Verurteilte Theranos-Gründerin Das verdächtige One-Way-Ticket von Elizabeth Holmes

Im April soll Elizabeth Holmes, einst gefeierte US-Jungunternehmerin, ihre Haft antreten. Nach ihrer Verurteilung allerdings buchte sie einen Flug nach Mexiko. Ein Fluchtversuch?
Noch auf freiem Fuß: Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes soll erst im April ihre elfjährige Haftstrafe antreten

Noch auf freiem Fuß: Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes soll erst im April ihre elfjährige Haftstrafe antreten

Foto: Brittany Hosea-Small / REUTERS

Laut der US-Bundesstaatsanwaltschaft soll Elizabeth Holmes (38) nach ihrer Verurteilung einen Versuch unternommen haben, "aus dem Land zu fliehen". Das berichten die Nachrichtenagentur AP und andere Medien unter Berufung auf ein Dokument der Staatsanwaltschaft vor Gericht. Holmes hatte demnach ein einfaches Flugticket nach Mexiko für den 26. Januar des vergangenen Jahres gebucht – drei Wochen vor diesem Termin war sie von einer Jury wegen Betrugs und Verschwörung verurteilt worden.

Holmes war einst als Biotech-Pionierin des Silicon Valley gefeiert worden. Ihr Start-up Theranos versprach, Bluttests zu revolutionieren und mit nur wenigen Tropfen Blut aus dem Finger Analysen durchführen zu können, für die bislang Blut aus den Venen abgenommen werden muss. Zu ihren vielen prominenten Unterstützern zählte unter anderem Ex-Außenminister Henry Kissinger (99). Es stellte sich jedoch heraus, dass die Technologie nie verlässlich funktioniert hatte.

In ihrem Prozess hatte Holmes die Betrugsvorwürfe stets zurückgewiesen und versichert, dass sie aufrichtig an die Technologie von Theranos geglaubt habe. Sie legte Berufung gegen das Urteil ein und bat das Gericht, sie während der Berufungsverhandlung auf freiem Fuß zu lassen – und nicht, wie zuvor geurteilt, im April dieses Jahres in Haft zu schicken. Am 17. März soll über ihren Antrag auf Aufschub der Haftstrafe entschieden werden.

Staatsanwaltschaft schritt offenbar ein

Holmes soll für den Flug nach Mexiko kein Rückreise-Ticket gebucht und ihn erst storniert haben, nachdem die Staatsanwaltschaft Holmes’ Anwälte wegen des "nicht genehmigten Flugs" kontaktiert hatten, hieß es in den Medienberichten unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft. "Die Regierung geht davon aus, dass [Holmes] in ihrer Antwort darauf hinweisen wird, dass sie das Land nicht wie geplant verlassen hat – aber es ist schwierig, mit Sicherheit zu wissen, was [sie] getan hätte, wenn die Regierung nicht eingegriffen hätte", zitiert die BBC  aus dem Schreiben der Staatsanwälte.

Auf Bitten um Stellungnahmen der Nachrichtenagentur AP und anderen Medien reagierten die Anwälte den Berichten zufolge bislang nicht. AP zitiert jedoch aus einer E-Mail, die auf den 23. Januar vergangenen Jahres datiert sei. In dieser hätten die Anwälte auf die Bedenken der Staatsanwaltschaft bezüglich der geplanten Reise geantwortet, heißt es. Die Anwälte argumentieren darin laut AP, dass Holmes die Reise vor dem Urteil der Jury gebucht habe, um an einer Hochzeit in Mexiko teilzunehmen.

"In Anbetracht des Urteils hat sie nicht vor, die Reise anzutreten, und hat daher weder eine Mitteilung gemacht, noch eine Erlaubnis eingeholt, noch Zugang zu ihrem Reisepass (den die Regierung hat) für die Reise beantragt", schrieb Lance Wade, einer von Holmes’ Anwälten, laut AP.

13.000 Dollar Miete pro Monat

In dem Urteil von November 2022 war festgelegt worden, dass Holmes ihre Haftstrafe nicht vor dem 27. April dieses Jahres antreten müsse. Holmes war zum Zeitpunkt des Verfahrens schwanger und sollte die Möglichkeit bekommen, ihr Kind vor Haftantritt zur Welt zu bringen. Nach dem Urteil hatten die Staatsanwälte laut AP noch nicht gegen die Entscheidung protestiert, Holmes vor dem Haftantritt fünf Monate in Freiheit zu gewähren. Sie sollen demnach auch von keiner Fluchtgefahr berichtet haben.

Noch ist Holmes auf freiem Fuß. Laut Medienberichten, die sich auf Gerichtsdokumente berufen, soll sie aktuell rund 13.000 Dollar pro Monat für ein Anwesen zahlen, in dem sie während des Berufungsverfahrens weiter wohnen will. Entscheidet das Gericht im März im Sinne der Staatsanwaltschaft, müsste Holmes allerdings im April ihre elfjährige Haftstrafe antreten.

kko/AP
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