Auslieferung hat begonnen Pfizer räumt Herstellungsprobleme bei Biontech-Impfstoff ein

Die ersten Lkw haben den Impfstoff durch den Eurotunnel nach Großbritannien gekarrt. Die Produktion läuft nun auf Hochtouren – dabei hatten die Hersteller erhebliche Probleme mit den Rohstoffen.
Auslieferung begonnen: Kühllaster am Pfizer-Werk im belgischen Puurs am Donnerstag

Auslieferung begonnen: Kühllaster am Pfizer-Werk im belgischen Puurs am Donnerstag

Foto: YVES HERMAN / REUTERS

Die Auslieferung des Corona-Impfstoffs von Biontech und Pfizer hat begonnen. Großbritannien, das den Impfstoff als erstes Land weltweit am Mittwoch bereits zugelassen hat, erhielt am Donnerstag durch den Eurotunnel die erste Lieferung aus Pfizers Impfstofffabrik in Belgien. 800.000 von bestellten 40 Millionen Dosen sollen noch im Dezember ankommen. Das Vakzin, das während der gesamten Lieferung auf minus 70 Grad gekühlt bleiben muss, wird zunächst an einen geheimen zentralen Lagerort transportiert und dann an landesweit 50 Kliniken und Impfzentren verteilt.

Großbritannien will nun möglichst bald mit dem Impfen beginnen. Wegen der komplizierten Kühllogistik hat die Regierung den ursprünglichen Plan verworfen, auch in Altersheimen zu impfen. Der Großteil der bestellten Impfdosen wird sowieso erst im Laufe des kommenden Jahres auf die Insel gelangen.

Biontech und Pfizer produzieren den Impfstoff zur Versorgung der europäischen Staaten im belgischen Puurs, wo Pfizer eine der größten Produktionsanlagen der Welt betreibt, sowie an den kleineren Standorten von Biontech in Deutschland. Seit Monaten läuft die Produktion auf Hochtouren, doch Lieferengpässe bei wichtigen Rohstoffen haben die ursprünglichen Pläne der Hersteller unmöglich werden lassen.

Über Monate hatten Pfizer-Chef Albert Bourla (59) und Biontech-Chef Ugur Şahin (55) verkündet, noch in diesem Jahr 100 Millionen Dosen des Impfstoffs liefern zu können . Als sie Anfang November die weltweit beachteten Zwischenergebnisse ihrer Massenstudie verkündeten, halbierten sie dieses Versprechen ohne Angabe von Gründen auf 50 Millionen. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal"  vom Donnerstag sei dafür der komplizierte Aufbau der Lieferketten verantwortlich. Außerdem hätten die Ergebnisse der klinischen Studie später vorgelegen als ursprünglich gedacht, erklärt darin eine Pfizer-Sprecherin den Grund .

Rohstoffe genügten den Standards nicht

In dem Zeitungsbericht hieß es unter Berufung auf eine an der Impfstoffentwicklung beteiligte Person, einige Bestandteile der Rohstoffe hätten in der frühen Produktion nicht den Standards entsprochen. Das Problem sei inzwischen behoben, aber nicht rechtzeitig, um das ursprüngliche Lieferziel zu erreichen. Das Lieferziel für 2021 gilt der Pfizer-Sprecherin zufolge aber weiter: Weltweit sollen dann 1,3 Milliarden Dosen des Impfstoffs ausgeliefert werden. Da jeder Patient zweimal geimpft werden muss, reicht das für 650 Millionen Menschen.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA und die Europäische Arzneimittelagentur Ema prüfen derzeit Anträge auf eine Notfallzulassung. In den USA wird mit einer Notfallzulassung für Mitte Dezember gerechnet. Die US-Regierung rechnet nach Angaben von dieser Woche damit, bis Ende des Jahres Pfizers Corona-Impfstoff für 6,4 Millionen Menschen zur Verfügung zu haben. Außerdem könnten in den USA bis Jahresende auch 12,5 Millionen Menschen den Impfstoff der Biotech-Firma Moderna bekommen, für den ebenfalls das Zulassungsverfahren läuft.

Herausforderung für die Kühlkette

Der Impfstoff von Pfizer und Biontech schützt der klinischen Phase-III-Studie zufolge mit einer Effizienz von 95 Prozent gegen die Krankheit Covid-19. Ein Nachteil ist die notwendige Kühlung auf ungefähr minus 70 Grad Celsius, was auch die Logistik kompliziert macht.

Das Präparat ist ein sogenannter mRNA-Impfstoff, der auf einem neuen Mechanismus basiert. Er enthält genetische Informationen des Erregers, aus denen der Körper ein Viruseiweiß herstellt - in diesem Fall das Oberflächenprotein, mit dessen Hilfe das Virus in Zellen eindringt. Ziel der Impfung ist es, den Körper zur Bildung von Antikörpern gegen dieses Protein anzuregen, um die Viren abzufangen, bevor sie in die Zellen eindringen und sich vermehren.

Experten warten noch auf mehr Daten, um mit Sicherheit sagen zu können, ob geimpfte Menschen das Virus auch dann übertragen können, wenn sie selbst nicht erkranken.

Fotostrecke

Diese Impfstoffprojekte gegen Covid-19 sind am weitesten

Foto: MENAHEM KAHANA / AFP

Neben Biontech/Pfizer arbeiten derzeit mehrere andere Pharmafirmen in fortgeschrittenem Stadium an Corona-Impfstoffen, darunter Pharmariesen Johnson & Johnson, AstraZeneca und Sanofi/GlaxoSmithKline. Länder wie Russland, China und kürzlich erst Bahrain haben bereits Impfstoffe mit Einschränkungen freigegeben und impfen damit schon Teile der Bevölkerung.

ak, rei, lhy/dpa-afx
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.