Deutsche Corona-Impfstoffhoffnung Curevac gibt sich auf dem US-Markt geschlagen

Curevac ist neben Biontech die zweite große deutsche Impfstoff-Hoffnung. Allerdings sind die Tübinger noch nicht so weit wie manche Wettbewerber. Für die strategische Planung des Unternehmens ist das nicht unerheblich.
Corona-Impfstoffe für den US-Markt: Curevac wird vorerst nicht mitmischen

Corona-Impfstoffe für den US-Markt: Curevac wird vorerst nicht mitmischen

Foto: Sascha Steinach / imago images/Steinach

Das deutsche Biotechunternehmen Curevac, das bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes den Wettbewerbern hinterherhinkt, hat die USA mit seinen rund 330 Millionen Einwohnern von der Liste der möglichen Großabnehmer vorerst gestrichen.

"Nordamerika ist für uns noch kein Markt. Die jetzige Administration hat sehr schnell und sehr viele Dosen vorbestellt und reserviert, von Johnson & Johnson, Astrazeneca und Sanofi-GSK, Moderna und auch Biontech/Pfizer", sagte der Vorstandsvorsitzende Franz-Werner Haas (50) am Montag in Tübingen. Curevac rechnet nach früheren Aussagen von Haas mit einer endgültigen Zulassung seines Impfstoffes im dritten Quartal 2021. Bis dahin dürften die Wettbewerber zumindest in den USA den Markt großteils besetzt haben. Dabei war Curevac erst Mitte August mit großem Erfolg an die New Yorker Börse gegangen. Der deutsche Staat hat sich an der Firma direkt beteiligt - auch aus der im Frühjahr geschürten Sorge heraus, US-Präsident Donald Trump könne die Impfstoffhoffnung Curevac amerikanisieren.

Die zulassungsrelevante klinische Phase-III-Studie mit bis zu 30.000 Teilnehmern soll laut Haas bis Ende 2020 eingeleitet werden. Mit ersten Ergebnissen rechnet Curevac dann mit Beginn des Frühjahrs. Zurzeit warte das Unternehmen auf die Genehmigung der Behörden. "Wir von uns aus sind bereit."

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Der beste, nicht der erste Impfstoff

Großaktionär Dietmar Hopp (80), der im Frühjahr noch einen Impfstoff für Oktober 2020 in Aussicht gestellt hatte, gibt inzwischen als Ziel aus, nicht den ersten, sondern den besten Impfstoff zu liefern. Andere Unternehmen sind weiter. So hatte Pfizer zusammen mit dem Mainzer Hersteller Biontech einen Corona-Impfstoff entwickelt. In Großbritannien ist dieser bereits zugelassen. Die Regierung unter Boris Johnson will - Brexit hin oder her - schon in Kürze mit den Impfungen beginnen. Erste Lieferungen kamen bereits in der vergangenen Woche an, weitere sollen mit Militärflugzeugen eingeflogen werden, berichtete die britische Presse am Montag. In den USA und Europa warten die Mainzer noch auf die Zulassung.

Auch der Wettbewerber Moderna hat in den USA und der EU Anträge auf eine Notfallzulassung beziehungsweise bedingte Zulassung seines Impfstoffes gestellt. Mit einem Bescheid wird noch im Dezember gerechnet.

Wie bei Biontech basiert auch der Curevac-Impfstoff auf dem Botenmolekül mRNA, der im Körper die Bildung eines Viruseiweißes anregt. Dies löst eine Immunreaktion aus, die den Menschen vor dem Virus schützen soll. Mit der EU-Kommission hat Curevac bereits einen Vertrag über den Kauf von bis zu 405 Millionen Impfdosen geschlossen. Wie viele Dosen nach Deutschland oder Baden-Württemberg gehen sollen, ist bislang unklar.

Derzeit scheint es so, dass sich Curevac zunächst auf Europa und andere Regionen wie Lateinamerika oder Entwicklungsländer konzentrieren werde. "Wir sind bei Sars-CoV-2 in einer Situation, wo wir die Welt vakzinieren müssen. Das Virus kennt keine Hautfarbe, keine Religion, kein Geschlecht und keine Grenzen", sagte Haas.

Stabil bei Zimmertemperatur

Erneut hob er in diesem Kontext den möglichen Vorteil des Curevac-Impfstoffes hervor. Denn der Tübinger Impfstoffkandidat sei auch bei einer Temperatur von plus fünf Grad mindestens drei Monate lang haltbar. Zudem bleibe CVnCoV, wie die Flüssigkeit heißt, bei Raumtemperatur bis zu 24 Stunden als gebrauchsfertiger Impfstoff stabil. "Ein Impfstoff, der lange bei Kühlschranktemperaturen gelagert werden kann und auch einige Zeit bei Zimmertemperatur stabil bleibt, ist im Vorteil", sagte Haas.

Die Entwicklung eines Impfstoffs gegen die Pandemie in nur zehn Monaten bezeichnete der Curevac-Chef als Meilenstein. Die Risiken von Fehlern seien vorhanden, wenn auch in einem sehr geringen Umfang. "Die regulatorischen Behörden machen technologieunabhängig keine Abstriche bei Sicherheit und Verträglichkeit", sagte Haas.

Curevac schreibt noch rote Zahlen. Mit Gewinnen rechnet Haas erst im Jahr 2022. Haas sprach von rund 700 Millionen Euro Investitionskosten im Zusammenhang mit der Entwicklung des Impfstoffs.

rei/dpa, Reuters