Studien für Krebstherapien Tübinger Biotech-Firma Immatics mit Kurssprung

Das Tübinger Biotech-Unternehmen Immatics hat im Sommer per Spac-Deal den Sprung an die Nasdaq geschafft. Nun sorgen Ergebnisse einer Phase-1-Studie für einen Kurssprung. Zu den Geldgebern von Immatics zählen die Brüder Strüngmann und Dietmar Hopp.
Immatics-Chef Harpreet Singh: "Erfreuliche Ergebnisse"

Immatics-Chef Harpreet Singh: "Erfreuliche Ergebnisse"

Foto: Sebastian Berger

Das Tübinger Biotech-Unternehmen Immatics , das sich auf die Entwicklung und Herstellung von T-Zell-basierten Immuntherapien für die Behandlung von Krebs fokussiert, hat am Mittwoch ermutigende Studiendaten bekanntgegeben. Die an der Nasdaq notierte Aktie legte daraufhin um rund 30 Prozent zu, die Aktie kletterte zeitweise bis auf 14 US-Dollar.

In den klinischen Studien werden die adoptiven Zelltherapien von Immatics mit genetisch veränderten patienteneigenen T-Zellen untersucht. Bei dem so genannten ACTengine Ansatz werden körpereigene weiße Blutkörperchen des Patienten (T-Zellen) genetisch so verändert, dass sie einen neuartigen T-Zellrezeptor (TCR) exprimieren, der gegen eine bestimmte Tumorzielstruktur gerichtet ist. Dieser Ansatz wird auch TCR-T genannt.

"Der Fokus dieser ersten Analyse lag auf der Untersuchung der Sicherheit und initialen biologischen Aktivität. Daher unterstreichen diese ersten, eher unerwarteten Ergebnisse zur Anti-Tumorwirkung das therapeutische Potenzial unserer ACTengine Plattform", sagte Harpreet Singh, CEO von Immatics.

Singh hat sein auf neuartige Krebstherapien spezialisiertes Unternehmen im Juli 2020 an die Nasdaq gebracht. Mit einem Spac-Deal sammelte er 253 Millionen Dollar frisches Kapital ein – Rekordwert für ein deutsches Biotech. Hinter der vor mehr als 20 Jahren am Institut für Immunologie der Universität Tübingen gegründeten Firma stehen die großen Mäzene der Branche – sowohl Dietmar Hopp als auch die Strüngmann-Brüder sind mit großen Anteilen investiert.

Zelltherapien gegen Krebs

So gut durchfinanziert treibt das 250köpfige Immatics-Team derzeit drei klinische Studien mit Zelltherapien gegen Krebs voran. Zwei weitere sollen dieses Jahr hinzukommen. CEO Singh beschreibt die gerade veröffentlichten Ergebnisse der Phase 1a-Studie als "extrem erfreulich". Normalerweise gehe es in einer so frühen Untersuchung nur um die Verträglichkeit eines Mittels. Deshalb werde nur eine winzige Menge des Wirkstoffs verabreicht, von der normalerweise keine klinische Wirksamkeit erwartet wird.

Im aktuellen Fall hätten sich die Abwehrzellen aber sehr stark im Blut der Patienten vermehrt und seien auch gezielt in deren Tumore eingedrungen. Zu seiner Überraschung habe sich dabei trotz der minimalen Dosierung eine therapeutische Wirkung gezeigt. Bei den 10 Patienten, von denen ältere CT-Scans zum Vergleich vorlagen, habe sich der Tumor stabilisiert. Bei 8 schrumpfte er um 10 Prozent, bei zweien sogar um 30 Prozent. "Es sind noch frühe Stunden für diese Therapie, aber sie sind vielversprechend, dass auch kleine Dosen klinische Effekte haben", erklärt der CEO.

Immatics hat sich auf die Behandlung von soliden Tumoren spezialisiert, die etwa 80 Prozent aller Krebserkrankungen ausmachen. Gerade für fortgeschrittene Stadien gibt es derzeit noch wenig Behandlungsmöglichkeiten. Nun könnte sich die jahrzehntelange Forschung auszahlen, in denen systematisch 400 Millionen Ansatzpunkte untersucht wurden, mit denen Abwehrzellen Tumore angreifen könnten. Derzeit arbeitet Immatics mit den dabei identifizierten 200 hochrelevanten Zielstrukturen.

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