Ergebnisse im Frühjahr Curevac startet finale Studie für Corona-Impfstoff

Nach Biontech kommt der zweite Hoffnungsträger aus der deutschen Biotechszene einem Corona-Impfstoff näher. Curevac ist allerdings noch Monate von der Zulassung entfernt: Die abschließende klinische Studie hat gerade begonnen.
Nachzügler mit Ziel im Blick: Curevac-Chef Franz-Werner Haas

Nachzügler mit Ziel im Blick: Curevac-Chef Franz-Werner Haas

Foto: Christoph Schmidt / dpa

Das Tübinger Biotechunternehmen Curevac ist auf dem Weg zur Zulassung seines Corona-Impfstoffes einen Schritt weiter. Nach Angaben des Unternehmens von Montag hat die zulassungsrelevante klinische Phase-III-Studie mit voraussichtlich mehr als 35.000 Teilnehmern in Europa und Lateinamerika begonnen. Mit ersten Ergebnissen rechnet Curevac nach Angaben eines Sprechers Ende des ersten Quartals 2021. Curevac-Chef Franz-Werner Haas (50) sprach nach dem Start der dritten Phase von einem "Meilenstein in der Entwicklung unseres Impfstoffkandidaten CVnCoV".

Der Aktienkurs von Curevac  stieg am Montag nach jüngsten Gewinnmitnahmen wieder kräftig. Die primär an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq gehandelten Aktien zogen hierzulande im Tradegate-Handel um bis zu 9 Prozent an. Nach einem Rekord am vergangenen Mittwoch waren die Papiere an den vergangenen beiden Handelstagen mächtig verkauft worden.

In Phase I war der Impfstoff 250 gesunden Probanden im Alter von 18 bis 60 Jahren verabreicht worden, um seine Verträglichkeit und Immunogenität zu überprüfen. Die Studie lieferte im November Erfolg versprechende Daten. Ein Vorteil ist auch, dass der Curevac-Impfstoff mindestens drei Monate bei Kühlschranktemperaturen stabil bleiben soll. In der zweiten Phase werden seit Spätsommer 690 Probanden in klinischen Zentren in Peru und Panama geimpft.

Ziel der dritten Phase ist es, Wirksamkeit und Sicherheit des neuen sogenannten mRNA-Impfstoffs gegen das Virus zu beweisen. Von einem Partner für die Impfstoffstudie war in der Mitteilung keine Rede. Zuvor hatte es geheißen, Curevac suche nach einem Partner wie etwa einem großen Pharmakonzern mit Erfahrung, um eine solche Studie mit zehntausenden Teilnehmern durchzuführen.

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Ebenso wie der in mehreren Ländern bereits zugelassene Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer arbeitet auch Curevac mit diesem synthetisch erzeugten Botenmolekül, das im Körper die Bildung eines Viruseiweißes anregt. Dies löst eine Immunreaktion aus, die den Menschen vor dem Virus schützen soll. Im Gegensatz zu herkömmlichen Impfungen, bei denen der Wirkstoff mittels Viren über mehrere Monate angezüchtet und dann in abgeschwächter Form injiziert wird, verzichtet der mRNA-Impfstoff auf lebende Krankheitserreger und Zellkulturen. Dadurch sollen sich mögliche Sicherheitsrisiken verringern.

Mit der EU-Kommission hat Curevac im November einen Vertrag über den Kauf von bis zu 405 Millionen Impfdosen geschlossen - die größte Bestellung eines Corona-Impfstoffs für Europa. Wie viele Dosen nach Deutschland gehen sollen, sagte das Unternehmen nicht. Den lukrativen nordamerikanischen Markt hakte Haas kürzlich ab. Curevac sehe dort angesichts der vielen Bestellungen bei anderen Firmen, deren Impfstoffe absehbar früher zugelassen werden, wenig Chancen. Das Unternehmen will sich auf Europa und Lateinamerika konzentrieren. Großaktionär Dietmar Hopp (80), der im Frühjahr noch einen fertigen Impfstoff bis Oktober in Aussicht gestellt hatte, gibt inzwischen die Linie aus, Curevac solle nicht den ersten, aber den besten Impfstoff liefern.

Der Impfstoff von Curevac gehört zu einem von drei deutschen Projekten, die von der Bundesregierung mit einem Sonderprogramm von rund 750 Millionen Euro finanziell unterstützt werden. Curevac erhält daraus bis zu 252 Millionen Euro. Zudem übernahm der Staat im Juni über die Förderbank KfW für 300 Millionen Euro einen Anteil von 23 Prozent an dem Unternehmen. Inzwischen ist dieser Anteil rund vier Milliarden Euro wert. Im Frühjahr war die deutsche Politik von der Sorge umgetrieben worden, die USA könnten nach Curevac und damit nach entscheidender Impftechnik greifen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (62, CDU) hatte erklärt: "Germany is not for sale."

ak/dpa-afx, Reuters
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