Schnelle Entwicklung gegen Mutanten Curevac schließt Impfstoffdeal mit Großbritannien

Impfstoffe der nächsten Generation, die auch gegen neue Mutationen des Coronavirus helfen, sollen in Großbritannien produziert werden. Der deutsche Hersteller Curevac, an dem auch der Bund maßgeblich beteiligt ist, hat einen Deal mit dem britischen Staat geschlossen.
Curevac-Zentrale in Tübingen

Curevac-Zentrale in Tübingen

Foto: RONALD WITTEK/EPA-EFE/Shutterstock

Die deutsche Biotechfirma Curevac  schließt sich in der Entwicklung neuer Impfstoffe gegen mutierte Varianten des Coronavirus mit dem britischen Staat zusammen. Man habe ein Abkommen geschlossen, das die gemeinsame Forschung und die Lieferung von 50 Millionen Impfdosen im Fall einer erfolgreichen Zulassung vorsehe, erklärte das Tübinger Unternehmen am Freitag. Falls neue Varianten auftreten, sollten rasch angepasste Impfstoffe zur Verfügung stehen. Die Vakzine der nächsten Generation würden auf britischem Boden produziert. Curevac werde auch vom Wissen der britischen Behörden profitieren, die mit der Erfassung der besonders ansteckenden Mutante B.1.1.7 und mit dem frühen Start der Impfkampagne "an vorderster Front" stünden.

Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock (42) betonte, die bereits eingesetzten Impfstoffe von Biontech und Astrazeneca schienen sich auch gegen die kursierenden Mutanten gut zu behaupten. "Aber wir müssen uns auf alle Eventualitäten vorbereiten."

Zuvor hatte Curevac eine entsprechende Partnerschaft bereits mit dem britischen Pharmakonzern Glaxosmithkline geschlossen, der bislang als führender Impfstoffhersteller der Welt gilt und ein Zehntel der Curevac-Aktien  besitzt. Am Donnerstag schloss Curevac eine Kapitalerhöhung ab, die 517,5 Millionen US-Dollar (rund 431,5 Millionen Euro) einbrachte. Nach Abschluss der Optionsausübung stieg die Zahl der durch das Unternehmen verkauften Stammaktien auf 5,75 Millionen zum Ausgabepreis von je 90 Dollar, wie das Unternehmen am Donnerstag in Tübingen mitteilte. Curevac ist seit August 2020 an der New Yorker Börse Nasdaq notiert. Die Aktien von Curevac legten am Freitag um rund 6 Prozent zu.

Curevac hat bislang noch keinen Impfstoff auf den Markt gebracht. Sein Mittel befindet sich gegenwärtig in der entscheidenden letzten Phase der Entwicklung, Zulassungsanträge könnten im zweiten Quartal gestellt werden. In der letzten Phase der Entwicklung und bei der Produktion soll der Bayer-Konzern helfen. Der Curevac-Impfstoff basiert wie die bereits eingesetzten Impfstoffe von Biontech und Moderna auf sogenannter "messenger RNA" (Boten-RNA), eine bis dahin unerprobte Technik, die sich aber als hochwirksam und sicher erwies.

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Curevac galt zu Beginn der Pandemie als einer der aussichtsreichsten Kandidaten, um schnell einen Impfstoff zur Marktreife zu bringen, wurde dann aber von den Wettbewerbern mit großen Partnern oder massiver Staatshilfe abgehängt. Aus Sorge, Schlüsseltechnik an die USA verlieren zu können, war der deutsche Staat im Juni mit 300 Millionen Euro bei Curevac eingestiegen. Der über die Förderbank KfW gehaltene Anteil von ursprünglich 23 Prozent, inzwischen auf knapp 17 Prozent verwässert, ist nach heutigem Aktienkurs 5,7 Milliarden Euro wert. Größter Aktionär ist nach wie vor SAP-Mitgründer Dietmar Hopp (80).

ak/Reuters, dpa-afx
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