Israel prüft Kauf Neue Corona-Pille von Pfizer als Gamechanger

Nach Merck & Co. liefert auch Pfizer Erfolgsnachrichten von einer neuen Arznei gegen Covid-19. Israel erwägt das Medikament zu kaufen, Großbritannien hat sie schon. Auch Bundesforschungsministerin Anja Karliczek hofft darauf.
"Gute Nachrichten": Israels Premierminister Naftali Bennett am Sonntag

"Gute Nachrichten": Israels Premierminister Naftali Bennett am Sonntag

Foto: Gil Cohen-Magen / AP

Israel erwägt den Kauf einer neuen Pille gegen das Coronavirus vom US-Pharmakonzern Pfizer. Ministerpräsident Naftali Bennett (49) sprach am Sonntag in der wöchentlichen Kabinettssitzung in Jerusalem von "guten Nachrichten". Er habe die Verantwortlichen angewiesen, die Sachlage gründlich zu untersuchen und "einen Erwerb für den Staat Israel zu prüfen".

Der Konzern hatte am Freitag gemeldet, dass er im Kampf gegen die Corona-Pandemie über eine wirksame Pille verfüge, die schwere Krankheitsverläufe bei Hochrisikopatienten verhindern soll. Eine Zwischenanalyse von Testergebnissen habe ergeben, dass das Medikament das Risiko von Krankenhauseinweisungen und Todesfällen bei Covid-19-Patienten um 89 Prozent senke. Wegen des Erfolgs wurde die Studie abgebrochen, um das Medikament schnellstmöglich zum Einsatz zu bringen. Noch gibt es allerdings keine Zulassung. Pfizer vertreibt zusammen mit dem deutschen Konzern Biontech auch einen der wichtigsten Impfstoffe.

Auch die geschäftsführende deutsche Bundesforschungsministerin Anja Karliczek begrüßte die jüngsten Erfolgsmeldungen aus dem Bereich von Anti-Covid-Medikamenten begrüßt. Neben der Impfung seien sichere und wirksame Therapeutika entscheidend, um die Pandemie bewältigen zu können, "insbesondere vor dem Hintergrund der akut leider wieder stark steigenden Infektionszahlen", sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. "Die Berichte von Pfizer zur Beantragung der Zulassung und Merck & Co. zur erfolgreichen Zulassung ihrer Covid-19-Medikamente sind daher gute Nachrichten für uns alle."

Zuvor hatte die britische Arzneimittelbehörde eine von den Pharmakonzernen Ridgeback Biotherapeutics und Merck & Co. entwickelte Tablette zur Behandlung von Covid-19 als erstes Land der Welt zugelassen. Das antivirale Mittel sei sicher und effektiv bei der Verminderung des Risikos von Krankenhauseinweisungen und Todesfällen bei Covid-Patienten mit milden und mittelschweren Verläufen, hieß es in einer Mitteilung der britischen Regierung.

Noch Ende November oder Anfang Dezember werde der Einsatz des Merck-Mittels in einem Versuch gestartet, erklärte am Sonntag Susan Hopkins, die medizinische Chefberaterin der britischen Arzneimittelbehörde. Gegenüber dem Fernsehsender BBC sprach Hopkins von "großartigen Neuigkeiten". Das Vereinigte Königreich hat sich nach Angaben vom Oktober genug Tabletten für 480.000 Behandlungen mit dem Merck-Mittel gesichert und 250.000 von Pfizer. Dessen Zulassung sei aber vermutlich erst Anfang 2022 zu erwarten. Die bisherigen Studien seien nur unter Ungeimpften durchgeführt worden, erklärte Hopkins. Eine neue Studie solle daher erhellen, wie die Arznei auch Patienten helfen kann, die trotz Impfung an Covid-19 erkranken.

Sowohl Israel als auch Großbritannien hatten schneller als andere Länder mit der Impfkampagne begonnen, bislang aber nur 70 bis 75 Prozent der Bevölkerung mit dem vollen Impfschutz erreicht. Da die meisten dort seit mehr als einem halben Jahr geimpft sind, zeigte sich das Problem des nachlassenden Impfschutzes vor allem unter Älteren dort früher. Beide Staaten sind nun auch Vorreiter bei Booster-Impfungen: Fast 43 Prozent der 9,4 Millionen Einwohner Israels sind inzwischen dreifach geimpft. Israel ist es bislang gelungen, die vierte Corona-Welle ohne neuen Lockdown zu überstehen.

ak/DPA, Reuters
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