Doppelte Produktivität Merck will bei Arzneien das Tempo erhöhen

Der Pharmakonzern Merck möchte bei der Entwicklung neuer Medikamente schneller werden. Vorstandschefin Belén Garijo gibt eine Verdoppelung der Produktivität im Bereich Forschung und Entwicklung als Ziel aus.
Mehr Tempo: Merck-Chefin Belén Garijo

Mehr Tempo: Merck-Chefin Belén Garijo

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Der Darmstädter Merck-Konzern will bei der Entwicklung neuer Medikamente schneller vorankommen. Die Produktivität der Forschung und Entwicklung in den Bereichen Onkologie, Neurologie und Immunologie soll sich verdoppeln, wie der Pharma- und Technologiekonzern am Montag anlässlich eines Updates zur Forschungs- und Entwicklungsstrategie seines Pharmageschäfts mitteilte.

Ziel sei es, im Durchschnitt alle eineinhalb Jahre ein neues Medikament oder eine wichtige neue Anwendung für ein bestehendes Produkt einzuführen. "Wir wollen mehr Medikamente schneller zu mehr Patienten bringen", sagte Medizinchef Danny Bar-Zohar vor Investoren. Dabei wolle Merck zunehmend auch auf Innovationen von außerhalb zurückgreifen.

Das Ziel, alle eineinhalb Jahre ein neues Medikament oder eine neue Indikation einzuführen, hinkt allerdings hinter den Ambitionen von Ex-Merck-Chef Stefan Oschmann (65) zurück. Er hatte dem Unternehmen vorgegeben, ab 2017 jedes Jahr ein neues Medikament oder eine neue Indikation zur Zulassung bringen. Die Hessen hatten damals eine längere Durststrecke im Pharmageschäft hinter sich und konnten 2017 mit der Krebsimmuntherapie Bavencio und dem Multiple-Sklerose-Mittel Mavenclad erstmals seit neun Jahren wieder neue Medikamente auf den Markt bringen. Ab 2019 folgten bis heute weitere jährliche Zulassungen – sowohl bei Bavencio als auch Mavenclad sowie dem Krebsmittel Tepmetko.

Umsatzschub durch neue Medikamente

Von dem Ziel, durch neue Produkte aus der Entwicklungspipeline im Jahr 2022 einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro zu machen, musste sich Merck-Chefin Belén Garijo (62), die im Mai 2021 das Ruder von Oschmann übernahm, allerdings im vergangenen Jahr verabschieden. Denn die Coronapandemie bremste die Markteinführung neuer Produkte. Der Konzern erkärte am Montag jedoch, dass Bavencio, Mavenclad und Tepmetko dazu beitragen werden, wie geplant bis 2025 einen Konzernumsatz von insgesamt 25 Milliarden Euro zu erreichen.

Zusätzlichen Schub erhofft sich Merck vor allem von dem Krebsmittel Xevinapant und dem Wirkstoff Evobrutinib zur Behandlung schubförmiger Multipler Sklerose, die sich gegenwärtig in der dritten und damit entscheidenden Phase der klinischen Entwicklung befinden. Die neuen Medikamente, die Merck auf den Markt bringen will, sollen einen zusätzlichen Umsatz in der Größenordnung von Mavenclad – das 2021 gut 690 Millionen Euro einbrachte – oder darüber hinaus erzielen.

Konzernchefin Garijo will sich jedoch nicht nur auf Entwicklungen aus den eigenen Laboren verlassen: Mehr als 50 Prozent der künftigen Markteinführungen sollen aus externen Entwicklungskooperationen und der Einlizenzierung von Wirkstoffen stammen.

hr/dpa,reuters
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