Kritik bei Hauptversammlung Fresenius leidet nicht nur unter der Pandemie

Viel Kritik hat die virtuelle Hauptversammlung von Fresenius begleitet. Dem Gesundheitskonzern und seinem Vorstandschef Stephan Sturm werden eine mangelhafte Kommunikation rund um mögliche Verkäufe oder Teilverkäufe sowie eine unklare Strategie vorgeworfen.
In der Kritik: Fresenius-Chef Stephan Sturm

In der Kritik: Fresenius-Chef Stephan Sturm

Foto: Ralph Orlowski/ REUTERS

Der Medizin- und Krankenhauskonzern Fresenius hat trotz der Coronapandemie und des Ukraine-Kriegs die Ziele für das laufende Jahr bestätigt. Der Umsatz, der 2021 rund 37,5 Milliarden Euro betrug, solle währungsbereinigt im mittleren einstelligen Prozentbereich steigen, sagte der in der Kritik stehende Fresenius-Chef Stephan Sturm  (58) am Freitag auf der virtuellen Hauptversammlung des Dax-Unternehmens.

Der Konzerngewinn solle währungsbereinigt im niedrigen einstelligen Prozentbereich wachsen. Sturm bekräftigte zudem die Bereitschaft, für mögliche Großübernahmen bei der Kliniktochter Helios und der Dienstleistungssparte Vamed externe Investoren ins Boot zu holen.

Kritik am Management kam von Fondsgesellschaften. "Fresenius' öffentliche Kommunikation rund um mögliche Verkäufe oder Teilverkäufe seit Februar 2021 war nicht glücklich", sagte Cornelia Zimmermann, Spezialistin Nachhaltigkeit bei Deka Investment. Das Vertrauen des Kapitalmarktes sei dadurch gesunken und der Aktienkurs habe sehr gelitten. Zudem würden die angekündigten Optionen auf Teilverkäufe den Konzern noch komplexer machen als er es ohnehin schon ist. "Warum fokussieren Sie sich nicht erst mal auf die Restrukturierung des Kerngeschäfts, statt auf Fusionen und Akquisitionen?", fragte Zimmermann.

Fresenius hat einen Umbau angestoßen, der unter anderem ein Sparprogramm und den Abbau von 5000 Jobs bei der Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) vorsieht. Auch einen Verkauf von FMC hat Sturm nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Fresenius leidet unter der Pandemie, etwa weil Behandlungen in Kliniken ausblieben und viele Patienten bei FMC an Corona verstarben.

Über einen Zeitraum von fünf Jahren haben Fresenius-Aktien mehr als 50 Prozent Wert verloren. Die Dividende für das vergangene Geschäftsjahr steigt unterdessen um 5 Prozent auf 92 Cent je Aktie – die 29. Erhöhung bei Fresenius in Folge.

hr/dpa-afx