Milliardenerlöse erwartet Impfstoff-Boom beschert Moderna erstmals Quartalsgewinn

Moderna schreibt dank seines Corona-Vakzins zum ersten Mal schwarze Zahlen. Die Erlöse werden weiter deutlich steigen, versichert der US-Impfstoffhersteller. Aus zwei Gründen fällt die Aktie dennoch.
Produktion auf Hochtouren: Moderna will im laufenden Jahr bis zu eine Milliarde Impfstoffdosen produzieren, im kommenden Jahr sollen es drei Milliarden sein

Produktion auf Hochtouren: Moderna will im laufenden Jahr bis zu eine Milliarde Impfstoffdosen produzieren, im kommenden Jahr sollen es drei Milliarden sein

Foto: GUILLAUME SOUVANT / AFP

Der US-Impfstoffhersteller Moderna hat im ersten Quartal unter dem Strich 1,2 Milliarden Dollar (1,0 Milliarden Euro) verdient, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Vor einem Jahr hatten hohe Forschungs- und Entwicklungskosten noch für einen Verlust von 124 Millionen Dollar gesorgt. Der Umsatz schoss von acht Millionen auf 1,9 Milliarden Dollar in die Höhe. Davon entfielen 1,7 Milliarden Dollar auf Einnahmen durch Corona-Impfstoff.

Im laufenden Geschäftsjahr rechnet Moderna auf Basis seiner bereits getroffenen Verkaufsvereinbarungen mit Erlösen von 19,2 Milliarden Dollar. Damit hob das Unternehmen seine bisherige Prognose deutlich an, vor drei Monaten hatte Moderna mit 18,4 Milliarden Dollar gerechnet. Zum Vergleich: Der große US-Rivale Pfizer geht bei seinem gemeinsam mit der deutschen Biontech entwickelten Corona-Vakzin von einem jährlichen Umsatz von rund 26 Milliarden Dollar aus.

"Gespräche mit neuen Regierungen in Asien, dem Nahen Osten, Afrika und Lateinamerika lassen uns glauben, dass unsere gesamten Vorabkaufverträge für 2022 höher sein sollten als die von 2021," sagte Konzernchef Stephane Bancel (48). In diesem Jahr will Moderna 800 Millionen bis eine Milliarde Impfstoffdosen produzieren, im kommenden Jahr dann drei Milliarden. Der Konzern hofft auf eine Zulassung des Vakzins für die Verwendung auch bei Kindern. Eine Studie mit Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren habe eine Wirksamkeit von 96 Prozent ergeben.

Anleger reagierten trotz der starken Zuwächse negativ und ließen die Aktie von Moderna  vorbörslich fallen. Während der Gewinn die Erwartungen übertraf, hatten Analysten beim Umsatz mit etwas mehr gerechnet.

Moderna und andere Hersteller von Corona-Vakzinen waren am Vortag bereits heftig an der Börse unter Druck geraten, nachdem die US-Regierung erklärte, zur Eindämmung der Pandemie eine Initiative zur Patentaussetzung zu unterstützen. Am Donnerstagvormittag erklärte Kommissionschefin Ursula von der Leyen, die EU sei bereit, den Vorstoß der USA unter bestimmten Bedingungen zu unterstützen, knüpfte allerdings auch Forderungen daran. Die Aktien der Wettbewerber Biontech , Curevac  und Novavax  litten auch am Donnerstag erheblich unter Verkaufsdruck. Die Vakzine von Curevac und Novavax sind noch nicht zugelassen.

Die US-Handelsbeauftragte Katherine Tai hatte gesagt, die USA stünden zwar hinter dem Schutz geistigen Eigentums, die Pandemie sei aber eine globale Krise, die außerordentliche Schritte erfordere. Mehr als 100 WTO-Mitgliedsländer wollen die Patente für die Impfstoffe aussetzen, damit diese von mehr Firmen in mehr Staaten hergestellt werden können. Allerdings dürfte ein solches Vorhaben nicht einfach werden. Tai selbst warnte, wegen des Konsensprinzips der WTO und der Komplexität der Materie könnte ein Abkommen zeitaufwendig werden.

Moderna wurde 2010 in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts gegründet und war Ende 2018 an die Börse gegangen. Obwohl das Biotech-Unternehmen im vergangenen Jahr fast 750 Millionen Dollar Verlust machte und jetzt erst seinen ersten Quartalsgewinn verbuchen konnte, trieb die Aussicht auf einen lukrativen Impfstoff-Boom die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten um über 200 Prozent nach oben. Zuletzt ließ die Euphorie der Anleger aber wieder deutlich nach, in den letzten drei Monaten fiel der Kurs um sechs Prozent.

rei/dpa-afx/Reuters
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