Bestandteil für Impfstoff Merck beschleunigt Lipidproduktion für Biontech-Impfstoff

Der Dax-Konzern Merck hilft, die Produktion des Biontech-Impfstoffs auf Touren zu bringen. Der Lieferant der Fetthülle für den Wirkstoff will die Produktion stark erhöhen. Den indischen Markt indes geben Biontech und Pfizer vorerst auf.
Ohne Lipide geht es nicht: Eine Art Fetthülle schützt die Boten-RNA (mRNA) des Impfstoffes

Ohne Lipide geht es nicht: Eine Art Fetthülle schützt die Boten-RNA (mRNA) des Impfstoffes

Foto: DIEGO AZUBEL/EPA-EFE/Shutterstock

Der deutsche Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck will bis Ende des Jahres die Liefermenge für Lipide zur Herstellung des Covid-19-Impfstoffs des Biotechunternehmens Biontech "erheblich" steigern, teilte Merck am Freitag mit. Auf die Zahl der Impfdosen, die Biontech und sein Partner Pfizer in diesem Jahr herstellen wollen, hat das aber keine Auswirkung. Biontech wies darauf hin, dass die Lieferung zum Ende des Jahres erhöht wird und das im Produktionsziel von zwei Milliarden Impfdosen in diesem Jahr bereits eingeplant ist.

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Lipide sind ein essenzieller Bestandteil von mRNA-Impfstoffen wie dem von Biontech. Die Boten-RNA (mRNA), die dem Körper die Informationen zur Herstellung des Antigens überträgt, wird bei der Impfstoffproduktion mit bestimmten Fettstoffen (Lipiden) umhüllt. Sie schützen die mRNA vor dem Abbau und tragen dazu bei, dass sie die Zellen erreicht. In dem Covid-19-Impfstoff von Biontech sind vier verschiedene Lipide enthalten, darunter Cholesterin.

Merck - nach eigenen Angaben ein weltweit führender Anbieter von Lipiden - arbeitet schon seit Wochen daran, seine Produktionskapazitäten für die Fettstoffe weiter auszubauen. "Wir machen alles, was menschenmöglich ist, um unsere Kapazität in dem Bereich auszuweiten", sagte Merck-Chef Stefan Oschmann (63). Ziel sei es, dass Merck dadurch viel früher als ursprünglich geplant liefern könne. Weltweit unterstützt der hessische Konzern mehr als 50 Covid-19-Impfstoffprojekte mit Produkten wie Filter, Bioreaktoren und Zellkulturmedien. Merck erwägt auch, für Biontech einzelne Prozessschritte zu übernehmen, etwa die Abfüllung und die Verpackung. Ob dazu aber bereits eine Entscheidung gefallen ist, wollte Oschmann nicht sagen.

Biotech-Partner Pfizer zieht Antrag auf Zulassung in Indien zurück

In Indien indes kommen Biotech und Pfizer mit ihrem Impfstoff weiter nicht zum Zuge. Pfizer hat hier seinen Antrag auf eine Notfallzulassung zurückgezogen, teilte der Konzern am Freitag mit. Zwar hatte Pfizer die Zulassung vor Astrazeneca beantragt, doch erhielt der schwedisch-britische Pharmakonzern bereits im Januar grünes Licht für sein Vakzin, das er quasi umsonst an Indien abgibt. Das Serum Institute of India, einer der weltgrößten Impfstoffhersteller, fertigt den Impfstoff milliardenfach mit einer Lizenz von Astrazeneca und versorgt von Indien aus mehrere Länder mit niedrigen bis mittleren Einkommen. Zudem verfügt Indien über einen zweiten, mit eigenen Experten entwickelten und zugleich günstigeren Impfstoff der staatlich geförderten Firma Bharat Biotech.

Während Astrazeneca und einige weitere große Pharmakonzerne sich verpflichtet haben, mit dem Impfstoff während der Corona-Pandemie keinen Gewinn zu erzielen, peilt Pfizer für dieses Jahr eine Gewinnmarge von mehr als 25 Prozent auf Erlöse von 15 Milliarden Dollar an. Biontech hat keine Prognose veröffentlicht, die Erlöse werden von den beiden Partnern aber hälftig geteilt. Der Großteil der Produktion ist von reichen Staaten zu hohen Preisen reserviert. Erst Ende Januar einigten sich Biontech und Pfizer mit der globalen Impfstoffinitiative Covax, in einem ersten Schritt immerhin 40 Millionen Impfdosen zur Verfügung zu stellen.

Ein zweiter Grund für den Rückzug von Pfizer ist, dass der US-Konzern als Voraussetzung für eine Zulassung eine lokale Studie vor Ort für Inder ablehnt. Indiens Gesundheitsbehörden bestehen in der Regel auf solchen Tests, um festzustellen, ob ein Impfstoff sicher ist und eine Immunreaktion bei ihren Bürgern hervorruft, deren genetischer Aufbau sich von dem der Menschen in westlichen Nationen unterscheiden kann. Biontech und Pfizer lehnen dies unter Verweis auf die in einer globalen Studie nachgewiesene Wirksamkeit ihres Impfstoffes ab.

rei/Reuters
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