Auch für Sputnik V im Gespräch Dessauer Firma soll Impfstoff für Johnson & Johnson produzieren

Kleiner Lichtblick mit Aussicht auf Linderung des Impfstoffmangels: Der US-Konzern Johnson & Johnson hat mit IDT Biologika einen deutschen Parter gefunden, um den vierten zugelassenen Corona-Impfstoff zu produzieren.
Mehr Kapazität: Anlage von IDT Biologika zur Abfüllung von Corona-Impfstoffen

Mehr Kapazität: Anlage von IDT Biologika zur Abfüllung von Corona-Impfstoffen

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Der Dessauer Auftragsfertiger IDT Biologika unterstützt den US-Pharmakonzern Johnson & Johnson bei der Produktion seines Covid-19-Impfstoffs. Zur Abfüllung und Verpackung sowie den weltweiten Vertrieb des Vakzins würden ab sofort Kapazitäten genutzt, die bislang für den Dengue-Impfstoffkandidaten des japanischen Partners Takeda reserviert gewesen seien, teilte das Unternehmen am Montag mit. Der Impfstoff soll in Dessau für den weltweiten Vertrieb hergestellt werden.

Die nun für Johnson & Johnson freigestellten Kapazitäten sollen nach drei Monaten wieder für die Produktion des Dengue-Vakzins von Takeda eingesetzt werden. Die regulatorische Zulassung dieses Mittels steht noch aus. Der Impfstoff von J&J hatte in der vergangenen Woche in der Europäischen Union die bedingte Marktzulassung erhalten, von ihm reicht anders als bei den anderen zugelassenen Covid-19-Vakzinen eine Impfdosis aus.

"Die Entscheidung von Johnson & Johnson und IDT Biologika für Dessau ist ein gutes Signal für den Wirtschafts- und Pharmastandort Deutschland", erklärte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (62, CDU). "Impfstoffproduktion in Europa und am Standort Deutschland erhöht die Liefersicherheit und ist in der aktuellen Phase der Pandemie ein ganz wichtiges Signal." J&J hatte angekündigt, in der zweiten Aprilhälfte mit der Auslieferung seines Vakzins an die EU beginnen zu wollen. Allerdings hatte Reuters von einem EU-Vertreter erfahren, dass J&J mit Problemen kämpft, die die geplante Lieferung von 55 Millionen Impfdosen im zweiten Quartal erschweren könnten.

IDT hatte im Februar bereits eine Partnerschaft mit Astrazeneca angekündigt und soll den Pharmakonzern bei der Herstellung seines Corona-Impfstoffs unterstützen. Im Zuge der Zusammenarbeit soll die Impfstoffproduktion des Unternehmens in Dessau deutlich ausgebaut werden. Ab Ende 2022 könnte der Astrazeneca-Impfstoff, dessen Vergabe gerade arg holpert und vorübergehend sogar ausgesetzt wurde, in großem Stil in Dessau hergestellt werden.

Auch im Gespräch für russisches Vakzin

IDT ist auch im Gespräch für eine mögliche Herstellung des russischen Impfstoffs Sputnik V in Deutschland. Ein Sprecher von IDT sagte dazu aber, die Gespräche dauerten noch an und es gebe noch keine Vereinbarung.

Russland hat nach eigenen Angaben Vereinbarungen zur Produktion seines Corona-Impfstoffs Sputnik V in Deutschland und anderen europäischen Ländern getroffen. Das sagte der Chef des staatlichen Direktinvestmentfonds RDIF, Kirill Dmitrijew, am Montag der Agentur Interfax zufolge in Moskau, ohne aber den Namen der Unternehmen zu nennen. Vereinbarungen habe es auch mit Firmen in Frankreich, Italien und Spanien gegeben. Damit wolle man den Beginn von Lieferungen des russischen Vakzins an europäische Länder sicherstellen, wenn eine Zulassung in Europa vorliege.

Bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA läuft die Prüfung noch. Italien hatte bereits vor gut einer Woche mitgeteilt, dass von Juli an die Firma Adienne Srl. in der Lombardei Sputnik V herstellen wolle. Das Präparat ist nach russischen Angaben bereits in fast 50 Ländern zugelassen, darunter ohne EMA-Zulassung bereits in Ungarn. Der Kreml in Moskau beklagte, die EU-Registrierung von Sputnik V werde politisiert.

Eigener Impfstoff gefloppt

Alle drei Seren - Johnson & Johnson, Astrazeneca und Sputnik V - sind Vektorimpfstoffe. Dabei wird die DNA des Spike-Proteins des Coronavirus in ein unschädlich gemachtes anderes Virus geschrieben und damit in den Körper geschleust, um eine Körperabwehr dagegen hervorzurufen. Die Technik ist nicht ganz so neuartig wie die mRNA-Methode der Corona-Impfstoffhersteller Biontech und Moderna, aber auch erst seit wenigen Jahren in Impfstoffen gegen Dengue und Ebola im Einsatz.

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Foto: MENAHEM KAHANA / AFP

IDT Biologika forscht auch an einem eigenen Vektorimpfstoff in Zusammenarbeit mit den Universitäten München, Marburg und Hamburg. Der erzeugte jedoch in der klinischen Studie der Phase I nicht die erhoffte Immunreaktion, wie im Januar bekannt wurde. Die weitere klinische Erprobung wurde daher ausgesetzt. Noch im November hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40) die Firma in Dessau gemeinsam mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (67, beide CDU) besucht und 30 Millionen Euro Vorabzahlung für die Lieferung von fünf Millionen Impfdosen angekündigt. Das Geld solle beim Aufbau der Produktion helfen. Insgesamt hat der Bund dem Unternehmen 114 Millionen Euro Förderung zugesagt.

IDT Biologika gehört zur badischen Klocke-Gruppe der Brüder Carsten und Stefan Klocke, die sich auf Auftragsproduktion von Arzneimitteln spezialisiert hat. Stefan Klocke ist außerdem Investor und Vorsitzender des Beirats des Flugtaxistartups Volocopter.

ak/Reuters, dpa-afx