17 Impfstoffe in klinischen Tests WHO sieht Oxford-Impfstoff vorne, Moderna-Test verzögert sich

Die Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-Cov-2 läuft auf Hochtouren. Die WHO zählt laufende Menschenversuche bereits für 17 Kandidaten. Am weitesten ist ein Projekt aus Oxford.
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Laboratory Royale: Besuch des britischen Prinzen William im Labor der Oxford Vaccine Group am 24. Juni 2020

Foto: POOL/ REUTERS

Im weltweiten Kampf gegen das Coronavirus werden inzwischen 17 Impfstoffkandidaten an Menschen getestet. Am weitesten fortgeschritten ist ein Impfstoff, den die Universität Oxford entwickelt hat, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Donnerstag nach einer zweitägigen Corona-Forschungskonferenz berichtete. Selbst, wenn diese Kandidaten nicht erfolgreich sind, ist die WHO optimistisch: "Wir haben eine breite Pipeline mit vier verschiedenen Impfstofftypen", sagte Ana Maria Henao Restrepo, bei der WHO für Forschung und Entwicklung zuständig. Es werde an mehr als 150 Wirkstoffen geforscht.

Der Impfstoff AZD1222 aus Oxford gehe als Erster in die Phase III einer klinischen Studie. Die Phase III bezeichnet große Tests an vielen Menschen zu Wirksamkeit und Sicherheit. Fünf weitere Kandidaten seien in Phase II. Dabei wird eine kleinere Zahl von Patienten behandelt, bei denen aufgrund ihrer Gesundheit eine Wirkung angenommen wird. In Phase I werden Wirkstoffe in der Regel an gesunden Menschen getestet, um die Verträglichkeit zu prüfen.

Auch in Deutschland laufen erste klinische Studien zu Impfstoffen, unter anderem beim Mainzer Unternehmen Biontech und beim Tübinger Unternehmen Curevac. Der US-Wettbewerber Moderna , der bereits im Februar mit Phase I begann, musste am Donnerstag eine Verzögerung melden. Der Großversuch mit 30.000 Freiwilligen werde wegen Änderungen am Studienkonzept doch nicht in der kommenden Woche beginnen, hieß es in einem Eintrag auf der medizinischen Website Stat . Das Unternehmen peile aber weiterhin wie angekündigt einen Start im Juli an. Die Moderna-Aktie, deren Wert sich in diesem Jahr bereits verdreifacht hat, sackte jedoch um 7 Prozent ab.

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Foto: Gonzalo Fuentes / Pool / Reuters / AP / dpa

Ob ein Impfstoff bereits Ende des Jahres vorliegt, kann laut WHO nicht vorhergesagt werden. Diese Hoffnung hatte die Chefwissenschaftlerin der Organisation, Soumya Swaminathan, im Juni geäußert. Normalerweise dauert die Entwicklung eines Impfstoffs 10 bis 15 Jahre. Die weltweite Verbreitung des neuen Coronavirus Sars-Cov-2 hat aber unzählige Forscher, Pharmafirmen und Regulierungsbehörden zu beispiellosen Anstrengungen gebracht, um die Entwicklung zu beschleunigen.

ak/dpa-afx/reuters