Kurz vor Impfgipfel Biontech will 75 Millionen Impfdosen mehr liefern

Europa darf hoffen: Nach Astrazeneca stellt auch Biontech mehr Impfdosen in Aussicht. Dennoch warnt die Pharmaindustrie vor dem Impfgipfel heute vor zu hohen Erwartungen.
Mehr Impfstoff: Biontech könnte im im zweiten Quartal 75 Millionen mehr Dosen liefern, Astrazeneca stockt immerhin seine stark reduzierte Zusage für das laufende Quartal etwas auf

Mehr Impfstoff: Biontech könnte im im zweiten Quartal 75 Millionen mehr Dosen liefern, Astrazeneca stockt immerhin seine stark reduzierte Zusage für das laufende Quartal etwas auf

Foto: Dado Ruvic/ REUTERS

Der Impfstoffhersteller Biontech kann nach eigenen Angaben im zweiten Quartal möglicherweise bis zu 75 Millionen zusätzliche Dosen seines Vakzins an die Europäische Union ausliefern. Das teilte das Mainzer Unternehmen am Montagmorgen mit - wenige Stunden vor dem Impfgipfel von Bund und Ländern.

"Wir arbeiten weiterhin an der Erhöhung der Lieferungen ab der Woche vom 15. Februar, um die vertraglich festgelegte Lieferung der vollen Menge an Impfstoffdosen im ersten Quartal sicherzustellen", wird Biontech-Finanzvorstand Sierk Poetting in der Mitteilung zitiert. "Außerdem könnten wir im zweiten Quartal bis zu 75 Millionen Dosen mehr an die Europäische Union ausliefern." Davon entfallen gemäß dem geltenden EU-Verteilungsschlüssel 18,6 Prozent auf Deutschland. Die Bundesrepublik kann also mit zusätzlichen 13,95 Millionen Impfdosen rechnen.

Auch der mit der EU im Clinch liegende Hersteller Astrazeneca will mehr Impfdosen gegen das Coronavirus liefern. Es kämen im ersten Quartal neun Millionen Dosen hinzu, also insgesamt 40 Millionen Dosen, teilte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen (62) am Sonntagabend nach einem Gespräch mit Astrazeneca-Chef Pascal Soriot (61) mit. Das ist die Hälfte der ursprünglich anvisierten Menge von 80 Millionen Dosen für die Europäische Union. Die EU hat insgesamt 400 Millionen Impfdosen geordert.

Politik und Pharmaindustrie warnen vor zu hohen Erwartungen

Weil die Kritik am schleppenden Impfstart, den Lieferschwierigkeiten einzelner Hersteller und den Problemen bei der Terminvergabe nicht abreißt, will Kanzlerin Angela Merkel (66, CDU) an diesem Montag mit den Ministerpräsidenten, Bundesministern und Vertretern der Pharmabranche über die Lage beraten. Zahlreiche Politiker und Verbandsvertreter haben mehr Klarheit über Zeitpläne, Prioritäten für Bevölkerungsgruppen und verfügbare Impfstoffe gefordert. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (56, SPD) plädierte in einem Brief an Merkel für einen nationalen Impfplan.

Gesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) warnte vor übertriebenen Erwartungen: "Wir können durch einen Gipfel alleine noch nicht mehr Impfstoffe produzieren", sagte er am Sonntagabend in der Talkshow "Die richtigen Fragen" auf Bild live. Wichtig sei, dass man zunächst ein einheitliches Bild bekomme, wo die Schwierigkeiten lägen. Die Bundesregierung könne den Ländern auch nur die Lieferdaten und -mengen nennen, die sie von den Herstellern bekomme.

Ins gleiche Horn Horn stieß der Verband der deutschen Pharma-Unternehmen. "Eine Impfstoff-Fabrik ist kein Bücherregal aus dem Möbelhaus, das man schnell aufbauen kann", sagte der Präsident des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller, Han Steutel , dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Montag). "Wäre es so, hätten wir es doch längst gemacht." Für die komplexe Herstellung von Impfstoffen seien geeignete Produktionsanlagen und qualifiziertes Personal nötig.

Die Linksfraktion im Bundestag forderte die Bundesregierung dagegen auf, den Druck auf die Hersteller zu erhöhen. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dürfe die Lage nicht länger beschönigen, sagte Fraktionschef Dietmar Bartsch dem RND. Wenn die Firmen Sanofi und Novartis den Biontech -Impfstoff abfüllen könnten, müsse die Bundesregierung auch andere Hersteller dazu bringen und befähigen.

rei/dpa-afx
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