Corona-Impfstoff Curevac sieht sich im Zeitplan für Zulassung

Politiker fordern eine schnelle deutsche Notfallzulassung für den Impfstoff von Curevac. Die deutsche Biotech-Hoffnung bestätigt ihren Zeitplan und rechnet mit einer Zulassung im zweiten Quartal.
Bereit zur Abfüllung: Ampullen für den Curevac-Impfstoff in belgischem Werk des Pharmakonzerns Glaxosmithkline

Bereit zur Abfüllung: Ampullen für den Curevac-Impfstoff in belgischem Werk des Pharmakonzerns Glaxosmithkline

Foto: KENZO TRIBOUILLARD / AFP

Das Biotech-Unternehmen Curevac geht weiter davon aus, noch im zweiten Quartal des Jahres eine Zulassung für seinen Corona-Impfstoff zu erhalten. Die klinische Entwicklung befinde sich in der finalen Phase und die Daten für das rollierende Zulassungsverfahren durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) würden rechtzeitig erwartet, gab das Unternehmen am Donnerstag in Tübingen bekannt. Zugleich habe eine zusätzliche Studie einen vollständigen Schutz vor der zuerst in Südafrika aufgetauchte Virusvariante B.1.351 durch den Corona-Impfstoff CnCoV nachgewiesen, hieß es. Die Curevac-Aktie  stieg am Donnerstag um rund fünf Prozent auf 90 Euro.

Curevac hat einen Impfstoff der mRNA-Technik entwickelt, ähnlich wie die bereits erfolgreich eingesetzten Vakzine von Biontech und Moderna. Da die anderen gegen Covid-19 in der EU zugelassenen Seren - von Astrazeneca und Johnson & Johnson, beides sogenannte Vektorimpfstoffe mit Erkältungsviren - wegen extrem seltener, aber gefährlicher Nebenwirkungen und Produktionsproblemen die Impfkampagne aus der Spur werfen, werden die Rufe nach einem weiteren mRNA-Impfstoff als Retter lauter. SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (58) fordert eine schnelle deutsche Notfallzulassung, ohne auf die Abstimmung in der EMA zu warten.

Zunächst muss das Tübinger Unternehmen allerdings seine klinische Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit des Mittels abschließen. Zuletzt wurde die Studie noch um mehrere Aspekte erweitert, wie etwa die Wirksamkeit gegen neue Virusvarianten oder für weitere Bevölkerungsgruppen, wie Jugendliche oder Risikopatienten mit Vorerkrankungen. All das kostet Zeit, könnte Curevac aber trotz des Zeitverzugs gegenüber Biontech und Co. doch noch eine relevante Rolle verschaffen.

An Curevac ist der Bund seit dem vergangenen Jahr als Großaktionär beteiligt, die meisten Anteile gehören dem SAP-Mitgründer und Biotechinvestor Dietmar Hopp (80). Ursprünglich wollte das Unternehmen die Produktion ohne großen Pharmapartner wie Biontech mit Pfizer im Alleingang stemmen. Inzwischen haben die Tübinger aber ein großes Produktionsnetzwerk mit Partnern wie Bayer, Glaxosmithkline oder Wacker Chemie aufgebaut. Zuletzt kam noch ein großer Auftragsfertiger in Heidelberg hinzu.

In Tübingen Fabrik mit Milliardenkapazität geplant

Am Stammsitz in Tübingen baut Curevac eine eigene große Fabrik mit einer Produktionskapazität von einer Milliarden Impfdosen jährlich, ähnlich wie das bereits in Betrieb genommene Werk von Biontech in Marburg. Die Tübinger Anlage dürfte jedoch erst Mitte 2022 fertig werden.

Mehrere Staaten zeigen Interesse

Bis Ende 2021 will das Curevac bis zu 300 Millionen Dosen seines Impfstoffs herstellen, bekräftigte das Unternehmen am Donnerstag. Bis 2022 sollen es eine Milliarde Einheiten sein. "In den vergangenen Tagen verzeichnen wir vermehrt Anfragen unterschiedlichster Art", sagte ein Sprecher am Donnerstag. Es gebe Gespräche mit verschieden Seiten, etwa Regierungen oder internationale Organisationen. Mit wem genau geredet wird, blieb aber offen. Die EU hatte bereits frühzeitig 405 Millionen Impfdosen von Curevac bestellt.

Hohe Verluste in 2020

Das Unternehmen hat für das Geschäftsjahr 2020 erneut hohe Verluste verzeichnet. Vor Steuern lag das Minus bei 129,8 Millionen Euro nach 100,1 Millionen Euro 2019, wie Curevac mitteilte. Zum Ergebnis nach Steuern wurden zunächst keine Angaben gemacht. Die Verluste seien vor allem durch die hohen Kosten für Forschung und Entwicklung des Corona-Impfstoffs begründet. Zum Teil seien diese durch Fördergelder etwa des Bundes ausgeglichen worden.

Der Umsatz stieg 2020 von 17,4 Millionen Euro im Vorjahr auf 48,9 Millionen Euro. Den hohen Anstieg begründete das Unternehmen unter anderem mit der Zusammenarbeit mit dem Pharmaunternehmen Glaxosmithkline. Beide Firmen kooperieren bei Entwicklung und Vermarktung des Corona-Impfstoffs CnCoV.

Curevac hatte bereits zuvor bekannt gegeben, bis Anfang Juni mit einer EU-Zulassung für seinen Corona-Impfstoff zu rechnen. Momentan läuft eine bereits fortgeschrittene Studie mit rund 40.000 Teilnehmern zur Wirksamkeit des Impfstoffkandidaten.

ak/dpa-afx, Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.