Nach Daten aus Israel Biontech und Pfizer raten zur dritten Impfung

Die Schutzwirkung des Corona-Impfstoffs lässt laut israelischen Daten nach. Biontech und Pfizer wollen jetzt die Zulassung einer dritten Dosis beantragen. Der Booster sei ein halbes bis ein Jahr nach der zweiten Dosis nötig.
Schutz lässt nach: Impfung eines Mädchens in Tel Aviv mit dem Biontech-Mittel

Schutz lässt nach: Impfung eines Mädchens in Tel Aviv mit dem Biontech-Mittel

Foto: Jack Guez / AFP

Die Impfstoffhersteller Pfizer und Biontech gehen von einem Rückgang der Schutzwirkung des gemeinsamen Coronavirus-Vakzins Comirnaty nach einem halben Jahr aus. "Wie anhand der vom israelischen Gesundheitsministerium erhobenen Daten aus der praktischen Anwendung bereits deutlich wurde, sinkt die Schutzwirkung des Impfstoffs gegenüber Infektionen und symptomatischen Erkrankungen sechs Monate nach der zweiten Impfung", hieß es am Donnerstagabend in einer gemeinsamen Mitteilung. Auf Basis der bisher vorliegenden Daten sei es wahrscheinlich, "dass eine dritte Dosis innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach der vollständigen Impfung erforderlich sein wird".

Bei einer laufenden Studie zu einer dritten Impfung seien "ermutigende Daten" zu beobachten, teilten die beiden Unternehmen mit. Details sollten bald in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift publiziert werden. Außerdem sei geplant, die Daten in den kommenden Wochen bei der US-Arzneimittelbehörde FDA, dem europäischen Pendant EMA und bei anderen Zulassungsbehörden einzureichen. Pfizer und Biontech gingen davon aus, dass eine dritte Dosis das höchste Schutzniveau gegenüber allen bisher getesteten Coronavirus-Varianten erhalte, hieß es weiter. Das gelte auch für die sich ausbreitende Delta-Variante, die nach Angaben des israelischen Gesundheitsministeriums die Wirksamkeit deutlich senkt. Man entwickle zugleich aber auch eine angepasste Version des gemeinsamen mRNA-Impfstoffs.

Kurz nach dem Statement von Pfizer und Biontech hieß es am Donnerstag in einer von US-Medien verbreiteten Mitteilung der FDA und der US-Gesundheitsbehörde CDC, vollständig geimpfte Amerikaner benötigten derzeit keine Auffrischungsimpfung. Man sei aber auf die Verabreichung von Booster-Dosen vorbereitet, sollten wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass sie notwendig seien. Die US-Gesundheitsbehörden untersuchten die Frage, verließen sich dabei aber nicht ausschließlich auf Daten von Pharmafirmen.

Die Hersteller hatten schon länger mit möglichen Auffrischimpfungen kalkuliert und damit auch ihre Umsatzprognosen begründet. Pfizer und Biontech stellen ihren Aktionären noch auf Jahre hinaus Einnahmen von mehr als zehn Milliarden Dollar pro Jahr in Aussicht - und das, obwohl in den lukrativen westlichen Märkten die Mehrheit der Erwachsenen bereits geimpft ist.

Für Entwicklungsländer, denen die USA über die Covax-Initiative eine halbe Milliarde Comirnaty-Dosen anbieten wollen, verlangen die Hersteller den deutlich niedrigeren Selbstkostenpreis. Pfizer-Chef Albert Bourla sprach im Mai von "dauerhafter Nachfrage", vergleichbar mit der Grippeschutzimpfung. Für 2021 erwartet Pfizer 26 Milliarden Dollar Umsatz mit Comirnaty. Damit wäre der Impfstoff das mit Abstand umsatzstärkste Medikament der Geschichte.

Israel spielt eine bedeutende Rolle als Reallabor, weil das kleine Mittelmeerland früh mit der massenhaften Impfung gegen das Coronavirus begann und fast ausschließlich das Mittel von Biontech und Pfizer einsetzt. Der Staat bezahlt für die vorgezogene Lieferung auch mit Daten, die von den vier landesweiten Gesundheitsorganisationen erfasst werden. So lässt sich die Wirkung der Impfung systematisch erfassen.

ak/dpa-afx
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.