Zweites Corona-Vakzin EU lässt Moderna-Impfstoff zu

Nach dem Impfstoff von Biontech und Pfizer wird nun auch das Produkt von Moderna in der EU zugelassen. Bereits in der kommenden Woche sollen erste Lieferungen des Vakzins in Deutschland ankommen.
Gefragtes Vakzin: Die europäischen Länder warten dringend auf einen weiteren Corona-Impfstoff - nun wird er wohl bald ausgeliefert

Gefragtes Vakzin: Die europäischen Länder warten dringend auf einen weiteren Corona-Impfstoff - nun wird er wohl bald ausgeliefert

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Meg Mclaughlin / imago images/ZUMA Wire

Die Europäische Union hat einen zweiten Corona-Impfstoff zugelassen. Die Europäische Kommission erteilte am Mittwochnachmittag die Zulassung für das Vakzin des US-Biotechkonzerns Moderna, nachdem die Arzneimittelbehörde EMA grünes Licht gegeben hatte. Die Aktie  des Unternehmens stieg im frühen Handel an der Wall Street um 3 Prozent, ebenso wie die von Wettbewerber Biontech, dessen Impfstoff bereits seit Dezember im Einsatz ist.

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA empfahl eine bedingte Zulassung zur Prävention von Covid-19 bei Menschen ab 18 Jahren. "Mit dem Moderna-Impfstoff werden wir zusätzliche 160 Millionen Dosen bekommen", erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (62). "Und weitere Impfstoffe werden kommen." Nach dem Mittel von Biontech und Pfizer wird es der zweite in der Europäischen Union zugelassene Covid-19-Impfstoff. In Deutschland soll es die Lieferung der ersten Moderna-Dosen voraussichtlich in der kommenden Woche geben, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) in Berlin ankündigte.

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Die USA hatten bereits vor Weihnachten eine Notfallgenehmigung für den Moderna-Impfstoff erteilt. Auch in Kanada und Israel wurde er zugelassen. Im Gegensatz zum Vakzin von Biontech benötigt er keine ultrakalte Lagerung und könnte damit einfacher ausgeliefert werden.

Kurz vor Weihnachten hatte die EMA mit dem Mittel von Biontech und Pfizer erstmals grünes Licht für die Anwendung eines Impfstoffs gegen das neuartige Coronavirus gegeben. Die Kommission formalisierte daraufhin dessen bedingte Zulassung innerhalb weniger Stunden. Kurz nach den Feiertagen starteten in den EU-Ländern die ersten Impfungen, inzwischen sind Hunderttausende EU-Bürger geimpft worden. Der holprige Start der Impfkampagne hatte aber für Kritik gesorgt, warum nicht mehr bestellt wurde. Bisher hat sich die EU 300 Millionen Dosen des Biontech-Impfstoffes gesichert.

Moderna hat Produktionsprognose erhöht

Bei Moderna hat die Europäische Union zunächst 80 Millionen Dosen bestellt mit der Option zum Kauf weiterer 80 Millionen Dosen. Deutschland rechnet in den ersten Wochen mit mindestens 1,5 Millionen Dosen davon. Insgesamt hat sich Deutschland über die EU 50 Millionen Impfdosen dieses Herstellers gesichert. Der Grund dafür, dass Deutschland so viele Impfdosen bekommen, liege darin, dass einige EU-Staaten keinen Impfstoff von dieser Firma beziehen wollten und deshalb der deutsche Anteil größer werde.

Anfang der Woche hatte Moderna seine Produktionsprognose für dieses Jahr angehoben und geht nun davon aus, mindestens 600 Millionen Dosen statt 500 Millionen herstellen zu können. Moderna investiere weiter und stelle zusätzliches Personal ein, um potenziell bis zu eine Milliarde Dosen herstellen zu können.

Das 2010 gegründete Unternehmen hatte im Frühjahr die erste Corona-Impfstoffstudie in den USA gestartet. Die Wirksamkeit des Moderna-Impfstoffs liegt nach der abschließenden Analyse der zulassungsrelevanten Studie bei 94,5 Prozent. Biontech und Pfizer hatten die Wirksamkeit ihres Vakzins auf 95 Prozent beziffert. Beide Impfstoffe basieren auf einer neuen Technologie, der sogenannten Boten-RNA (mRNA), die den menschlichen Zellen die Information zur Produktion von Proteinen und damit zur Bekämpfung der Krankheitserreger vermitteln soll.

Die EMA-Experten hatten bereits seit November die Daten des Herstellers nach dem sogenannten Rolling-Review-Verfahren bewertet. Danach werden bereits Ergebnisse der Studien geprüft, noch bevor ein Zulassungsantrag eingereicht ist. Das Verfahren sei viel schneller, aber genauso sorgfältig, betonte die EMA. Bei einer bedingten Zulassung ist der Hersteller verpflichtet, auch danach noch Daten etwa zur Langzeitwirkung an die EMA zu übermitteln.

mg, ak/Reuters, DPA
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