Moderna-Impfstoff teurer als der von Biontech Impfstoff-Disruptor Bancel verspricht "Preis unter Wert"

Die US-Biotech-Firma Moderna hat den Preis für ihren Covid-19-Impfstoff festgelegt. Das Mittel, für das sich die Schweiz gerade eine Charge sichert, wird teurer als das des deutschen Wettbewerbers Biontech.
Teilnehmerin der Phase-III-Studie von Moderna Ende Juli in Harpersville, US-Staat New York

Teilnehmerin der Phase-III-Studie von Moderna Ende Juli in Harpersville, US-Staat New York

Foto: Hans Pennink/ AP

Der US-Biotechkonzern Moderna verkauft seinen Impfstoff gegen Covid-19 teurer als der deutsche Wettbewerber Biontech. Mit verschiedenen Staaten habe das Unternehmen Liefervereinbarungen zu Preisen von 32 bis 37 Dollar pro Dosis abgeschlossen, teilte das Unternehmen aus Boston mit.

Beide zählen neben einer Ausgründung der Universität Oxford, die mit dem britischen Pharmariesen Astra Zeneca kooperiert, zu den am weitesten fortgeschrittenen Projekten von weit über 100 verschiedenen Entwicklungen eines Impfstoffs, mit dem die Hoffnung auf ein Ende der Corona-Pandemie verbunden ist. Zugelassen ist noch keines der Mittel, aber da sich die klinische Prüfung in die letzte Phase begibt und viele Staaten schon vorab Chargen gegen hohe Zahlungen sichern, rückt die Preispolitik der Pharmafirmen in den Mittelpunkt.

"Wir werden uns verantwortlich verhalten mit einem Preis weit unter Wert während der Pandemie", erklärte Moderna-Chef Stéphane Bancel (48) in einer Telefonkonferenz. Er fügte an, dass Verträge über größere Liefermengen zu einem niedrigeren Preis geschlossen würden.

Im Juli hatten die USA sich mit Biontech und dessen Partner Pfizer auf einen Liefervertrag über ausreichend Impfstoffdosen für 50 Millionen Amerikaner geeinigt. Dabei kostet eine Impfung 40 Dollar pro Person. Die Impfung von Moderna würde, da zwei Impfstoffdosen nötig sind, 64 bis 74 Dollar pro Person kosten.

Schweiz und Kanada greifen bei Moderna zu

Moderna befindet sich in Gesprächen mit mehreren Ländern über Liefervereinbarungen für seinen potenziellen Coronavirus-Impfstoff. Das Unternehmen habe bereits Vorauszahlungen über rund 400 Millionen Dollar dafür erhalten, teilte Moderna mit. Der Impfstoffkandidat von Moderna ist einer der wenigen, die sich bereits in der Endphase der klinischen Entwicklung befinden. In der vergangenen Woche hatte die Firma eine entscheidende Wirksamkeitsstudie mit rund 30.000 Menschen gestartet.

Von der US-Regierung hatte Moderna fast eine Milliarde Dollar für eine Beschleunigung der Entwicklung erhalten. Bislang hat das Unternehmen noch nicht ein einziges Medikament auf den Markt gebracht. Die sowohl von Moderna als auch den deutschen Start-ups Biontech und Curevac verfolgte mRNA-Technik gilt als vielversprechend, aber experimentell. Bislang ist weltweit kein derartiger Impfstoff zugelassen, daher existiert auch kein erprobtes Verfahren.

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Die Schweiz steht einem Behördenvertreter zufolge kurz davor, sich Zugang zu dem von Moderna entwickelten Coronavirus-Impfstoff zu sichern. "Der Vertrag für einen Vorverkauf wird in ein paar Stunden unterschrieben", sagt Pascal Strupler, Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG) Dienstagnacht im Schweizer TV. "Und mit diesem Vertrag werden wir ihn sehr schnell bekommen." Details der geplanten Vereinbarung nennt er nicht. Falls der Impfstoff zugelassen wird, könnte er in der Schweiz hergestellt werden: Der Pharmazulieferer Lonza soll ihn produzieren. Auch Kanada verkündete am Mittwoch separate Deals mit Moderna und Biontech.

ak/Reuters
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