Impfstoffe für WHO, Spritzen für EU Biontech und Pfizer in der Non-Profit-Offensive

Der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer kommt nun auch der globalen Covax-Initiative zugute - so kann das Impfen auch in armen Ländern bald starten. Derweil kommen die ersehnten Lieferungen auch des Vakzins von Astrazeneca ins Stocken.
Vakzin für die Welt: Biontech-Impfstoff in nordrhein-westfälischem Pflegeheim

Vakzin für die Welt: Biontech-Impfstoff in nordrhein-westfälischem Pflegeheim

Foto: INA FASSBENDER / AFP

Das Mainzer Unternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer beteiligen sich mit bis zu 40 Millionen Dosen ihres Vakzins an der internationalen Covax-Initiative zur Verteilung von Corona-Impfstoffen an ärmere Länder. Covax habe eine entsprechende Vereinbarung mit Pfizer und Biontech unterzeichnet, sagte der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus (55), am Freitagabend bei einer Pressekonferenz in Genf.

Die Impfdosen würden zum Selbstkostenpreis geliefert, sagte Pfizer-Chef Albert Bourla (59). Es könnten auch noch weitere Dosen hinzukommen. Laut einer früheren Mitteilung werden die Preise für den Impfstoff Comirnaty in drei Stufen nach Kaufkraft der bestellenden Länder gestaffelt.

Biontech stellt zudem nach eigenen Angaben 50 Millionen Spezialspritzen zur Verfügung, mit denen eine zusätzliche Dosis aus dem Impfstoffbehälter gezogen werden kann. Das Unternehmen erklärt, die Nadeln würden zum Selbstkostenpreis weiterverkauft. Das Angebot richte sich an alle Länder weltweit. Wegen der Lieferknappheit beim Impfstoff dürfen in der EU aus der eigentlich mit fünf Impfdosen befüllten Ampullen sechs Portionen gezogen werden. Um den dafür ausreichenden Überschuss zu bekommen, sind Feindosierungsspritzen notwendig. Zuletzt waren die Unternehmen in die Kritik geraten, weil sie weniger Impfstoffampullen liefern als zunächst zugesagt - unter Verweis auf den Liefervertrag, der sich auf eine zugesagte Menge an Impfdosen bezieht. In vielen Fällen konnten aber doch nur fünf Dosen aus einer Ampulle gezogen werden. Mehrere europäische Impfzentren liegen mangels Vakzin derzeit still.

Auch Lieferung von Astrazeneca dürfte stocken

Laut WHO hat Covax außerdem eine Vereinbarung mit dem Serum Institute of India geschlossen, wonach dieses 100 Millionen Corona-Impfdosen des britisch-schwedischen Pharma-Unternehmens Astrazeneca bereitstellt. Sie sollen im ersten Quartal geliefert werden. Zuvor muss die WHO allerdings eine Empfehlung für das Vakzin aussprechen, was für Mitte Februar erwartet wird. Zwei Impfstoffe der chinesischen Hersteller Sinopharm und Sinovac werden laut WHO ab der kommenden Woche geprüft.

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Mit den geplanten Lieferungen des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca in die EU gibt es Probleme. Es könnten weniger Dosen als vorgesehen versendet werden, teilte eine Sprecherin der Pharmafirma am Freitag mit. Grund seien Probleme in einer Produktionsstätte. Der Impfstoff ist in der EU noch nicht zugelassen. Am 29. Januar könnte die EU-Arzneimittelbehörde EMA aber grünes Licht geben. Wie groß die Ausfälle sein werden, sagte die Sprecherin nicht. "Wir werden im Februar und März dutzende Millionen Dosen an die Europäische Union liefern, und wir erhöhen weiterhin die Produktionsmengen."

Das von der Universität Oxford entwickelte Vakzin bleibt anders als die Konkurrenzprodukte der Firmen Pfizer und Biontech sowie Moderna bei deutlich höheren Temperaturen stabil und könnte somit auch von Hausärzten oder Apotheken verimpft werden. Außerdem ist das Mittel deutlich billiger und wird in größeren Mengen hergestellt. Am Donnerstag hatte ein Feuer auf dem Gelände des Serum Institute of India in Pune fünf Menschen getötet. Ersten Angaben zufolge brannte die Baustelle eines Erweiterungsbaus. Die laufende Lizenzproduktion des Astrazeneca-Impfstoffs sei nicht betroffen.

USA stützen globale Covax-Initiative

Die Initiative Covax war im Juni auf dem globalen Impfgipfel gegründet worden. Sie zielt darauf ab, in jedem Land die anfälligsten 20 Prozent der Bevölkerung mit Corona-Impfstoffen zu versorgen. Für 92 Länder mit niedrigen Einkommen werden die Kosten für die Impfdosen übernommen, für reichere Länder dient Covax als Rückfalloption bei Lieferengpässen. Die Impfungen sollen noch im ersten Quartal beginnen, während mehrere reiche Staaten mit ihren schnelleren Impfstofforders schon Ende 2020 loslegen konnten. Zu Beginn der WHO-Tagung hatte Tedros gewarnt, die Welt stehe vor einem "katastrophalen moralischen Versagen", weil der Impfstoffmarkt leergekauft werde.

Bislang hatte Covax mit Herstellern Vereinbarungen über zwei Milliarden Impfdosen erzielt und Optionen auf eine Milliarde weitere Dosen. Allerdings hat von den bisher beteiligten Pharmaunternehmen nur Astrazeneca einen Corona-Impfstoff zur Marktreife gebracht. Biontech/Pfizer kommt nun hinzu. Der Biontech-Impfstoff ist überdies bislang das einzige Corona-Vakzin weltweit, das von der WHO offiziell empfohlen wird.

Geleitet wird Covax gemeinsam von der WHO, dem internationalen Impfbündnis Gavi und dem Bündnis zur Vorbeugung von Epidemien, Cepi. Rund 190 Länder, darunter Deutschland, beteiligen sich an Covax. Am Donnerstag hatte auch die Regierung des neuen US-Präsidenten Joe Biden (78) den Beitritt zu Covax angekündigt. Mehr als 97 Millionen Infektionen mit dem Coronavirus wurden bisher nachgewiesen, weltweit starben mehr als zwei Millionen Infizierte.

ak/AFP, Reuters