Für 2022 Moderna erhöht Produktionsziel auf drei Milliarden Impfdosen

Die Biotechfirma Moderna stellt sich auf hohen Bedarf an ihrem Corona-Impfstoff auch in den kommenden Jahren ein. Die Produktionskapazität wird mehr als verdoppelt.
Massenprodukt: Moderna-Impfstoff im Einsatz in einem kalifornischen Impfzentrum

Massenprodukt: Moderna-Impfstoff im Einsatz in einem kalifornischen Impfzentrum

Foto: PATRICK T. FALLON / AFP

Das US-Biotechunternehmen Moderna fährt die Produktion seines Corona-Impfstoffs hoch und will im kommenden Jahr bis zu drei Milliarden Dosen bereitstellen - mehr als doppelt so viel wie bislang angepeilt. Für das laufende Jahr hob Moderna am Donnerstag die Lieferprognose auf 800 Millionen bis eine Milliarde Dosen an von bislang 700 Millionen. Welche Menge letztendlich zur Verfügung stehen wird, hängt auch davon ab, wie viele Dosen mit einer geringeren Wirkstoffmenge auskommen, etwa für Auffrischungsimpfungen oder Kinder.

"Da wir die rasche Ausbreitung der besorgniserregenden Sars-Cov-2-Varianten verfolgen, gehen wir davon aus, dass auch in den Jahren 2022 und 2023 ein erheblicher Bedarf an unserem mRNA-Covid-19-Impfstoff und unseren Booster-Kandidaten für Virusvarianten bestehen wird", erklärte Moderna-Chef Stéphane Bancel (48). Von den Regierungen komme die Rückmeldung, dass keine andere Technologie "die hohe Wirksamkeit von mRNA-Impfstoffen und die notwendige Schnelligkeit bei der Anpassung an Varianten und gleichzeitig eine zuverlässige Skalierbarkeit der Produktion" biete. Der Impfstoff von Moderna beruht ebenso wie der von Biontech und der noch nicht zugelassene von Curevac auf der sogenannten Boten-RNA-Technologie (mRNA). Diese nutzt das Nachrichtensystem des menschlichen Körpers, um Zellen in Fabriken zur Krankheitsbekämpfung zu verwandeln.

Engpass beim Personal in der Schweiz

Um die angepeilten Mengen erreichen zu können, wird unter anderem der Schweizer Arzneimittel-Auftragsfertiger Lonza mehr Impfwirkstoff herstellen. Im Lonza-Werk Visp im Kanton Wallis sollen drei zusätzliche Produktionslinien aufgebaut und die Kapazität damit verdoppelt werden. Sie sollen ihren Betrieb im früheren Verlauf von 2022 aufnehmen, wie Lonza erklärte. Der Konzern produziert in Visp bereits auf drei Produktionslinien für Moderna und betreibt eine weitere im amerikanischen Portsmouth. Zuletzt erklärte Bancel Lieferverzögerungen damit, dass Lonza in der Schweiz nicht genug Arbeitskräfte finde.

In Europa wird der Moderna-Impfstoff dann von der spanischen Laboratorios Farmaceuticos Rovi in Madrid fertiggestellt, abgefüllt und ausgeliefert. Rovi kündigte am Donnerstag ebenfalls eine Verdopplung seiner Abfüllkapazitäten an. Die schwedische Firma Recipharm ist mit einem Werk in Westfrankreich ebenfalls Teil des Produktionsnetzes von Moderna.

Moderna befindet sich nach eigenen Angaben zudem in fortgeschrittenen Gesprächen mit anderen Herstellern, um die Impfstoffproduktion zu unterstützen. Anfang des Monats hatte das Unternehmen Produktionsverträge mit dem französischen Pharmakonzern Sanofi und der US-Pharmafirma Catalent bekannt gegeben. Im März berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", Moderna wolle auch eine Produktion in Ostdeutschland aufbauen, stehe aber in Konflikt mit der Bundesregierung um Liefermengen und die Logistik der Verteilung.

Der Moderna-Impfstoff gilt mit 25 bis 37 Dollar pro Dosis als das teuerste verfügbare Corona-Vakzin. Firmenchef Bancel erklärte bereits im Februar, mit den bestellten Impfdosen in diesem Jahr einen Umsatz von mehr als 18 Milliarden Dollar gesichert zu haben. Mit dem ersten kommerziellen Produkt werde das Unternehmen aus dem Nichts in die "Top 3 oder Top 4" der globalen Impfstoffhersteller aufrücken - und das schon mit weniger als einem Viertel der jetzt angepeilten Liefermenge. An der Börse wird die Firma inzwischen mit mehr als 70 Milliarden Dollar bewertet.

ak/Reuters