Kampf gegen Virusmutanten Curevac und Astrazeneca wollen neue Corona-Impfstoffe entwickeln

Ansteckendere Varianten des Coronavirus erschweren die Bekämpfung der Pandemie. Curevac und Astrazeneca wollen nun jeweils das Vakzin der nächsten Generation entwickeln - und es soll schnell gehen.
Die Mutation schon im Blick: Curevac und Glaxo auf der einen sowie Astrazeneca sowie die Uni Oxford auf der anderen Seite wollen mit Hochdruck neue Vakzine gegen Varianten des Coronavirus entwickeln

Die Mutation schon im Blick: Curevac und Glaxo auf der einen sowie Astrazeneca sowie die Uni Oxford auf der anderen Seite wollen mit Hochdruck neue Vakzine gegen Varianten des Coronavirus entwickeln

Foto: Sebastian Kahnert / picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Vor wenigen Tagen erst verkündete Curevac, dass das Unternehmen die Kooperation mit Bayer ausbauen und der Dax-Konzern den noch in der Entwicklung befindlichen aktuellen Covid-19-Impfstoff künftig mit produzieren wird. Nun installiert das Tübinger Biotechunternehmen eine weitere Partnerschaft:

Curevac will zusammen mit dem britischen Pharmakonzern Glaxosmithkline (GSK) Covid-19-Impfstoffe der nächsten Generation entwickeln. Diese sollen sich gegen die aufkommenden ansteckenderen Virusvarianten richten, teilten die beiden Unternehmen am Mittwoch mit . Verfügbar könnte das Vakzin bei erfolgreicher Entwicklung und Zulassung im kommenden Jahr sein.

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Diese Impfstoffprojekte gegen Covid-19 sind am weitesten

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Die 150 Millionen Euro schwere neue Kooperation baut auf dem bestehenden Covid-19-Impfstoff von Curevac auf, der auf der sogenannten Boten-RNA (mRNA) basiert. GSK will Curevac bei der Herstellung von bis zu 100 Millionen Dosen dieses Impfstoffs im Jahr 2021 unterstützen, für den voraussichtlich im zweiten Quartal Zulassungsanträge gestellt werden sollen.

Zulassungsanträge für das zweite Quartal geplant

"Wir glauben, dass die Impfstoffe der nächsten Generation entscheidend für den anhaltenden Kampf gegen Covid-19 sind. Diese neue Kooperation baut auf unseren bestehenden Verbindungen mit Curevac auf", erklärte GSK-Chefin Emma Walmsley (51). Das britische Unternehmen und Curevac hatten im vergangenen Juli eine Zusammenarbeit über die Erforschung bis hin zur Vermarktung von mRNA-Impfstoffen und Antikörpern zur Behandlung von Infektionskrankheiten vereinbart. Dabei stieg der GSK-Konzern, der zuvor bereits selbst eine mRNA-Impfstofftechnologieplattform aufgebaut hatte, auch mit Eigenkapital bei Curevac ein und hält nun einen Anteil von rund 8 Prozent.

Den Impfstoff der nächsten Generation wird GSK in allen Ländern mit Ausnahme von Deutschland, Österreich und der Schweiz vermarkten. An Curevac leistet der Konzern eine Vorauszahlung von 75 Millionen Euro und eine weitere Zahlung über 75 Millionen Euro, die vom Erreichen bestimmter Meilensteine abhängt.

Auch Astrazeneca will neuen Impfstoff gegen Virusvarianten entwickeln

Ob es einen Markt für die geplanten neuen Impfstoffe gegen die Virusvarianten gibt, muss sich noch erweisen. Curevac steht dabei im unmittelbaren Wettlauf mit dem britischen Wettbewerber Astrazeneca. Der Pharmakonzern, der wegen Lieferschwierigkeiten mit der EU in Streit geraten war, will zusammen mit der Universität Oxford bis Herbst ebenfalls einen Covid-19-Impfstoff der nächsten Generation herstellen, der Schutz vor neuen Virusvarianten bieten soll. Astrazeneca wolle diesen "so schnell wie möglich" herstellen, sagte Forschungschef Mene Pangalos (54). Die beiden Partner stünden zudem kurz davor, Daten über die Wirksamkeit ihres Covid-19-Impfstoffs bei älteren Erwachsenen zu haben, sagt Andrew Pollard (55), Leiter der Impfstoffgruppe der Uni Oxford, auf einer virtuellen Pressekonferenz am Mittwoch.

