Zwischenanalyse Nur 47 Prozent Wirksamkeit – Curevac-Impfstoff verfehlt Erfolgskriterien

Der mRNA-Impfstoff der Tübinger Firma galt als Hoffnungsträger. Doch gegen die mutierten Virenstämme erreicht er weniger Wirkung als erhofft. Der Aktienkurs bricht ein.
Risikantes Geschäft: Forscher bei Curevac

Risikantes Geschäft: Forscher bei Curevac

Foto: Andreas Körner

Rückschlag für einen Hoffnungsträger der Impfkampagne in Deutschland: Der Corona-Impfstoffkandidat CVnCoV hat bei einer zweiten Zwischenanalyse die statistischen Ziele verfehlt. Das teilte das Tübinger Unternehmen in der Nacht auf Donnerstag in einer Pflichtmitteilung mit. "In einer bislang beispiellosen Umgebung mit mindestens 13 Varianten innerhalb der untersuchten Teilmenge der Studienteilnehmer in dieser Zwischenanalyse erzielte CVnCoV eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent gegen eine Covid-19-Erkrankung jeglichen Schweregrades und erreichte damit nicht die vorgegebenen statistischen Erfolgskriterien." Die in den USA gehandelte Curevac-Aktie notierte am Donnerstag kurz vor Handelsbeginn in den USA mit rund 47 Prozent in der Verlustzone.

Curevac-Chef Franz-Werner Haas (51) und sein Vorgänger, der Curevac-Gründer Ingmar Hoerr (53), hatten Investoren und Öffentlichkeit zuletzt immer wieder vertrösten müssen. Während Konkurrenten wie Biontech oder Moderna, deren Produkte ebenfalls auf der mRNA-Technik beruhen, längst am Markt sind, konnte Curevac bislang nicht einmal die notwendige Studie für eine Zulassung abschließen. Die jetzt vorgelegten Zwischenergebnisse sind teil des Studiendesigns.

Curevac hat die Studie gemeinsam mit Bayer in zehn Ländern durchgeführt. Basis waren rund 40.000 Probanden. In das nun vorgelegte zweite Zwischenergebnis gingen die Daten von 134 Probanden ein – solch kleine Zahlen sind typisch in den Studiendesigns. Ein Problem: Durch die schnelle Mutation der Virenstämme sei die ursprüngliche Virusvariante kaum noch vorhanden, so das Unternehmen. Erste Analysen hätten gezeigt, dass die Wirksamkeit von der untersuchten Altersgruppe und den Virusstämmen abhänge, hieß es weiter.

Studie wird dennoch fortgesetzt

"Wir hatten auf stärkere Ergebnisse in der Zwischenanalyse gehofft, haben aber gesehen, dass es bei dieser beispiellosen Bandbreite an Varianten eine Herausforderung darstellt, eine hohe Wirksamkeit zu erzielen", sagte Haas. Er will die Studie trotzdem bis zur finalen Analyse fortsetzen. "Die endgültige Wirksamkeit könnte sich noch verändern", so der Vorstandschef. "Aufgrund der variantenreichen Umgebung zeigt sich darüber hinaus, dass die Entwicklung von Impfstoffen der zweiten Generation sehr wichtig ist, da immer neue Varianten auftreten."

Curevac hat die Daten an die europäische Zulassungsbehörde EMA übermittelt. Das Data Safety Monitoring Board (DSMB) habe ein gutes Sicherheitsprofil bestätigt, so das Unternehmen. Eine erste Zwischenanalyse hatte keine Sicherheitsbedenken festgestellt.

Zuletzt war Curevac wegen der Verzögerungen in die Kritik geraten. Die Europäische Union hatte sich ursprünglich bis zu 405 Millionen Dosen des Impfstoffs gesichert, die Bundesrepublik hatte sich sogar als Investor an Curevac beteiligt. In Deutschland gab das Gesundheitsministerium allerdings bekannt, das mögliche Mittel werde erst nach der Zulassung in die Planung für die Impfkampagne aufgenommen. In diesem Quartal habe man die vorgesehene Lieferung von 1,4 Millionen Impfdosen gestrichen.

la, lhy/Reuters, dpa-afx