Vorteil gegenüber BioNTech Curevac-Impfstoffkandidat überzeugt bei Haltbarkeit

CureVac ist mit der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs noch nicht so weit wie der Wettbewerber BioNTech und sucht nach einem Partner. Einen nicht zu unterschätzenden Vorteil könnte CureVacs Vakzin aber haben.
CureVac-Mitarbeiter in Tübingen bei der Arbeit

CureVac-Mitarbeiter in Tübingen bei der Arbeit

Foto: Andreas Gebert / REUTERS

Der derzeit in der Entwicklung befindliche potenzielle Corona-Impfstoff der Tübinger Pharmafirma CureVac kann nach Angaben des Unternehmens monatelang bei normaler Kühlschranktemperatur gelagert werden. Der Wirkstoff bleibe bei einer Temperatur von fünf Grad für mindestens drei Monate stabil, berichtete Curevac am Donnerstag unter Berufung auf eigene Testreihen. Außerdem bleibe er bis zu 24 Stunden bei Raumtemperatur verwendbar.

Das Unternehmen äußerte sich "zuversichtlich", dass sein Kandidat im Erfolgsfall im Rahmen der üblichen "Standardimpfstofflagerung bei Kühlschranktemperatur" verteilt und verabreicht werden könnte. Das würde den logistischen Aufwand künftiger Impfkampagnen deutlich senken.

Einige der derzeit entwickelten potenziellen Impfstoffe gegen das Coronavirus müssen bei Tieftemperaturen gelagert werden. Dazu gehört auch der sehr vielversprechende Wirkstoff des Mainzer Pharmaunternehmens BioNTech und seines US-Partners Pfizer, der nach Firmenangaben in den großangelegten klinischen Zulassungstests eine hohe Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent zeigte. Dieser bleibt nach Angaben der Firmen laut bisherigen Erkenntnissen aber nur fünf Tage bei Kühlschranktemperatur stabil. Für längere Zeiträume muss er bei minus 70 Grad gelagert werden, was die Logistik komplizierter macht.

Sowohl der Kandidat von BioNTech und Pfizer als auch der Wirkstoff von CureVac basieren auf der mRNA- oder Messenger-RNA-Methode. Bei ihr werden Bestandteile der Erbgutinformationen des Coronavirus in einer Fettlösung in den menschlichen Körper injiziert, wo sie von Zellen aufgenommen werden und dann die Immunabwehr anregen.

Der Impfstoff von CureVac befindet sich gegenwärtig noch in einer frühen Phase der klinischen Prüfungen. Es ist noch nicht absehbar, ob er am Ende wirksam und sicher ist. Auch die Entwicklung des Wirkstoffs von BioNTech und Pfizer ist noch nicht abgeschlossen.

CureVac sucht nach Partner für Impfstoffstudie

Wie CureVac am Donnerstag weiter mitteilte, hält das Unternehmen Ausschau nach einem Partner für seine in Kürze geplante entscheidende Corona-Impfstoffstudie. "Wir sprechen derzeit mit verschiedenen möglichen großen Partnern, die uns unterstützen können", sagte Vorstandschef Franz-Werner Haas (50) am Donnerstag "Die Pharmaindustrie ist da natürlich sehr interessiert daran."

Aus welcher Region ein möglicher Partner komme, spiele dabei keine Rolle, sondern vielmehr, ob er Curevac bestmöglich unterstützen könne. Mit der für eine Zulassung relevanten Studie, die rund 36.000 Teilnehmer umfassen soll und damit gut 6000 mehr als bislang geplant, will Curevac so schnell wie möglich beginnen.

Ende Oktober hatte das Unternehmen bereits positive Zwischenergebnisse aus der Phase-1-Studie mit dem Impfstoff veröffentlicht. Anders als BioNTech entwickelt CureVac die Impfung bislang alleine. Eine weltweite Studie mit Tausenden Probanden ist für vergleichsweise kleinere Biotechfirmen. BioNTtech und Pfizer hatten am Montag als weltweit erste Unternehmen einen Erfolg aus ihrer entscheidenden Studie veröffentlich und wollen noch im November in den USA eine Notfallgenehmigung beantragen.

CureVac: mögliche Zulassung eines Impfstoffes im dritten Quartal 2021

CureVac wolle seine Studie innerhalb von drei Monaten abschließen und plane, im ersten Quartal den Einreichungsprozess für eine Notfallgenehmigung zu starten, sagte Haas. Mit einer finalen Zulassung sei im dritten Quartal 2021 zu rechnen. Haas geht davon aus, dass Curevac im kommenden Jahr 300 bis 400 Millionen Impfdosen herstellen könne.

Die Impfstoffe von CureVac und BioNTech gehören zu zwei von drei deutschen Projekten, die von der Bundesregierung mit einem Sonderprogramm von rund 750 Millionen Euro finanziell unterstützt werden. Die Europäische Kommission hat mit Curevac wie auch mit einer Reihe anderer Impfstoffentwickler Sondierungsgespräche abgeschlossen, um sich Hunderte Millionen Impfdosen zu sichern. Die Gespräche über den Liefervertrag seien noch am laufen, sagte Haas. Den Vertrag mit BioNTech hatte die EU am Mittwoch unter Dach und Fach gebracht. Dem Liefervertrag zufolge soll die EU den potentiellen Impfstoff günstiger bekommen als die USA.

rei/afp/Reuters
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