Ranking 2022 Das sind die 20 größten Pharmaunternehmen der Welt

Die Pharmaindustrie spielt eine tragende Rolle im Kampf gegen das Coronavirus. Kein Medikament machte jemals mehr Umsatz in einem Jahr als der Impfstoff von Biontech. Wer sind die Auf- und Absteiger in den Top 20 weltweit?
Powerpaar: Uğur Şahin (56) und Özlem Türeci (55) führen Biontech

Powerpaar: Uğur Şahin (56) und Özlem Türeci (55) führen Biontech

Foto: Christoph Hardt / imago images/Future Image

Impfstoffe, Medikamente, Coronatests, Schutzausrüstungen – seit Ausbruch der Coronapandemie steht die Pharmaindustrie im Zentrum des öffentlichen Interesses. Und wie kaum andere Branche hat sie von der Ausnahmesituation profitiert. 100 Milliarden Dollar zusätzlichen Umsatz soll die Pandemie den Unternehmen im Jahr 2021 eingebracht haben. Rekordumsätze sind keine Seltenheit.

Das zuvor fast unbekannte deutsche Start-up Biontech – geführt vom Powerpaar Uğur Şahin (56) und Özlem Türeci (55) – stieg dank des mRNA-Impfstoffs "Comirnaty" in Rekordzeit in die Spitze der Industrie auf, machte 2021 fast 19 Milliarden Euro Umsatz und mehr als 10,3 Milliarden Euro Gewinn; in diesem Jahr rechnen die Mainzer mit 13 bis 17 Milliarden Dollar Impfstoffeinnahmen. Oder Kooperationspartner Pfizer: Der US-Konzern setzte im vergangenen Jahr allein 30 Milliarden Euro mit Covid-Produkten um und hat seinen Jahresumsatz im Vergleich zu 2020 nahezu verdoppelt. Für das laufende Jahr prognostiziert Pfizer Corona-Umsätze in Höhe von 32 Milliarden Dollar.

Pfizer meldete sich damit wieder zurück im Top-Ranking der weltweit größten Pharmaunternehmen von "Fierce Pharma". Nach einem achten Platz im Vorjahr landete das von Albert Bourla (60) geführte Unternehmen auf Platz zwei, direkt hinter dem US-Wettbewerber Johnson & Johnson.

"Das ist nicht einfach nur schieres Glück", sagt Norbert Hültenschmidt , Partner von Bain & Company in Zürich . Der Pharmaexperte erklärt, dass die Firmen, die schon zuvor an den Themen arbeiteten, durch die Pandemie zusätzlichen Auftrieb erhalten hätten. "Und das kann auch andauern, je nachdem wie die Pandemie weiter verläuft", so der promovierte Chemiker. (Erfahren Sie hier mehr, wer die künftigen großen Player bei der mRNA-Technologie werden könnten.)

Umsatz 2021: 93,77 Milliarden Dollar
Hauptsitz: New Brunswick, New Jersey, USA
Mitarbeiter: 141.700
Gründung: 1886

Der US-Konzern meldete für 2021 stolze 93,77 Milliarden Dollar Umsatz, das waren über zehn Milliarden Dollar mehr als noch ein Jahr zuvor. Der Gewinn lag bei 20,88 Milliarden Dollar nach 14,71 Milliarden Dollar im Vorjahr. Dabei verbuchten alle drei Sparten des Konzerns Zuwächse, hieß es bei der Präsentation der Zahlen. Die umsatzstärkste Sparte des im Dow Jones Industrial gelisteten Konzerns ist der Pharmabereich, der zum größten Teil unter Janssen Pharmaceutica firmiert. 2021 setzte allein diese Sparte rund 52 Milliarden Dollar um. Daneben produziert Johnson & Johnson Medizintechnik und Consumer Health-Produkte mit rezeptfreien Arzneien.

Topseller des Jahres 2021 waren das Medikament Darzalex aus dem Bereich Onkologie gegen Multiples Myelom sowie Stelara, ein Mittel gegen Schuppenflechte. Der von Johnson & Johnson entwickelte Covid-19-Impfstoff sorgte erwartungsgemäß ebenfalls für einen Umsatzschub. Allein die Vakzine fuhr rund 2,39 Milliarden Dollar ein. Allerdings wurde das Plus teilweise von einem Rückgang beim Arthritis-Medikaments Remicade in den USA kompensiert, berichtete der Konzern. Hier machen Biosimilars – also Nachahmermedikamente – dem Mittel zu schaffen.

