Impfstoff-Patente angeblich verletzt Moderna verklagt Biontech und Pfizer

Biontech und Pfizer sowie Moderna waren die ersten Unternehmen, die Corona-Impfstoffe auf Basis der neuartigen mRNA-Technologie auf den Markt brachten. War bei der Entwicklung alles rechtens?
Haben noch gut lachen: Die Biontech-Gründer Özlem Türeci und Uğur Şahin sehen sich mit einer Patentrechtsklage konfrontiert

Haben noch gut lachen: Die Biontech-Gründer Özlem Türeci und Uğur Şahin sehen sich mit einer Patentrechtsklage konfrontiert

Foto: Federico Gambarini / picture alliance / dpa

Der US-Pharmakonzern Moderna verklagt den Mainzer Impfstoffhersteller Biontech und dessen US-Partner Pfizer wegen Patentrechtsverletzung. Biontech und Pfizer hätten bei der Entwicklung ihres Impfstoffs gegen das Coronavirus Technologien kopiert, die Moderna bereits zwischen 2010 und 2016 entwickelt habe. Die Patente schützen demnach die sogenannte mRNA-Technologie. mRNA steht für messenger-Ribonukleinsäure, die auch als Boten-RNA bezeichnet wird.

Moderna reichte Klagen im US-Bundesstaat Massachusetts und beim Landgericht Düsseldorf ein. Anfang Juli hatte bereits das Tübinger Pharmaunternehmen Curevac Klage gegen Biontech wegen Patentrechtsverletzung eingereicht; auch hier geht es um die mRNA-Technologie. Daneben sehen sich Pfizer und Biontech laut Nachrichtenagentur Reuters bereits einer Reihe weiterer Klagen dieser Art ausgesetzt. Patentrechtsklagen in Verbindung mit der Entwicklung von Impfstoffen sind generell nicht ungewöhnlich. Auf der anderen Seite reichte das von Özlem Türeci (55) und Uğur Şahin (56) gegründete Unternehmen Biontech seinerseits kürzlich auch eine Klage gegen Curevac ein.

Die Aktien von Pfizer  fielen nach Bekanntwerden der jüngsten Klagen um 1,4 Prozent. Mit den Papieren von Biontech  ging es um 2 Prozent abwärts.

Moderna hatte bereits ab 2010 zahlreiche Patente angemeldet

Moderna fordert Entschädigung für Verletzungen geistiger Eigentumsrechte, machte bislang aber keine Angaben zur Höhe. Konkret gehe es um die Entwicklung von mRNA-Impfstoff gegen Covid-19. Moderna habe hier bereits vor Ausbruch der Pandemie "Milliarden von Dollar" investiert und wolle seine innovative Technologie-Plattform schützen, sagte Vorstandschef Stéphane Bancel (50) laut einer Pressemitteilung. Weder von Pfizer noch von Biontech lagen zunächst Stellungnahmen zu den Klagen vor.

Moderna sowie das Duo Pfizer/Biontech gelten als Vorreiter bei der neuartigen mRNA-Technologie, auf der die Corona-Impfstoffe beider Seiten beruhen. Die drei Unternehmen waren die ersten, die Corona-Impfstoffe auf Basis der mRNA-Technologie auf den Markt brachten. Beide Anbieter erhielten für ihre Vakzine erste Notfallzulassungen im Dezember 2020 in den USA, zuerst Biontech und Pfizer, kurz darauf Moderna. Moderna hat mit seinem Impfstoff allein in diesem Jahr bislang einen Umsatz von 10,4 Milliarden Dollar gemacht. Der Pfizer/Biontech-Wirkstoff brachte 2022 Erlöse von 22 Milliarden Dollar.

Moderna meldete bereits in den Jahren 2010 bis 2016 Patente an – lange bevor die Pandemie die Vakzin-Nachfrage weltweit rasant stiegen ließ. Die US-Firma machte jedoch aktuell deutlich, dass es ihr nicht darum gehe, den Comirnaty-Impfstoff von Biontech und Pfizer vom Markt entfernen zu lassen.

cr/dpa-afx, Reuters, afp
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