Kampf gegen Coronavirus Curevac und Bayer vereinbaren Impfstoff-Allianz

Der Tübinger Impfstoffentwickler Curevac und der Pharmariese Bayer vereinbaren eine globale Partnerschaft. Sie soll helfen, dass bis zum Sommer in Deutschland alle gegen das Coronavirus geimpft werden können, die es wünschen.
Labor bei Curevac: Der Tübinger Impfstoffentwickler geht eine enge Kooperation mit dem Pharmakonzern Bayer ein

Labor bei Curevac: Der Tübinger Impfstoffentwickler geht eine enge Kooperation mit dem Pharmakonzern Bayer ein

Foto: ANDREAS GEBERT/ REUTERS

Nach Biontech und Pfizer schmieden mit Bayer und Curevac zwei weitere Firmen eine Corona-Impfstoff-Allianz. Der Leverkusener Pharmariese und der Tübinger Impfstoffentwickler haben einen Kooperations- und Servicevertrag mit dem Ziel geschlossen, mehrere hundert Millionen Impfdosen weltweit zu vermarkten, wie Bayer am Donnerstag mitteilte.

"Der Bedarf an Impfstoffen gegen COVID-19 ist enorm", sagte Bayer-Vorstandsmitglied Stefan Oelrich (52). Curevac-Chef Franz-Werner Haas (50) ergänzte: "Mit seiner Expertise und Infrastruktur kann uns Bayer helfen, unseren Impfstoffkandidaten CVnCoV noch schneller für möglichst viele Menschen verfügbar zu machen."

An der Frankfurter Börse kamen die Nachrichten von der Kooperation gut an: Aktien von Bayer  kletterten um rund 3 Prozent. Die Anteilsscheine von Curevac  schossen in der Spitze um mehr als 13 Prozent in die Höhe.

Option für Vertriebsrechte in Nordamerika und Asien

Curevac sitzt schon seit längerem an der Entwicklung eines Impfstoffes, dessen Marktzulassung aber noch nicht absehbar ist. Bayer soll nun bei aufwendigen Arbeiten für die Zulassung und für die dafür nötige Studie mitmachen. Zudem soll der Konzern die Tübinger bei der weiteren Entwicklung und Bereitstellung des Impfstoffs sowie bei lokalen Aktivitäten in ausgewählten Ländern unterstützen.

Das Modell ähnelt der Allianz zwischen dem Mainzer Impfstoffentwickler Biontech und dem US-Pharmaunternehmen Pfizer. Anders als Pfizer bei Biontech übernehmen die Leverkusener nach Informationen von manager magazin aber keinerlei Entwicklungskosten. Curevac hat sein Serum bislang eigenständig entwickelt und getestet. Über das finanzielle Volumen der Kooperation schweigen sich beide Unternehmen aus.

Der Impfstoffentwickler bleibt der Vereinbarung zufolge Inhaber der Marktzulassung für das Produkt in der EU. Bayer hat sich mit der Vereinbarung aber eine Option auf die Vertriebsrechte für den amerikanischen und asiatischen Raum gesichert. Anfang Dezember hatte Haas erklärt, dass Nordamerika für Curevac "noch kein Markt" sei angesichts der harten Konkurrenz und massiver Impfstoff-Vorbestellungen der USA bei Wettbewerbern.

Beteiligung an Impfstoffproduktion wird geprüft

In welchen Ländern Bayer tatsächlich mit dem Curevac-Serum aktiv werden wird, soll spätestens mit der Zulassung des Impfstoffes feststehen, die für das zweite Quartal angepeilt ist. 

Dass Bayer auch die Produktion übernimmt, ist im Vertrag nicht enthalten. Nach Informationen von manager magazin werde derzeit aber geprüft, ob sich der Konzern an der Produktion des Impfstoffes beteiligt und eigene Kapazitäten zur Verfügung stellen kann. Eine Entscheidung soll bis zum Ende des ersten Quartals fallen.

Im November hatte Curevac mit dem Münchener Spezialchemiekonzern Wacker Chemie beschlossen, bei der Produktion des Impfstoffes zusammenzuarbeiten. Am Wacker-Standort Amsterdam sollen nach der Zulassung pro Jahr mehr als 100 Millionen Dosen des Impfstoffes von Curevac hergestellt werden. Zudem gebe es Erweiterungsoptionen, hieß es seinerzeit.

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Foto: MENAHEM KAHANA / AFP

Bayer bislang ohne mRNA-Expertise

Bayer ist anders als Pfizer-Partner Biontech bislang nicht im Geschäft mit Vakzinen aktiv. Hinzukommt, dass es sich bei dem von Curevac entwickelten Serum einen mRNA-basierten Wirkstoff handelt, einer Technologie mit der Bayer bislang keinerlei Erfahrung hat.

Zuvor hatte das Nachrichtenportal "ThePioneer" (Donnerstag) über die anstehende Allianz berichtet. Eine solche "nationale Impfallianz" könne die Impfsituation in Deutschland beschleunigen und helfen, dass bis zum Sommer alle geimpft würden, die es wollten, schreibt "ThePioneer". In der Tat ist die Kooperation für die Bundesregierung ein weiteres Standbein, um bis zum Sommer die Impfung aller Bundesbürger zu ermöglichen, die dazu bereit sind.

Curevac hatte im Juni mit der klinischen Erprobung seines Vakzins begonnen und startete vor Weihnachten die zulassungsrelevante Studie mit mehr als 35.000 Teilnehmern. Erste Ergebnisse werden im ersten Quartal 2021 erwartet. In der Phase-I-Studie, an der mehr als 250 Probanden teilnahmen, wurde der Impfstoff in verschiedenen Dosierungen getestet. Er zeigte eine gute Verträglichkeit und eine ausgewogene Immunantwort.

Curvevac beschäftigte eigenen Angaben zufolge gut 500 Mitarbeiter, Mehrheitseigentümer ist der SAP-Gründer Dietmar Hopp (80). Knapp ein Viertel (23 Prozent) gehört seit vergangenem Sommer der staatlichen Förderbank KfW und damit indirekt dem Bund. Mit dem Einstieg wollte Berlin das Unternehmen gegen eine mögliche Übernahme aus dem Ausland absichern.

Im weltweiten Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus sind Impfstoffe der Schlüssel. Als erstes erhielt das Vakzin von Biontech und dem US-Pharmakonzern Pfizer Anfang Dezember in Großbritannien seine Zulassung, mehr als 40 weitere Länder - darunter die USA, Kanada, Mexiko, die Schweiz, Saudi-Arabien, Singapur und Chile einschließlich der EU-Mitgliedsstaaten - folgten. Als zweiter Impfstoffhersteller erhielt Moderna in den USA am 18. Dezember eine Notfallzulassung, danach in Kanada und Israel. Die EU folgte am 6. Januar.

rei, pal/DPA, Reuters