Für das laufende Jahr 2022 erwartet der Konzern einen Umsatz zwischen 94,8 und 95,8 Milliarden Dollar. Den Umsatz des Covid-19-Vakzins schloss der Konzern aus der Prognose aus, da die Entwicklung angesichts des weltweiten Überangebots an Impfstoffen und einer unsicheren Nachfrage nicht abzuschätzen sei.

Offen ist auch weiterhin, wie sich die juristischen Streitereien um den Verkauf von Babypuder weiterentwickeln, dessen Talk mit Asbest verseucht gewesen sein soll. Im Zuge des Opioid-Skandals in den USA hatte sich der Konzern auf einen Milliardenschweren Vergleich eingelassen, der unter anderem Zahlungen in Hilfsprogramme über mehrere Jahre vorsieht.

Im November 2021 kündigte Johnson & Johnson an, sich innerhalb von zwei Jahren in zwei Teile aufspalten zu wollen: Geplant ist, die Konsumgütersparte mit rezeptfreien Medikamenten und anderen Gesundheitsprodukten in ein eigenständiges Unternehmen zu überführen und an die Börse zu bringen. Allein diese Sparte setzte 2021 insgesamt etwa 14,64 Milliarden Dollar um.

Ob Johnson & Johnson seine Spitzenposition im kommenden Ranking halten kann, ist jedoch auch ohne eine Abspaltung der Consumer-Sparte ungewiss. Der diesjährige zweitplatzierte Pharmakonzern Pfizer befindet sich auf atemberaubender Aufholjagd.

"Comirnaty" erzielt höchste Jahresumsätze aller Zeiten

Anders als das erste Corona-Jahr 2020 hat sich die Coronakrise im Jahr 2021 deutlich auf das Ranking der Top-Pharmaunternehmen nach Umsatz, das der Branchendienst Fierce Pharma  ermittelte, ausgewirkt. Neben dem Comeback von Pfizer stiegen etliche Firmen ganz neu ein. Diese Neulinge sind Biontech, Moderna und Viatris, ein Zusammenschluss des niederländischen Konzerns Mylan und Pfizer’s Sparte Upjohn. Im Gegenzug wurden Teva Pharmaceutical, Biogen und Astellas aus den Top 20 verdrängt. "Es ist der Erfolg der Tüchtigen", formuliert Hültenschmidt. Corona habe sich auf viele Pharmaspezialisten positiv ausgewirkt.

Mit weltweiten Umsätzen von 36,8 Milliarden Dollar erzielte der Biontech-Pfizer-Impfstoff 2021 mehr als jemals ein Medikament zuvor in einem Jahr. Erstmals nach neun Jahren wurde dadurch der Immunologie-Superstar "Humira" des US-Konzerns AbbVie als meistverkauftes Medikament der Welt abgelöst. Modernas Corona-Impfstoff "Spikevax" (17,7 Milliarden Dollar Jahresumsatz) war das Mittel mit den dritthöchsten Umsätzen. Und auch die Anti-Coronamedikamente von Roche und Regeneron sowie von Gilead knackten sofort die 5-Milliarden-Dollar-Grenze.

Gleichzeitig schreiten die Konsolidierung und Spezifizierung der Branche voran. Mehrere Unternehmen erwägen Abspaltungen, unter anderem der Consumer-Health- oder Generika-Sparten, um sich künftig auf verschreibungspflichtige Arzneien zu konzentrieren. "Die Spezifizierung wird weiter zunehmen", prophezeit Berater Hültenschmidt. "Konzerne verstärken sich durch Zukäufe, insbesondere in Therapiegebieten, in denen sie bereits stark sind."

Der Boom des Impfstoff-Effekts wird dabei wohl einmalig bleiben. Die größten Wachstumstreiber werden eher Wirkstoffe gegen Krebs und Erkrankungen des Immunsystems sein. Waren früher Blutdrucksenker die Blockbuster schlechthin, wird derzeit mit Medikamenten gegen seltene Krankheiten das meiste Geld umgesetzt.

