Umstrittene Beratung von Opioid-Herstellern McKinsey schließt Vergleich über 600 Millionen Dollar

Die Beratungsfirma McKinsey wird knapp 600 Millionen Dollar zahlen, um die Streitigkeiten um die Beratung von US-Opioidherstellern wie Purdue beizulegen. Die Beweislast ist hoch, schuldig bekennt sich das Unternehmen aber nicht.
Tod durch Schmerzmittel: McKinsey bekennt sich in dem Vergleich nicht schuldig

Tod durch Schmerzmittel: McKinsey bekennt sich in dem Vergleich nicht schuldig

Foto: George Frey / REUTERS

Die Beratungsgesellschaft McKinsey hat im Streit um die Beratung der US-Pharmafirma Purdue Pharma einen Vergleich erzielt. Das Unternehmen werde knapp 600 Millionen Dollar (rund 500 Millionen Euro) zahlen, um die Rechtsstreitigkeiten beizulegen, erklärt McKinsey nun in einer Presseaussendung. Wie aus Gerichtsdokumenten hervorgeht, sind es exakt 573 Millionen Dollar (479 Millionen Euro). Zuerst hatte unter anderem die "New York Times " über den Vergleich berichtet.

Die Einigung ist mit Generalstaatsanwälten von 49 Bundesstaaten erzielt worden. Ein Schuldeingeständnis enthält sie ausdrücklich nicht. Die US-Regierung um Präsident Joe Biden (78) könnte aber immer noch rechtliche Schritte gegen McKinsey einleiten. "McKinseys zynische und kalkulierte Marketing-Taktiken halfen dabei, die Opioid-Krise zu befeuern", verkündete New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James.

Die Generalstaatsanwälte erkannten laut der Presseaussendung McKinseys "guten Willen und vernünftige 'coroporate citizenship'" bei der Erzielung dieser Lösung an. Man habe sich zu diesem Schritt entschlossen, um US-Kommunen "schnelle, sinnvolle Unterstützung" zu bieten, erklärte McKinsey-Weltchef Kevin Sneader dazu. McKinsey bedauere zutiefst, dass man die tragischen Konsequenzen der Epidemie in den Kommunen nicht "adäquat anerkannt habe", so Sneader. Mit der Einigung hoffe man, "Teil der Lösung für die Opioid-Krise in den USA" zu sein.

McKinsey hatte vor Jahren die Pharmafirma Purdue Pharma beim Marketing und dem Verkauf von Opioiden beraten. Damit gerieten die Berater auf die Seite der Beschuldigten in der großen Opioid-Krise, die die Vereinigten Staaten seit Beginn des neuen Jahrtausends belastet, und die bereits mehrere hunderttausend Todesopfer gefordert hat. Dabei betrieben Pharmafirmen im großen Stil Marketing für ihre Schmerzmittel, ohne zu beachten, dass die Präparate süchtig machten. Auch Purdue Pharma wurde vorgeworfen, Schmerzmittel ohne Rücksicht auf Suchtgefahren aggressiv vermarktet und damit maßgeblich zu der landesweiten Krise beigetragen zu haben. Das Unternehmen hat nach zahlreichen Klagen inzwischen Insolvenz beantragt.

Wie die "New York Times" berichtete, hätten in dem Gerichtsverfahren gegen McKinsey zahlreiche Dokumente aufgedeckt, wie die Berater den Verkauf des Purdue-Schmerzmittels Oxycontin in den USA vorangetrieben hätten. So empfahlen die Berater beispielsweise, sich auf den Verkauf der hochdosierten Pillen zu konzentrieren, obwohl Purdue bereits 2007 eine Irreführung von Ärzten und Aufsichtsbehörden in Bezug auf Oxycontin eingeräumt hatte. Darüber hinaus habe McKinsey dazu geraten, sich mit anderen Opioidherstellern zusammenzuschließen, um eine strenge Behandlung durch die US-Arzneimittelbehörde FDA zu verhindern. Zudem hätten sie Purdue vorgeschlagen, die Opioide positiver zu vermarkten: Sie würden Stress reduzieren und Patienten optimistischer machen.

Durch den Vergleich mit der US-Justiz spart McKinsey vorherigen Berichten von "Wall Street Journal" und "Financial Times" zufolge voraussichtlich hunderte Millionen Dollar. Ein Fehlverhalten räumen die Berater in dem Vergleich nicht ein. Die Beratung von Firmen, die Suchtmittel herstellen, solle künftig jedoch beschränkt werden. Laut Eigenangaben berät McKinsey seit zwei Jahren keine Klienten mehr, die Opioid-bezogene Geschäfte machen. Von zwei Partnern, die Informationen über die Löschung von Dokumenten weitergegeben haben, hat sich McKinsey laut der Presseaussendung getrennt.

Eine Sprecherin von McKinsey hatte kürzlich auf Anfrage betont, das Unternehmen habe sich im Zusammenhang mit der Beratung von Purdue Pharma stets an Recht und Gesetz gehalten und zu keiner Zeit etwas Unrechtes getan. McKinseys Arbeit für Opioid-Hersteller sei auf den Bereich der legalen Verschreibung solcher Medikamente ausgerichtet gewesen, für Patienten, die legitimen medizinischen Bedarf hätten, heißt es zudem in einem Statement des Unternehmens. Jede Behauptung, McKinsey habe Kunden geraten, geltende Vorschriften zu umgehen oder die öffentliche Gesundheit zu verschlechtern, sei falsch. Zudem kooperiere das Unternehmen in der Sache mit den Behörden und habe seine Zusammenarbeit mit Opioid-Anbietern generell eingestellt.

Durch die Einigung mit McKinsey erhalten die Bundesstaaten nun erstmals finanzielle Mittel von beteiligten Unternehmen. Purdue hatte sich im Oktober 2020 zwar schuldig bekannt und sich dazu verpflichtet, rund 8,3 Milliarden Dollar zu zahlen. Doch durch die Insolvenz ist es unklar, ob das Geld jemals fließen wird. Die Zahlung von McKinsey solle nun in Präventionsprogramme und Behandlungen von Opioid-Opfern fließen, heißt es.

mg, cr, wed/dpa-afx