Corona-Pandemie Moderna plant Impfstoffwerk in Ostdeutschland

Der US-amerikanische Hersteller Moderna will ein Impfstoffwerk im Osten Deutschlands bauen. Doch die Bundesregierung reagiert verhalten. Das Verhältnis gilt einem Bericht zufolge als angespannt.
Moderna: Der Impfstoff des amerikanischen Herstellers gilt als hochwirksam und hat am 6. Januar die Zulassung von der EU-Kommission erhalten

Moderna: Der Impfstoff des amerikanischen Herstellers gilt als hochwirksam und hat am 6. Januar die Zulassung von der EU-Kommission erhalten

Foto: Mark Rightmire / imago images/ZUMA Wire

Das Impfen in Deutschland geht auch wegen nicht ausreichend vorhandener Impfdosen zu langsam voran. Zugleich bleiben zigtausende Impftermine mit dem Vakzin von Astrazeneca derzeit unbesetzt, weil die Negativschlagzeilen um den britisch-schwedischen Impfstoff die Menschen verunsichert haben. Da müsste die Bundesregierung, deren Pandemie-Management durch eigenes Unvermögen zuletzt weiteren Schaden nahm, neue mögliche Produktionskapazitäten im eigenen Land eigentlich vehement begrüßen.

Doch so recht will die Bundesregierung auf die Offerte des US-Impfstoffherstellers Moderna, in Ostdeutschland eine eigene Produktionsstätte aufzubauen, nicht anspringen. Nach einem Bericht der "FAZ"  könnte das Werk in zwei Jahren seinen Betrieb aufnehmen. Doch die Gespräche stockten, Berlin zögere, mache die Unterstützung von einer Ausweitung der aktuellen Lieferungen abhängig, heißt es in dem Bericht. Weder Moderna noch die Regierung wollten sich dazu äußern.

"Impfen in Arztpraxen" - Moderna ausgeladen

Dem Bericht zufolge gelte das Verhältnis zwischen Moderna und Berlin als angespannt. Dies wirke sich auch auf den Beginn der Covid-19-Schutzimpfungen in den Arztpraxen nach Ostern auf. Am Mittwoch habe das Bundesgesundheitsministerium dem Hersteller mitgeteilt, dass seine Vertreter nicht mehr zu der Arbeitsgruppe "Impfen in Arztpraxen" eingeladen würden. Das Gremium bereitet den Impfbeginn der Vertragsärzte am 7. April vor. Das Ministerium teilte dem Unternehmen mit, sein Präparat werde ausschließlich in Impfzentren eingesetzt.

Grund sei ein Streit über die Logistik in der Impfstofflieferung. Bundesgesundheitsminiser Jens Spahn bestehe darauf, dass Moderna wie alle Impfstoffe über Großhändler und Apotheken zu den Ärzten komme. Weil dazu das Präparat aber aufgetaut werden müsse und dann Erschütterungen ausgesetzt sei, fürchteten die Amerikaner um die Stabilität und Wirksamkeit ihres empfindlichen mRNA-Vakzins. Sie schlügen deshalb die Anlieferung in kleinen Tiefkühlfahrzeugen direkt zu den Praxen vor, was das Ministerium ablehne, schreibt die Zeitung.

Die Impfungen in den Praxen der Hausärzte sollen bundesweit in der zweiten April-Woche beginnen. Bis zum 25. April werde zunächst nur mit dem Wirkstoff von Biontech/Pfizer geimpft und nicht mit den Vakzinen von Moderna und Astrazeneca, heißt es bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung .

Moderna hatte Ende Februar neben Geschäftszahlen auch über einen geplanten Ausbau seiner Produktionskapazitäten für seinen Corona-Impfstoff berichtet. Im laufenden Jahr könne die geplante Produktion von 600 Millionen Dosen um 100 Millionen Dosen aufgestockt und möglicherweise noch weiter ausgebaut werden. Im kommenden Jahr solle so die Herstellung von 1,4 Milliarden Impfdosen möglich sein, hieß es.

rei
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