Corona-Impfstoff für Europa Pharmariese Sanofi wird Lieferant für Biontech

Verkehrte Welt in der Pharmaindustrie: Sanofi als größter Konzern der Branche in der EU dient sein Frankfurter Werk an, um Impfstoff für den Newcomer Biontech abzufüllen. Das eigene Corona-Projekt hat sich verzögert.
Rückfall: Protest gegen Stellenabbau in der Forschungsabteilung von Sanofi am Wochenende in Paris

Rückfall: Protest gegen Stellenabbau in der Forschungsabteilung von Sanofi am Wochenende in Paris

Foto: Jà rà me Leblois / imago images/Hans Lucas

Der französische Pharmakonzern Sanofi will dem Mainzer Unternehmen Biontech und dem US-Konzern Pfizer beim Abfüllen des Corona-Impfstoffs unter die Arme greifen. "In unserem Werk in Frankfurt werden wir das Produkt verpacken, das uns ab Juli von Pfizer-Biontech geliefert wird", sagte Sanofi-Generaldirektor Paul Hudson (53) der Zeitung "Le Figaro"  am Dienstag. "Wir sollten in der Lage sein, bis Ende des Jahres mehr als 100 Millionen Dosen zu liefern, die für die Europäische Union und damit teilweise für Frankreich bestimmt sind", sagte Hudson.

Sanofi ist der umsatzstärkste Pharmakonzern in der Europäischen Union. Neben dem früheren deutschen Chemieriesen Hoechst mit dem Standort in Frankfurt am Main ist darin auch die Produktionssparte des Institut Pasteur von Impfstoffpionier Louis Pasteur aufgegangen. Nach früheren Angaben beherrscht Sanofi-Pasteur ein Viertel des globalen Impfstoffmarkts. Aktuell laufen Proteste gegen Stellenabbau in der Forschungsabteilung. Biontech feiert mit dem Corona-Impfstoff seinen ersten kommerziellen Durchbruch, assistiert von US-Konzern Pfizer als etabliertem Partner.

"Da wir mit unserem Hauptimpfstoff einige Monate hinter dem Zeitplan zurücklagen, fragten wir uns, wie wir uns jetzt nützlich machen könnten", so Hudson weiter. Das Abfüllen des Impfstoffs müsse in einer sterilen Umgebung und bei einer sehr niedrigen Temperatur erfolgen. Sanofi wolle das in einem großen Maßstab tun. Da die Sanofi-Produktionsstätte in der Nähe des Biontech-Hauptsitzes in Mainz liege, werde das die Sache erleichtern.

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Biontech und Pfizer haben zuletzt ihr Produktionsziel für 2021 von 1,3 auf 2 Milliarden Impfdosen angehoben. Dafür zählen die Partner auch auf Kooperationen mit anderen Firmen. Derzeit sind die Lieferungen an Europa gegenüber dem ursprünglichen Plan reduziert, was für großen Unmut in der EU sorgt.

Die Arbeit an eigenen Impfstoffen wolle Sanofi fortsetzen. Zuletzt war bekannt geworden, dass die Corona-Impfstoffentwicklung von Sanofi und GSK (Glaxosmithkline) sich verzögere. "Wir streben eine Markteinführung im letzten Quartal des Jahres an", bestätigte Hudson frühere Angaben. Man sei zuversichtlich. Die ersten Ergebnisse zur Dosierung und Wirksamkeit werde man voraussichtlich im Mai erhalten, danach könne man mit groß angelegten Tests beginnen.

ak/dpa-afx