Astrazeneca-Impfstoff wohl auch wirksam gegen Übertragung

Wie Pangalos weiter erklärte, soll der bereits zugelassene Impfstoff ersten Erkenntnissen zufolge nicht nur gegen den Ausbruch der Krankheit, sondern auch gegen die Übertragung des Coronavirus wirken. PCR-Tests bei einer zufälligen Stichprobe aus entsprechend Geimpften in Großbritannien hätten gezeigt, dass der Impfstoff die Übertragung um rund 67 Prozent verringere. Zuvor war nur die Wirkung gegen eine Covid-19-Erkrankung festgestellt worden. Die Zahl bezieht sich auf jene, die eine erste Impfdosis hinter sich haben. Unter Getesteten, die auch die zweite Dosis schon hinter sich haben, konnte lediglich eine Verringerung der Wirksamkeit um knapp 50 Prozent festgestellt werden. Laut Pollard könnte die Differenz an der unterschiedlichen Zusammensetzung der relativ kleinen Stichproben liegen. "Dazu müssen wir noch weitere Analysen anstellen", räumte Pollard ein.

Astrazeneca belegte mit neuen Untersuchungen zum Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung außerdem, dass rund zwölf Wochen Abstand zwischen der ersten und zweiten Impfdosis bei dem eigenen Impfstoff wohl positive Auswirkungen auf dessen Wirksamkeit haben. Zwischen dem 22. und dem 90. Tag nach der ersten Impfdosis soll die Schutzwirkung des Vakzins demnach nicht nachlassen. Die Wirksamkeit gegen eine Erkrankung an Covid-19 wird in dieser Zeit von Astrazeneca mit 76 Prozent angegeben. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hatte die Wirksamkeit des Vakzins mit rund 60 Prozent angegeben. Grund für diese Differenz ist, dass unterschiedliche Daten aus den klinischen Studienphasen in die Berechnung einfließen.

Rückschläge gehören dazu

Auch wenn die Pharmaunternehmen im vergangenen Jahr viel über das Coronavirus gelernt haben dürften, ist die Entwicklung von Impfstoffen kein Selbstgänger. So hatte Glaxosmithkline bei der Entwicklung von Covid-19-Impfstoffen mit seinem französischen Partner Sanofi einen großen Rückschlag erlitten. Das Vakzin - für das GSK das Adjuvans, also den Wirkverstärker beisteuert - erwies sich nach ersten Studienergebnissen insbesondere bei älteren Menschen als nicht wirksam genug. Für eine stärkere Dosierung ist eine neue Studienreihe nötig, die Entwicklung verzögert sich deshalb. Dabei ist ist Glaxo auf dem globalen Impfstoffmarkt die Nummer eins, Sanofi die Nummer zwei vor den US-Wettbewerbern Merck und Johnson & Johnson. Der Impfstoff der beiden basiert auf einer gängigen Technologie, die auch für die Herstellung eines der saisonalen Influenza-Impfstoffe von Sanofi benutzt wird.

Die mRNA-Technologie, die den menschlichen Zellen die Information zur Bekämpfung von Krankheitserregern vermitteln soll, ist dagegen ein völlig neuer Ansatz. Sie kam mit den bereits zugelassenen Covid-19-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna erstmals erfolgreich auf den Markt.

Der Impfstoff von Curevac wurde im Dezember in die entscheidende Phase der Entwicklung gebracht. Die Europäische Kommission hat sich von dem Tübinger Unternehmen, an dem der Bund über die Förderbank KfW rund 16 Prozent hält, bis zu 405 Millionen Impfdosen gesichert.

rei/Reuters
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