritt ist sinnvoller denn je, zumal der Wert von Molekulartests immer klarer wird", erklärte Qiagen-Chef Thierry Bernard (55). Die Führung des von Hilden bei Düsseldorf aus geführten Konzerns hatte sich allerdings auch hinter das vorherige Angebot gestellt. Wenn die Amerikaner auch an der niedrigeren Annahmeschwelle scheitern, muss Qiagen ihnen 95 Millionen Dollar Ausgleich zahlen. Die Annahmefrist verlängert sich infolge der Aufstockung um zwei Wochen bis zum 10. August.

mg/Reuters
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