Der Experte erwartet aber, dass künftig auch der Kampf gegen Zivilisationskrankheiten ein großes Thema für die Pharmaunternehmen werden wird. Erste wirksame Produkte beispielsweise gegen Übergewicht seien auf dem Markt mit einer vielversprechenden Entwicklung. Auch eignet sich die Zell- und Gen-Therapie, um Krankheiten wie Diabetes, Parkinson oder Alzheimer nicht mehr nur an Symptomen zu behandeln, sondern an den Ursachen. Einen schnellen Erfolg erwartet Hültenschmidt hier zwar nicht. Aber in den kommenden 15 Jahren könnten womöglich entsprechende Präparate vorliegen.

Das sind die größten Pharmafirmen weltweit nach Gesamtumsatz 2021:

Umsatz 2021: 93,77 Milliarden Dollar
Hauptsitz: New Brunswick, New Jersey, USA
Mitarbeiter: 141.700
Gründung: 1886

Der US-Konzern meldete für 2021 stolze 93,77 Milliarden Dollar Umsatz, das waren über zehn Milliarden Dollar mehr als noch ein Jahr zuvor. Der Gewinn lag bei 20,88 Milliarden Dollar nach 14,71 Milliarden Dollar im Vorjahr. Dabei verbuchten alle drei Sparten des Konzerns Zuwächse, hieß es bei der Präsentation der Zahlen. Die umsatzstärkste Sparte des im Dow Jones Industrial gelisteten Konzerns ist der Pharmabereich, der zum größten Teil unter Janssen Pharmaceutica firmiert. 2021 setzte allein diese Sparte rund 52 Milliarden Dollar um. Daneben produziert Johnson & Johnson Medizintechnik und Consumer Health-Produkte mit rezeptfreien Arzneien.

Topseller des Jahres 2021 waren das Medikament Darzalex aus dem Bereich Onkologie gegen Multiples Myelom sowie Stelara, ein Mittel gegen Schuppenflechte. Der von Johnson & Johnson entwickelte Covid-19-Impfstoff sorgte erwartungsgemäß ebenfalls für einen Umsatzschub. Allein die Vakzine fuhr rund 2,39 Milliarden Dollar ein. Allerdings wurde das Plus teilweise von einem Rückgang beim Arthritis-Medikaments Remicade in den USA kompensiert, berichtete der Konzern. Hier machen Biosimilars – also Nachahmermedikamente – dem Mittel zu schaffen.

Für das laufende Jahr 2022 erwartet der Konzern einen Umsatz zwischen 94,8 und 95,8 Milliarden Dollar. Den Umsatz des Covid-19-Vakzins schloss der Konzern aus der Prognose aus, da die Entwicklung angesichts des weltweiten Überangebots an Impfstoffen und einer unsicheren Nachfrage nicht abzuschätzen sei.

Offen ist auch weiterhin, wie sich die juristischen Streitereien um den Verkauf von Babypuder weiterentwickeln, dessen Talk mit Asbest verseucht gewesen sein soll. Im Zuge des Opioid-Skandals in den USA hatte sich der Konzern auf einen Milliardenschweren Vergleich eingelassen, der unter anderem Zahlungen in Hilfsprogramme über mehrere Jahre vorsieht.

Im November 2021 kündigte Johnson & Johnson an, sich innerhalb von zwei Jahren in zwei Teile aufspalten zu wollen: Geplant ist, die Konsumgütersparte mit rezeptfreien Medikamenten und anderen Gesundheitsprodukten in ein eigenständiges Unternehmen zu überführen und an die Börse zu bringen. Allein diese Sparte setzte 2021 insgesamt etwa 14,64 Milliarden Dollar um.

Ob Johnson & Johnson seine Spitzenposition im kommenden Ranking halten kann, ist jedoch auch ohne eine Abspaltung der Consumer-Sparte ungewiss. Der diesjährige zweitplatzierte Pharmakonzern Pfizer befindet sich auf atemberaubender Aufholjagd.

Für das Ranking im kommenden Jahr wird spannend, inwieweit sich die Coronapandemie und die Konsolidierung weiter auswirken. Entstehen neue Unternehmen und werden die Newcomer Biontech und Moderna ihre Position in den Top 20 halten können?

akn