Schweizer Pharmakonzern Novartis bringt Generikasparte Sandoz an die Börse

Bereits im vergangenen Jahr hatte Novartis-Chef Vasant Narasimhan das Geschäft mit den Nachahmermedikamenten auf den Prüfstand gestellt. Nun ist eine Entscheidung gefallen: Sandoz soll im kommenden Jahr in der Schweiz aufs Parkett.
Will sich lieber auf das lukrative Geschäft mit geschützten Medikamenten konzentrieren: Novartis-Chef Vasant Narasimhan

Will sich lieber auf das lukrative Geschäft mit geschützten Medikamenten konzentrieren: Novartis-Chef Vasant Narasimhan

Foto: REUTERS

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat eine Entscheidung über die Zukunft seines Geschäfts mit Nachahmermedikamenten getroffen. Die Generikasparte Sandoz soll abgespalten und im zweiten Halbjahr als eigenständiges Unternehmen mit Sitz in der Schweiz an die Schweizer Börse SIX gebracht werden, teilte der Arzneimittelhersteller aus Basel am Donnerstag mit. In den USA sollen zudem American Depositary Receipts (ADS) gelistet werden.

Der Konzern treibt damit die Ausrichtung auf das lukrative Geschäft mit patentgeschützten Medikamenten voran. "Die Abspaltung von Sandoz würde die Strategie von Novartis weiter unterstützen, ein auf innovative Arzneimittel fokussiertes Unternehmen mit fundierten Kompetenzen in fünf zentralen Therapiebereichen und Stärke auf dem Gebiet der Technologieplattformen aufzubauen", erklärte Konzernchef Vasant Narasimhan (45).

Sandoz ist einer der weltweit größten Hersteller von Nachahmer-Medikamenten, zudem stellt die Sparte rezeptfreie Medikamente her. Das Geschäft steht mit knapp zehn Milliarden Dollar Verkaufserlösen für etwa ein Fünftel des Novartis-Jahresumsatzes, hinkt in puncto Rentabilität dem dominierenden Geschäft mit patentgeschützten Arzneien aber hinter.

Sandoz spürt rückläufige Nachfrage bei Medikamenten

Sandoz bekam zuletzt die coronabedingt gedämpfte Nachfrage nach Arzneien merklich zu spüren. Zudem kämpft der wettbewerbsintensive Sektor seit Jahren mit Preisdruck, vor allem im weltgrößten Gesundheitsmarkt USA. Narasimhan hatte deshalb im Oktober 2021 angekündigt, alle Optionen für Sandoz zu prüfen. Dafür hatte sich der Konzernchef eine Frist bis Ende 2022 gegeben.

Diese Überprüfung habe nun ergeben, dass eine Abspaltung von Sandoz durch eine hundertprozentige Ausgliederung im besten Interesse der Aktionärinnen und Aktionäre sei, teilte Novartis weiter mit. Dadurch entstehe das größte europäische Generikaunternehmen und ein weltweit führender Anbieter von Biosimilars. Novartis wiederum werde durch den Schritt zu einem stärker fokussierten Unternehmen.

Novartis stellt derzeit das Geschäft mit den patentgeschützten Arzneien – Innovative Medicines – neu geografisch auf statt nach Therapiegebieten und richtet es stärker auf den bedeutenden US-Markt aus. Dadurch und durch weitere Änderungen sollen die allgemeinen Vertriebskosten bis 2024 um mindestens eine Milliarde Dollar gesenkt werden. Dabei sollen 8000 der weltweit rund 114.000 Stellen gestrichen werden. Novartis entstand 1995 durch die Fusion von Sandoz und Ciba-Geigy. Der Schweizer Konzern erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 51,6 Milliarden US-Dollar (51,64 Milliarden Euro).

mg/Reuters, dpa-afx
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