Agrargeschäft besonders unter Druck Corona-Krise zwingt Bayer zu weiteren Sparmaßnahmen

Die Corona-Krise und hausgemachte Probleme drücken bei Bayer auf das Ergebnis. Zudem braucht der Konzern Geld, auch für den Schuldenabbau. Nun verschärft Vorstandschef Baumann das Sparprogramm.
Bayer-Chef Werner Baumann: "Wir müssen unsere Kostenstrukturen an die veränderten Marktbedingungen anpassen und gleichzeitig Mittel für weitere Investitionen in Innovation und Wachstum bereitstellen"

Bayer-Chef Werner Baumann: "Wir müssen unsere Kostenstrukturen an die veränderten Marktbedingungen anpassen und gleichzeitig Mittel für weitere Investitionen in Innovation und Wachstum bereitstellen"

Foto: Oliver Berg/ dpa

Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer will sein Sparprogramm verschärfen. Ab 2024 sollen zusätzlich mehr als 1,5 Milliarden Euro pro Jahr an Kosten wegfallen, teilte der Dax-Konzern am Mittwochabend mit. Dies sei nötig, um in einem anhaltend herausfordernden Marktumfeld bestehen zu können. Dabei sei auch ein weiterer Abbau von Arbeitsplätzen möglich. An der Vereinbarung, bis Ende 2025 auf betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland zu verzichten, wolle Bayer aber festhalten. 

Bei Anlegern kamen die Neuigkeiten nicht gut an. Der Aktienkurs von Bayer sackte um rund 13 Prozent ab.

Die Einsparungen sollten zusätzlich zu den jährlichen Ergebnisbeiträgen ab 2022 in Höhe von 2,6 Milliarden Euro erreicht werden, die im November 2018 angekündigt worden waren. Damals wurde auch der Abbau von 12.000 der rund 101.200 Arbeitsplätze beschlossen. Das Geld sei für weitere Investitionen in Innovation und profitable Wachstumschancen sowie zum Schuldenabbau vorgesehen.

Für 2021 erwartet der Konzern einen Umsatz in etwa auf dem Niveau von 2020. Beim währungsbereinigten Ergebnis pro Aktie rechnet Bayer mit einem Rückgang. Den gesenkten Ausblick für dieses Jahr bestätigte der Konzern. "Wir müssen unsere Kostenstrukturen an die veränderten Marktbedingungen anpassen und gleichzeitig Mittel für weitere Investitionen in Innovation und Wachstum bereitstellen", sagte Vorstandschef Werner Baumann (57). Bayer hatte im August für das zweite Quartal einen Rekordverlust wegen Rückstellungen für den Glyphosat-Vergleich in den USA bekannt gegeben und seine Ziele wegen der Corona-Krise gesenkt.

Negative Währungseffekte belasten zusätzlich

Bei den einzelnen Sparten leidet insbesondere das Agrargeschäft Crop Science, das Bayer mit der Übernahme des US-Konzerns Monsanto deutlich ausgebaut hatte, unter der Corona-Krise. Dort seien die Auswirkungen "tief greifender" als zunächst erwartet. Als Gründe nannte Bayer niedrige Preise bei wichtigen Nutzpflanzen, intensiven Wettbewerb bei Soja und einen geringeren Biokraftstoffverbrauch. Hinzu kämen teils massive negative Währungseffekte etwa beim brasilianischen Real. "Diese Situation wird sich voraussichtlich in nächster Zeit nicht ändern", erklärte Bayer. Daher werde von einer Sonderabschreibung auf Vermögenswerte des Agrargeschäfts im mittleren bis oberen einstelligen Milliarden-Euro-Bereich ausgegangen.

Bei den anderen Geschäftsbereichen sieht es deutlich besser aus. Der Pharmabereich werde voraussichtlich im kommenden Jahr wieder wachsen, hieß es. Dort seien weiter steigende Investitionen geplant, auch durch Zukäufe von Produkten. Auch die Gesundheitssparte habe sich stark entwickelt und solle in den kommenden Jahren schneller wachsen als vergleichbare Wettbewerber. Hier kann sich Bayer kleinere Übernahmen vorstellen.

Auf der anderen Seite prüft das Unternehmen auch den Verkauf eigener Geschäfte und Marken in kleinerem Umfang. Der Konzern hat bereits einige Marken in der Sparte Consumer Health verkauft und sich in diesem Jahr vom Tiermedizin-Geschäft getrennt. 

Die Dividendenpolitik soll zwar beibehalten werden. Allerdings wird die Ausschüttungsquote des bereinigten Ergebnisses je Aktie von 30 bis 40 Prozent in den kommenden Jahren am unteren Ende des Korridors liegen und nicht am oberen Ende wie in den vergangenen Jahren.

mg/dpa-afx/Reuters