Produktionspartner gefunden Wacker Chemie soll CureVac-Impfstoff produzieren

Dietmar Hopps Biotechfirma CureVac hat einen Produktionspartner für ihren Corona-Impfstoff gefunden. Wacker Chemie bekommt den Auftrag am Standort Amsterdam.
Expandiert: Unternehmenszentrale von CureVac in Tübingen

Expandiert: Unternehmenszentrale von CureVac in Tübingen

Foto: Eibner-Pressefoto/ imago images/Eibner

Die Münchener Wacker Chemie und der Tübinger Biotechkonzern CureVac arbeiten bei der Produktion eines Impfstoffkandidaten gegen Covid-19 zusammen. Der Spezialchemiekonzern werde im ersten Halbjahr 2021 mit der Produktion der mRNA-Wirkstoffsubstanz für den Impfstoffkandidaten beginnen, teilten beide Unternehmen am Montag gemeinsam mit. Am Wacker-Standort Amsterdam sollen pro Jahr mehr als 100 Millionen Dosen des Impfstoffes von CureVac hergestellt werden. Zudem gebe es Erweiterungsoptionen.

Die Wacker-Chemie-Aktien  zogen auf die Nachricht hin an und notierten am frühen Nachmittag 5 Prozent im Plus. Mit der Europäischen Union hat CureVac die Lieferung von 225 Millionen Impfstoffdosen vereinbart, mit Option auf 180 Millionen weitere. Laut der Nachrichtenagentur Reuters zahlt die EU zehn Euro pro Dosis, CureVac hatte eine Preisvorstellung von 12 Euro. An CureVac  hat sich im Frühjahr auch der deutsche Staat über die Förderbank KfW mit 17 Prozent beteiligt.

Jüngst veröffentlichte Zwischenergebnisse einer klinischen Phase-1-Studie von CureVac hatten gezeigt, dass der Impfstoff im Allgemeinen gut verträglich war und zusätzlich zu den ersten Anzeichen einer T-Zellen-Aktivierung starke Antikörperreaktionen auslöste. Die für eine mögliche Zulassung relevante Phase-III-Studie soll noch vor Jahresende starten.

Nicht der erste, aber der beste Impfstoff

Andere Unternehmen sind schon weiter. So beantragten das Mainzer Unternehmen BioNTech und der US-Pharmariese Pfizer am Freitag bei der US-Arzneimittelbehörde FDA eine Notfallzulassung für ihren Corona-Impfstoff, nachdem die seit Monaten laufende Phase-III-Studie positive Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit geliefert hatte. Zumindest Zwischenergebnisse mit ähnlich ermutigenden Daten lieferte auch der US-Wettbewerber Moderna, der wie CureVac und BioNTech auf die experimentelle mRNA-Technik setzt.

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Foto: MENAHEM KAHANA / AFP

An diesem Montag legte auch der britische Pharmakonzern AstraZeneca mit einer solchen Erfolgsmeldung nach. AstraZeneca lässt die Produktion seines herkömmlichen Vektorimpfstoffs bereits an zehn Standorten weltweit hochfahren. Noch in diesem Jahr sollen 200 Millionen Dosen produziert werden, 2021 peilt der Konzern drei Milliarden Dosen an. Der globale Bedarf sei auch mit den Impfstoffen von BioNTech und Moderna zusammen noch nicht gedeckt, spornte AstraZeneca-Chef Pascal Soriot (61) die Wettbewerber an.

CureVac-Chef Franz-Werner Haas (50) stellte Mitte November einen Abschluss der klinischen Studie im ersten Quartal und eine endgültige Zulassung im dritten Quartal 2021 in Aussicht. Haas sagte auch, man sei mit mehreren großen Partnern im Gespräch, um die Produktion und auch die letzte Stufe der klinischen Studie mit zehntausenden Teilnehmern zu bewältigen. "Die Pharmaindustrie ist da natürlich sehr interessiert daran." Großaktionär Dietmar Hopp  (80), der im Frühjahr noch einen Impfstoff für Oktober 2020 in Aussicht gestellt hatte, gibt inzwischen als Ziel aus, nicht den ersten, sondern den besten Impfstoff zu liefern.

ak/dpa