Corona-Ausbruch Biontech liefert erstmals Impfstoff nach China

Nachdem der Markt lange verschlossen war, darf Biontech erstmals Impfstoff nach China liefern. Allerdings handelt es sich nur um 11.500 Dosen. Und sie werden nur in China lebenden Deutschen verabreicht.
Die Notaufnahmen der Krankenhäuser füllen sich: Seit der Explosion der Corona-Fälle und dem abrupten Ende der rigorosen Null-Toleranz-Strategie in China vor zwei Wochen verbreitet sich das Virus mit hoher Geschwindigkeit in China. Die Booster- und Impfquote insbesondere unter der älteren Bevölkerung ist niedrig, zudem fehlt nach wie vor ein wirkungsvoller Impfstoff.

Die Notaufnahmen der Krankenhäuser füllen sich: Seit der Explosion der Corona-Fälle und dem abrupten Ende der rigorosen Null-Toleranz-Strategie in China vor zwei Wochen verbreitet sich das Virus mit hoher Geschwindigkeit in China. Die Booster- und Impfquote insbesondere unter der älteren Bevölkerung ist niedrig, zudem fehlt nach wie vor ein wirkungsvoller Impfstoff.

Foto: Uncredited / dpa

Nun also doch. Der Impfstoffhersteller Biontech hat erstmals den chinesischen Markt beliefert – wenn auch zunächst nur in geringem Umfang und nur für die dort lebenden Deutschen. Gemeinsam mit dem chinesischen Partner Fosun Pharma habe das Unternehmen 11.500 Dosen des Covid-19-Impfstoffs auf das chinesische Festland geliefert, teilte Biontech am Donnerstag mit. Die Lieferung sei am 21. Dezember eingetroffen. Sie umfasst sowohl den klassischen Impfstoff auf mRNA-Basis als auch die an die Omikron-Variante BA.4/BA.5 angepasste Variante und damit dieselben Impfstoffe, die auch in Deutschland verfügbar sind.

Für Biontech ist das ein Durchbruch. Die Biontech-Gründer Uğur Şahin (57) und Özlem Türeci (55) hatten bereits ganz zu Beginn der Krise eine Kooperation mit Fosun geschlossen – lange bevor die ersten Vakzine zugelassen waren und auch deutlich vor der späteren globalen Kooperation mit dem US-Pharmariesen Pfizer. Während die Amerikaner den Rest im Rest der Welt als Vermarktungspartner bereitstehen, sollte Fosun den Deutschen bei Entwicklung und Vermarktung in ganz China, Hong Kong, Macau und der Region Taiwan helfen. Die chinesische Regierung sperrte sich aber gegen Impfstoffe aus dem Westen. In China wurde bislang der vor Ort entwickelte, weniger wirksame Impfstoff von Sinovac verabreicht.

Die Biontech-Spitze hatte sich immer wieder um einen Marktzugang bemüht. Anfang November begleitete Şahin Bundeskanzler Olaf Scholz (64; SPD) bei dessen China-Besuch und führte Gespräche mit diversen Behördenvertretern. Scholz hatte nach eigenen Worten bei seinem Besuch in Peking grünes Licht für die Zulassung des Corona-Impfstoffs von Biontech für in China lebende Ausländer bekommen.

In einem ersten Schritt gilt die nun für die rund 20.000 in China lebenden deutschen Staatsbürger, wie ein Sprecher der Bundesregierung bestätigte. Man setze sich aber weiter dafür ein, dass auch Ausländer anderer Staatsangehörigkeiten in China mit Biontech geimpft werden können. Im Gegenzug könnten in Deutschland lebende Chinesinnen und Chinesen mit dem chinesischen Impfstoff von Sinovac geimpft werden, für den es keine allgemeine Zulassung in Deutschland gibt. Bei einer Gesamtbevölkerung von mehr als 1,4 Milliarden Menschen leben in China nach Schätzungen derzeit etwa 400 000 "Expatriates". Vor Beginn der Pandemie sollen es 850.000 gewesen sein.

Infektionszahlen in China steigen rasant

Aktuell ist der Druck in China besonders hoch. Nachdem die Regierung alle der zuvor sehr rigiden Schutzmaßnahmen aufgehoben hatte, steigen die Infektionszahlen rasant. Berichte über eine Überlastung des Gesundheitssystems machen die Runde. Zwar sind die offiziellen Infektions- und Todeszahlen nach wie vor relativ niedrig, aber die meisten Experten bezweifeln deren Aussagekraft.

"Wir danken der chinesischen und der deutschen Regierung für ihre kontinuierliche Unterstützung und ihre gemeinsamen Bemühungen bei der Versorgung der in China lebenden Deutschen mit unseren monovalenten und den an Omikron BA.4/BA.5 angepassten bivalenten mRNA-Covid-19-Impfstoffen", sagte Sean Marett (57), der COO von Biontech. "Dass die ersten Impfstoffdosen auf dem chinesischen Festland eingetroffen sind, ist sowohl für uns als Unternehmen als auch im Rahmen der Partnerschaft mit Fosun Pharma ein großer Meilenstein im Kampf gegen diese Pandemie."

Und Li Shengli, Executive President und Chief Growth Officer bei Fosun, sagte laut offizieller Mitteilung: "Seit dem Ausbruch der Covid-19-Epidemie haben wir eng mit Biontech zusammengearbeitet." Gemeinsam mit den Behörden habe man die Forschung und Entwicklung sowie die klinische Erprobung des Impfstoffs in China "zügig durchgeführt". Man freue sich, "die auf dem chinesischen Festland lebenden Deutschen zu impfen, was ein weiterer Meilenstein in unserer globalen Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Covid-Pandemie ist."

Die Impfstoffdosen werden voraussichtlich in Peking, Shanghai, Guangzhou, Shenyang und Chengdu erhältlich sein. Sie sollen über die deutschen Konsulate verteilt werden.

lhy, rei/dpa

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